Die Civitas-Vereinigung in Frankreich organisiert für den 21. September 2014 in Paris eine friedliche Demonstration zur Unterstützung der verfolgten Christen im Nahen Osten. Hier lesen Sie den Antwortbrief des Patriarchen von Jerusalem:


Patriarchatus Latinus Jerusalem

Jerusalem, den 21. August 2014

 An die Verantwortlichen der Civitas-Vereinigung:

 Von Jerusalem aus möchte ich Ihnen in meinem und im Namen aller Christen im Heiligen Land und im Nahen Osten von ganzem Herzen danken für Ihre Unterstützung und Sie auch ermutigen zu der öffentlichen Kundgebung, die Sie für den kommenden 21. September für die verfolgten Christen im Nahen Osten organisieren.

 Unsere Leiden sind groß, die Tragödie, die unsere Brüder im Gaza-Streifen erleben, ist unaussprechlich. Zu den Bombardierungen kommt wegen des Mangels an Wasser nun noch eine dramatische Lage der Hygiene hinzu.

In diesem Nahen Osten, in Feuer und Blut getaucht, eine Beute des Fanatismus und der Gewalt, sind die Unschuldigen die ersten Opfer: Kinder, Christen und andere Minderheiten. In Jordanien haben wir kürzlich fast tausend Christen aufgenommen, die aus dem Irak verjagt wurden. Sie haben alles verloren, einige sogar, was das Kostbarste für sie war: Frau oder Mann, Kinder, Eltern, und zwar unter solch grausamen barbarischen Bedingungen, die jeglicher Beschreibung spotten. Doch mitten in dieser tiefen Trübsal ist die Flamme ihres Glaubens – dieses Glaubens, für den sie bereit waren, alles zu verlieren – nicht erloschen. Und diese Flamme ist ein Zeichen für die ganze Welt.

 Vereinen wir uns auf den Ruf unseres Papstes Franziskus hin um zu beten, gemeinsam zu beten ohne Unterlass. Unser Gebet ist niemals umsonst. Es ist unsere Pflicht, uns zu mobilisieren, wie Sie es tun, und unsere Stimmen zu vereinen, damit sie gehört werden, damit die Regierungen überall in der Welt sich der Dringlichkeit bewusst werden, sich für die Rettung der Christen im Nahen Osten einzusetzen.

Mehr denn je brauchen wir Ihre Unterstützung und Ihr Gebet.

In Erwartung der Freude, Sie in Jerusalem zu sehen, wenn Sie ins Heilige Land kommen, versichere ich Sie meines Segens und meiner innigen Verbundenheit,

+ Fouad Twal

Lateinischer Patriarch von Jerusalem

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An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen

Am vergangenen Freitag, den 18. Juli wurden die "Eckdaten des kirchlichen Lebens in den Bistümern Deutschlands" veröffentlicht. Sie sprechen eine deutliche Sprache: Im Jahre 2013 sind 179.000 Katholiken aus der Kirche ausgetreten, 64.400 mehr als 2012. Der wachsame Katholik wundert sich darüber nicht: Von den 24,2 Millionen Taufscheinkatholiken im Land praktizieren nach denselben Angaben noch 10,8 % regelmäßig - fast 90 % haben also kein Interesse an der Teilnahme am hl. Opfer, am Empfang der Sakramente und an einer entsprechenden Glaubensunterweisung. Die meisten von ihnen haben den Glauben wohl verloren: den Glauben an den dreifaltigen Gott, an die Gottheit Jesu Christ, an die Gründung der Kirche als seiner mystischen Braut, an ihre Einzigartigkeit als Pforte des Heiles, an die Erbsünde, an die Erlösungsbedürftigkeit des Menschen durch die Gnade, an ein ewiges Leben nach dem zeitlichen Tod, an Himmel, Hölle und Fegfeuer, an die unbefleckte Empfängnis Mariens und ihre immerwährende Jungfräulichkeit, etc., etc. Warum sollen sie dann noch Kirchensteuern bezahlen?

 Unter den Ausgetretenen ist wohl aber auch eine Minderheit, die aus ganz anderen Gründen heraus diesen Schritt getan hat: Sie kann und will die Abbrucharbeit in der Kirche selbst nicht mitfinanzieren, die Verschandelung unserer Gotteshäuser (siehe z. B. die Pläne für die Umgestaltung der St. Hedwigskathedrale in Berlin), die Profanierung des göttlichen Kultes, die Fälschung des Evangeliums zu einer bloßer Sozialbotschaft, die Herausgabe glaubensgefährdender Katechismen, etc., etc.

