Publikationen / Wochenbrief Nr. 09 aus 2013
Zaitzkofen, 18. Mai 2013
Zum hl. Fronleichnamsfest
Liebe Gläubige!
„Dieses Opfer ist ein wirkliches Sühneopfer, und es bewirkt, dass wir Barmherzigkeit erlangen und die Gnade zur rechtzeitigen Hilfe“ (Konzil von Trient, 22. Sitzung, Kapitel 2).
Nachdem mit dem hochheiligen Pfingstfest die Feier der Geheimnisse des Lebens und Sterbens Christi abgeschlossen ist, wendet sich die Kirche zunächst noch einmal jenen Wahrheiten des Glaubens zu, welche ganz besonders die Größe und Liebe Gottes beinhalten. Kaum hat sie den Gläubigen das Geheimnis der Allerheiligsten Dreifaltigkeit vor Augen geführt, erscheint als die nächste, entscheidende Wirklichkeit unserer heiligen Religion das allerheiligste Altarsakrament.
Dieses Sakrament ist das größte aller Sakramente, die größte aller Einrichtungen Gottes auf Erden. Dieses Sakrament birgt in sich Gott selbst. Hier ist Christus wahrhaft, wirklich und wesentlich, mit Fleisch und Blut, Leib und Seele, mit Gottheit und Menschheit gegenwärtig. Dieses Sakrament vergegenwärtigt jene unfassbare Tat des Gottmenschen, mit welcher er uns erlöst hat. Hier nehmen wir wahrhaft teil am Opfer von Kalvaria.
Jene Tatsache in diesem Geheimnis aber, die heute am meisten vergessen oder verschwiegen wird, die für uns schuldbeladene Menschen jedoch am ermutigsten ist, hat das Konzil von Trient feierlich gegen die Irrlehre Luthers verkündet: Das hl. Meßopfer ist ein wahres Sühneopfer, es tilgt unsere Sünden, es versöhnt uns mit Gott. „Wenn wir mit geradem Herzen, mit rechtem Glauben, mit Scheu und Ehrfurcht, zerknirscht und bußfertig vor Gott hintreten, erlangt es für uns Barmherzigkeit. Versöhnt durch die Darbringung dieses Opfers, gibt der Herr die Gnade und die Gabe der Buße, und vergibt die Vergehen und Sünden, mögen sie noch so schwer sein“ (Konzil von Trient, ebd.).
Nicht dass der Besuch der hl. Messe das Sakrament der hl. Beichte überflüssig machen würde, aber es verleiht dem Sünder die wahre Reue über seine Sünden und versöhnt den Sünder schon vor dem Empfang der hl. Buße mit seinem Schöpfer.
In seiner Erklärung des hl. Meßopfers berichtet Pater Martin von Cochem aus dem Leben des hl. Paulus Simplicius, wie dieser, mit der Seelenschau begabt, eines Sonntags morgens vor der Kirchentür stand und die Gottesdienstbesucher beobachtete. Da sah er einen Mann mit einem sehr finsteren Gesicht und in Begleitung zweier Teufel, die ihn gefesselt und geknebelt hielten. Sehr traurig über den trostlosen Zustand dieses Mannes begann der hl. Paulus eifrig zu beten. Als dann der Mann nach dem heiligen Opfer das Gotteshaus wieder verließ, befand sich dessen Seele in glänzendem Licht und sein Schutzengel ging an seiner Seite. Da sprang der heilige Paulus vor Freude auf und rief: O unaussprechliche Güte Gottes!
Mögen auch wir unseren Glauben an die Sünden vergebende Kraft des hl. Meßopfers immer wieder in uns wachrufen. Gerade heute, da man nicht nur in der Öffentlichkeit, sondern auch in vielen Bereichen der Kirche, nicht mehr von Sünde und Wiedergutmachung spricht, sollten wir im Besuch der hl. Messe diesen Geist der Sühne und Zerknirschung für unsere und der Welt Sünden suchen, und dem lieben Gott für dieses so große Geschenk des allerheiligsten Altarsakramentes danken.
Mit priesterlichem Segensgruß
Ihr P. Matthias Grün
