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Wochenbrief Nr. 10 / 2017 vom 21. Mai 2017

Liebe Gläubige,

 

Unsere Liebe Frau von Fatima musste  dafür sorgen, dass die Hirtenkinder ein glänzendes Tugendbeispiel gaben und ihre Ermahnungen und Wünsche nicht nur der Welt bekannt gaben, sondern auch in idealer Weise vorlebten.

Es handelt sich bei dem Leben der Hirtenkinder von Fatima deshalb nicht um irgend ein Ideal, sondern um die gelebte Botschaft von Fatima.

Francisco Marto

Francisco war der Bruder der kleinen Jacinta und Vetter der älteren Lucia dos Santos. Zur Zeit der Marienerscheinungen war er 9 Jahre alt und der Kräftigste, und Mutigste von den dreien. Er hatte kastanienbraune Augen und seine Haare waren blond und seidig.

Ein friedliebendes gutes Herz

Francesco liebte besonders die Tiere. Als mutiger Bursche, der keine Furcht kannte, hatte er keine Angst vor Schlangen und Nattern, sondern fing sie und gab ihnen Milch zu trinken. Seine liebsten Freunde waren die Vögel, die er gerne fütterte, und nicht duldete, wenn andere Kinder an ihre Nester gingen. Francisco hatte ein gütiges Herz, noch mehr für die Menschen. Als er eines Tages einen Krüppel sah, sagte er: „Ich kann ihn nicht ansehen, es tut mir bis ins Herz hinein weh!“ Einer alten Frau, die wegen ihrer steifen Glieder Mühe hatte, ihre Herde beisammen zu halten, half Francisco immer, wenn es ihm möglich war, mit Freude und ohne etwas dafür zu erwarten. Die gute Alte nannte ihn ihren kleinen Schutzengel.

Francesco kannte die Welt kaum, und war eine zurückgezogene friedliebende Seele. Wenn andere Kinder herum- tollten, saß er abseits und beschäftigte sich mit seinen Tieren oder mit seiner Flöte. Seine Liebe zur Musik verleitete ihn zum größten Vergehen in seinem kurzen Leben, als er seinem Vater 50 Groschen stahl, um sich eine Harmonika zu kaufen, was er später bitter bereute.

Die erste Erscheinung am 13. Mai 1917

Als Lucia fragte, ob Francesco in den Himmel komme, blickte die Erscheinung ihn mit einem Ausdruck von Güte und mütterlichem Mitleid an, und antwortete: „ Ja, auch er…aber er muss seinen Rosenkranz beten“. Francesco selbst, konnte die Erscheinung nicht sehen. Er hörte Lucia sprechen und sagte ihr: „Lucia, ich sehe nichts!“ Als Lucia darüber die himmlische Dame befragte antwortete sie: „Er soll den Rosenkranz beten, dann wird er mich sehen.“ Francesco hatte das erste Gesätzchen noch nicht vollendet, da wurde er überwältigt vom Glanz der Erscheinung.

Tapferkeit und Opfergeist

Die Mahnung, den Rosenkranz zu beten, nahm er seitdem sehr ernst. Wann immer er sich zurückzog, glitten die Perlen durch seine Finger. Bei den Opfern, mit denen die Kinder der Gottesmutter zu gefallen suchten, zeigte er sich sehr eifrig und erfinderisch. Auch wenn er die Erscheinung immer sehen, aber nie sprechen hörte, wurde er als Erster in alle Geheimnisse Fatimas eingeweiht, und bewies im Gefängnis eine ungeheure Tapferkeit, sie nicht zu verraten. Als Jacinta hinausgeführt wurde, angeblich um im Öl gebraten zu werden, sagte Francesco zu Lucia: „Wenn sie uns töten, welch ein Glück! Dann kommen wir schneller in den Himmel!“

Francisco ist der erste „Gläubige“ von Fatima und das Vorbild für alle, die wie er aus dem Glauben leben müssen. Er hätte mit dem, was ihm Lucia mitgeteilt hat, den Wissenden und Eigeweihten spielen können, zeigte sich aber als ein Muster der Demut und Verschwiegenheit. Sehr oft verbarg er sich um allein zu beten, dabei konnte er so versunken sein, dass er nicht einmal mehr seinen Namen hörte, wenn er gerufen wurde. Sein Hauptanliegen war, den Heiland zu trösten für die unzähligen Sünden der Welt.

Francesco erkrankte an der spanischen Grippe und starb mit großer Ergebung und Sehnsucht nach dem Himmel am 4. April 1919.

Eine Frau, die sehr betrübt war, dass ihr Mann ihren Sohn aus dem Haus gejagt hatte, und sehnlichst eine Versöhnung wünschte, wurde von Francesco auf seinem Krankenbett getröstet: „Bald werde ich im Himmel sein. Sobald ich dort bin, werde ich bei der heiligsten Jungfrau um diese Gnade bitten.“

Tatsächlich kehrte der Sohn noch am Todestag des hl. Francesco zurück, um den Vater um Verzeihung zu bitten, und der Friede kehrte in jenes Haus zurück.

 

Mit priesterlichem Segensgruß

P. Andreas Jeindl