Und was tun die deutschen Bischöfe? Bemühen sie sich, durch Glaubens-kurse, Volksmissionen und Exerzitienkurse die Abständigen zum Glauben zurückzuführen? Nirgends ist ein solches Bemühen zu erkennen. Kardinal Marx hat angesichts der alarmierenden Zahlen erklärt: "Die aktuellen Zahlen sind schmerzlich, und alle in der Kirche müssen das ernst nehmen für ihr Handeln. Das 2. Halbjahr 2013 hat offensichtlich zu einem Vertrauens- und Glaubwürdigkeitsverlust geführt." Nein, Eminenz, das ganze Jahr ist von einem weiteren Abbau des Glaubens selbst gekennzeichnet. Die Schuld für die steigenden Austrittszahlen auf das Konto von Bischof Tebartz-van Elst zu buchen, ist allzu einfach und lenkt vom eigenen Versagen der Bischöfe ab.

Und wie stellen sich die Oberhirten zu den Sorgen und Nöten der zweiten Gruppe? Sie verachten sie und verbieten beispielsweise einer Organisation, die sich um die Rettung ungeborener Kinder kümmert, in den Diözesen zu sammeln, um diese Rettungsaktion stärken und ausweiten zu können.

Aus der Reaktion der Bischöfe ist ersichtlich: Nicht der Glaube im Volk ist ihr großes Anliegen, sondern die Kirchensteuer. Armes Volk, das solche  Hirten hat! Mit dem hl. Petrus Canisius, dem 2. Apostel Deutschlands, wollen wir für sie beten:

"Allmächtiger, ewiger Gott, Du hast für die Leitung Deiner heiligen Kirche und die Glaubenseinheit über uns die Bischöfe gesetzt als Nachfolger der Apostel, als Wächter und Beschützer der Seelen. Gieße aus über sie, so flehen wir inständig zu Dir, eine Gnadenfülle, wirksam genug, dass sie sich immer mehr als gute Hirten bewähren und nutzbringend arbeiten zu Deiner Verherrlichung und unserem Heil. Dass sie durch ihr Wort und vor allem durch ihr Beispiel vollkommen alle Pflichten erfüllen, die ihnen aufgetragen sind. Dass sie den christlichen Glauben rein von jedem Irrtum bewahren. Dass wir unter ihrer glückbringenden Leitung allezeit leben können in Frömmigkeit, Frieden und christlicher Liebe.
Amen"

Zaitzkofen, 26. Juli 2014

P. Franz Schmidberger
Regens
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Wer Augen hat zu sehen, der sehe!

Zwei ganze verschiedene Initiativen von Papst Franziskus geben Anlass zu ernstem Nachdenken: Als die Menschheit im August und Anfang September des letzten Jahres am Rand eines Weltkrieges stand - Russland unterstützte in Syrien Präsident Assat, der Westen die fanatischen moslemischen Aufständischen - rief der Heilige Vater die ganze Christenheit zu Gebet und einem Tag des Fastens auf. Auf dem Petersplatz wurde eine vierstündige Gebetswache vor ausgesetztem Allerheiligsten mit traditionellen liturgischen Gesängen und  Gebeten abgehalten. Wenige Tage danach war die Gefahr wie durch ein Wunder gebannt. Gott erhört die Seinigen, wenn sie seine Majestät und Oberherrschaft über die ganze Welt anerkennend zu ihm um Hilfe rufen.

Dieses Jahr gab es eine andere Initiative: Anlässlich seines Israel-Besuches lud der Papst den israelischen Staatspräsidenten Peres, also einen Juden, und den Palästinenser-Präsidenten Abbas, einen Moslem, in den Vatikan zu einem Friedensgebet für den Nahen Osten ein. Dieses Treffen fand am Pfingstsonntagabend in den Vatikanischen Gärten statt. Vertreter der drei Religionen formulierten Gebete, wobei der islamische Iman den vorgesehenen Rahmen sprengte und aus einer Sure des Koran zitierte, in welcher die Ungläubigen - nach Auffassung des Islam sind dies vor allem die Christen und Juden - verflucht werden; doch ist dies nur ein Nebenumstand.

