Zeugnis eines Seminaristen

Wie hindernisreich kann der Weg ins Seminar sein? Sehen Sie hier das Zeugnis eines russischen Seminaristen:

 


Bin ich berufen? / Was ist eine Berufung?

Ob jemand zum Priestertum berufen ist, erkennt man an zwei Bedingungen die erfüllt sein müssen, damit jemand von Gott zum Priester berufen ist, (wir sprechen hier im Besonderen von der priesterlichen Berufung).

-     Er muss eine Eignung zum Priestertum haben.

-     Er muss durch die rechtmäßigen Diener der Kirche berufen werden (Konzil von Trient).

Zwei Elemente machen also die Berufung aus. Und beide kommen von Gott:

1. Gott allein gibt den Menschen, die Er erwählt, die erforderlichen Talente, Anlagen und Gnaden, die zum Priestertum notwendig sind.

2. Er leitet die Kirche in der Wahl ihrer Diener. Das ist ganz entscheidend. Wenn ein junger Mann überzeugt ist berufen zu sein und (seit langem) den Wunsch hat, Priester zu werden, so ist dies noch kein Beweis für die Echtheit einer Berufung. Es kommt der Kirche zu, die Kandidaten zu prüfen, zu entscheiden, ob sie geeignet sind und in ihnen zu erkennen, ob Gott sie erwählt hat zum Dienst des Altars. Gott spricht also durch die Kirche.

Welches sind nun die Qualitäten und Anlagen, welche die Eignung zum Priestertum ausmachen?

1. Lautere Absicht

Sie besteht darin, dass man einzig vom Wunsch beseelt ist, den Willen Gottes zu erfüllen, auf die Erwählung Gottes zu antworten, ein Mitarbeiter des Heilandes zu werden im Werk der Erlösung, in inniger Vereinigung mit ihm.

2. Genügende intellektuelle Fähigkeiten

Sie sind dann vorhanden, wenn der Kandidat fähig ist, den höheren Studien ohne größere Schwierigkeiten folgen zu können. Noch wichtiger aber als Intelligenz ist ein gutes Urteilsvermögen, gesunder Menschenverstand, was ihn befähigt, jene für den Priester so notwendige Tugend zu erwerben: die Klugheit. Er soll eines Tages ein kluger Hirte sein, der die ihm anvertrauten Seelen durch die Fährnisse des Lebens sicher leitet.

3. Reinheit des Lebens

Sie umfasst eine Gesamtheit von moralischen Qualitäten und Tugenden, wie u.a. folgende: Tatkraft, Großherzigkeit, Geist der Bescheidenheit und Armut, Opferbereitschaft, Beherrschung der Sinne, solide Frömmigkeit; sodann psychologische Qualitäten wie seelische Ausgeglichenheit und psychische Belastbarkeit.

Dies ist kurz zusammengefasst das Wesen der priesterlichen Berufung. Es ist ganz klar, dass der Wunsch des jungen Mannes nach dem Priestertum dazukommen kann, aber dies ist kein wesentliches Element und auch nicht notwendig. Manch einer hatte den Wunsch, Priester oder Ordensmann zu werden, ohne jedoch die Eignung dazu zu haben. Und wie viele mögen diese Eignung haben und sind vielleicht von Gott erwählt, aber verspüren nicht den Wunsch... weil er in ihnen nie geweckt wurde, oder weil alles ihn erstickt hat? ...

Der französische Kardinal Billot sagte: „Wie viele unter den jungen Leuten hätten durch die Gnade Gottes diese gerade Absicht, diese Liebe zu den Seelen, diese Neigung zu den heiligen Dingen, diese Rechtschaffenheit des Lebens als Unterpfand der Zukunft, was alles in allem das Wesentliche ausmacht, das man als priesterliche Berufung zu bezeichnen übereingekommen ist, aber der Ruf Gottes drang nicht in ihr Herz!“