Unmittelbar nach diesem Ereignis brach der Bürgerkrieg im Irak aus und jetzt dazu der mörderische Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern, also genau in jener Region und unter jenen Völkern, deren Vertreter mit dem Papst für den Frieden gebetet haben. Offensichtlich hat Gott das Friedensgebet nicht nur nicht erhört; vielmehr fordert die Vermischung der sogenannten drei abrahamitischen Religionen - Christentum, Judentum und Islam - seinen Zorn heraus.

Ziehen wir die Folgerungen: Handelt der Papst im Geiste der Kirche als wahrer Nachfolger Petri, so wirkt Gott sichtbar sein Heil im Leben der Völker. Handelt der Papst dagegen gemäß den liberalen Ideen der Aufklärung und der Ringparabel Lessings, dann führt Gott seine Kirche nicht nur nicht aus der Krise heraus, sondern züchtigt die Völker durch Krieg, Aufruhr, Terror, Unruhen und Katastrophen.

Wie ausgewogen, realistisch und weise ist darum die Haltung der Priesterbruderschaft St. Pius X. und ihres Generaloberen, Bischof Fellay, in der heutigen Krise: Wir anerkennen den Papst und beten für ihn mehr denn je; seinem liberalen und relativistischen Kurs können und dürfen wir dagegen nicht folgen. Wir sind weder schismatisch oder halten es mit den  Papst-Absetzern, noch sind wir liberal, sondern katholisch, römisch-katholisch.

Wer Augen hat zu sehen, der sehe (vgl.   Mt. 13, 13).

Zaitzkofen, den 20. Juli 2014

P. Franz Schmidberger
Regens

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Montag, 30. Juni 2014

Bericht Allgemeine Laber-Zeitung (sb)

Mittler zwischen Mensch und Gott

Weihe von fünf Priestern und drei Diakonen - Feier im Schlosspark

 

Zaitzkofen. Weit über 2000 Gläubige der traditionellen katholischen Kirche knieten im taufrischen Grün des Parks nieder und bekreuzigten sich, als Bischof Bernard Tissier de Mallerais im Beisein von Bischof Bernard Fellay, dem Generaloberen der Priesterbruderschaft St. Pius X., segnend seinen Einzug in das Weihezelt vor der Kulisse des 300 Jahre alten Schlosses hielt. Im Rahmen eines feierlichen Pontifikalamtes fanden am Samstag die 40. Priesterweihen im Herz-Jesu-Priesterseminar in Zaitzkofen statt. Dabei legte Bischof Tissier de Mallerais fünf Diakonen die Hände auf und weihte sie zu Priestern und drei Subdiakone zu Diakonen. Die Weihekandidaten traten vor Altar und Bischof und sprachen ihr „Adsum!" - „Ich bin bereit!"

Die Gläubigen der traditionsgebundenen katholischen Kirche - unter ihnen die Schwestern und hundert Schülerinnen des St.-Theresien-Gymnasiums   Schönenberg bei Bonn - waren gekommen, um diesen denkwürdigen Tag mitzufeiern. Mit der Spendung des Sakramentes der Priesterweihe in Zaitzkofen will die internationale Priesterbruderschaft St. Pius X. nach den Worten ihres Regens, Pater Franz Schmidberger, zum einen die geistige und geistliche Bedeutung des Hauses in der deutschsprachigen „Familie der Tradition" in Abgrenzung zur modernistischen, nachkonziliaren und liberal-katholischen Denkart zum Ausdruck bringen und zum anderen die Freude des Seminars mit den Gläubigen, dem katholischen Volk, teilen im Wissen um die Bedeutung des katholischen Priestertums für die Erneuerung der Kirche und der Gesellschaft durch Christus.

In seiner Festpredigt nannte der Bischof seine Weihekandidaten Mittler und Versöhner zwischen den Menschen und Gott, die im Namen Gottes die Sünden vergeben und Gottes Verzeihen in der Erneuerung des erlösenden Opfers zur Sühne und damit den Menschen das Heil bringen könnten. Auf die Salbung der Hände eingehend, bat der Zelebrant mit den Worten der Kirche: „Weihen und heiligen mögest Du, Herr, diese Hände durch diese Salbung und unsere Segnung", während die Schola den Hymnus „Veni, creator Spiritus!" - „Komm, Heiliger Geist!" sang. Alles, was sie segnen, möge gesegnet sein und alles, was sie weihen werden, geweiht sein im Namen Jesu Christi. Mögen sie am Ende ihres Lebens mit dem seligen Pater Rupert Mayer sagen können: „Ich habe mich der Armen angenommen, Kinder gewissenhaft unterrichtet, Kranke besucht, Gnaden ausgespendet und nie geschwiegen, wo ich das Bekenntnis für meinen Glauben ablegen konnte."

Im Anschluss daran wurden fünf Diakone zu Priestern und drei Subdiakone zu Diakonen geweiht. Die fünf Neupriester erteilten im Anschluss an das Pontifikalamt allen Gläubigen gemeinsam ihren ersten Primizsegen. Am gestrigen Sonntag feierten die Neupriester ab 6.30 Uhr ihre Seminarprimizen.

Feierlicher Einzug in den Schlosspark mit 16 Fahnenabordnungen vor das Weihezelt, in dem Bischof Tissier de Mallerais die heiligen Weihen vollzog.(sb)
Der Augenblick der Handauflegung durch den Bischof ist gekommen.(sb)
Die fünf neugeweihten Priester erteilten gemeinsam ihren ersten Primizsegen.(sb)

Unsere Verantwortung vor Gott

VORTRAG BEIM CIVITAS-KONGRESS IN BONN AM 11. MAI 2014

Am Anfang seiner geistlichen Übungen stellt der hl. Ignatius von Loyola († 1556) folgende Wahrheit als Prinzip und Fundament heraus: „Der Mensch ist geschaffen dazu hin, Gott unseren Herrn zu loben, ihn zu verehren und ihm zu dienen und so seine Seele zu retten.“

Die Antwort auf die erste Frage im alten Katechismus: „Wozu sind wir auf Erden“ lautet so: „Wir sind auf Erden, um Gott zu kennen, ihn zu lieben, ihm zu dienen und einst ewig bei ihm zu leben.“

I. Das ewige Heil der eigenen Seele

Jeder Mensch ist sich in Bezug auf sein ewiges Ziel selbst der Nächste; seine erste Verantwortung gilt dem ewigen Heil der eigenen Seele. Als freies Wesen ist er Herr seiner Handlungen und damit für diese verantwortlich. Ein Tier hat keine Verantwortung, wohl aber der Mensch als Geistwesen mit Verstand und freiem Willen. Am Schöpfungsmorgen hat Gott unsere Stammeltern dazuhin mit der heiligmachenden Gnade ausgestattet und sie so in die übernatürliche Ordnung hinaufgehoben. Damit hat der Mensch ein übernatürliches Ziel, nämlich die Teilhabe an der ewigen Seligkeit Gottes, die immerwährende Anschauung der Allerheiligsten Dreifaltigkeit von Angesicht zu Angesicht, das Eingehen in den unendlichen Ozean der Erkenntnis, der Liebe und des Lebens der drei göttlichen Personen.

Diesem Ziel müssen die Mittel entsprechen, um es zu erreichen: Vervollkommnung des Menschen durch das Üben der natürlichen Tugenden, insbesondere der vier Kardinaltugenden Klugheit, Gerechtigkeit, Starkmut und Mäßigkeit mit allen ihnen verbundenen Tugenden; dann aber vor allem auch die übernatürlichen Tugenden, d. h. des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe; dazu gehören die sieben Gaben des Heiligen Geistes, der ganze übernatürliche Organismus. Für deren Entfaltung sind bestimmend die Teilnahme an der hl. Messe in ihrer altehrwürdigen, fruchtbringenden Form, der Empfang der Sakramente, insbesondere der Beichte und der hl. Kommunion, das tägliche und beharrliche Gebet, der Rosenkranz und die Andacht zum Unbefleckten Herzen Mariens.

In besonderer Weise soll der Christ in dieser Zeit der Ehrfurchtslosigkeit die Ehrfurcht gegenüber Gott und eine Haltung der ständigen Anbetung pflegen. Die Ehrfurchtslosigkeit des modernen aufgeklärten Menschen und sogenannten mündigen Christen offenbart sich vor allem in der Handkommunion, im Verhalten der Heiligen Schrift gegenüber, die ihm nicht mehr als Gottes Wort gilt, im Verhalten an heiliger Stätte, da die schönsten unserer Kirchen von mondänen Touristenmassen überschwemmt werden und anderorts oft eine Marktatmosphäre herrscht. Ehrfurchtslosigkeit macht sich auch bemerkbar im Zurseiteschieben jeder Tradition wie auch der Autorität, insbesondere jene der Eltern.

II. Der Mensch trägt Verantwortung vor Gott für seinen Nächsten

Der Mensch ist Gemeinschaftswesen und steht notwendigerweise in Verbindung mit anderen Menschen: Er wird in eine Familie, in ein Volk hineingeboren, er steht nie isoliert für sich alleine da. Folglich hat er auch eine Verantwortung für das zeitliche und noch mehr für das ewige Wohl seiner Angehörigen und Mitmenschen. Dabei bedient sich Gott in seiner Weltenregierung und in der Ökonomie des Heiles der Zweitursachen, um die Seelen ihrem Ziele entgegenzuführen. Diese Zweitursachen können auch materielle Elemente sein: Einige Tropfen Wasser genügen, um aus einem Heiden einen Christen zu machen; einige Brosamen und einige Tropfen Wein werden in der hl. Messe in den Leib und in das Blut Christi gewandelt. Insbesondere hat Gott aber das Priestertum eingesetzt, um die Menschen zu ihrer ewigen Bestimmung zu führen. Indes hat auch der Laie eine von Gott empfangene Sendung und Aufgabe für seinen Mitmenschen. In Fatima klagt die allerseligste Jungfrau Maria, dass so viele Seelen verloren gehen, weil niemand für sie betet und opfert. Sie spricht nicht davon, sie würden verloren gehen wegen des verderblichen Zeitgeistes oder des verheerenden Einflusses der Massenmedien, der allgemeinen Gottlosigkeit und der Ausbreitung der Pornografie, sondern weil niemand für sie betet und opfert. Wir tragen Verantwortung in der Familie, am Arbeitsplatz, im Freundeskreis, im gesellschaftlichen Leben, in der Kirche. Die Bevölkerung der Erde zählt derzeit rund 7,2 Milliarden Menschen; davon sind 17 % Katholiken, wenigstens auf dem Papier, runde 17 % zählen sich zu anderen christlichen Bekenntnissen. 66 % sind also nicht getauft, kennen den einzigen Erlöser nicht oder wollen ihn nicht kennen, wissen nichts von Taufe, Sündenvergebung, heiliger Kommunion und ewigem Leben im Himmel. Auf all diese Menschen haben wir einen Einfluss, entweder direkt oder indirekt aufgrund der Solidarität im Reich des Geistes. Durch eine wirklich geheiligte Seele, durch ein geopfertes Leben, durch reiche Gebete gießt Gott viele Gnaden auf Bekannte und Unbekannte aus.

Eine besondere Rolle spielt dabei die Autorität: Sie ist von Gott gewollt als Teilhabe an seiner eigenen Vaterschaft. Nicht umsonst mahnt uns der hl. Petrus, der erste Papst, in seinem ersten Brief, wir mögen uns „jeder menschlichen Ordnung unterwerfen, sei es dem König als dem obersten Herrn, sei es den Statthaltern, die in seinem Auftrag die Übeltäter bestrafen und die Guten belohnen“ (1 Petr 2, 13-14).

So haben die Eltern eine große Verantwortung für das zeitliche und ewige Heil ihrer Kinder. Als eines Tages der Herr Kaplan im Religionsunterricht die Kinder fragte, warum sie katholisch seien, antwortete ein Mädchen nach einigem Überlegen: Wir sind katholisch, weil unsere Eltern katholisch sind. Gott hat die Autorität eingesetzt, damit diese die Untergebenen auf den Weg der Wahrheit und des Guten lenke. Der Mensch, insbesondere in der Schwäche seines jetzigen gefallenen Zustandes, bedarf einer solchen Stütze und eines solchen Hirtenamtes.

Nicht anders verhält es sich beim Lehrer: Dieser hat Teil am dreifachen Amte Jesu Christi, nämlich am Lehramt durch die Vermittlung des Wissens und des Erleuchtens der Vernunft des Schülers in der Weitergabe der Wahrheit; des Priesteramtes, indem er beispielsweise auch mit den Schülern betet und für die Schüler betet; des Hirtenamtes, indem er ihren Charakter formt, sie zum Guten anhält und vor dem Bösen warnt.

Nicht anders verhält es sich beim Bürgermeister und dessen Verantwortung für seine Gemeinde oder Stadt. Seine Verordnungen und sein eigenes Beispiel müssen überall das Gute fördern und das Böse (z. B. die Pornografie, Sonntagsschändung und selbstredend die Abtreibung) zurückdrängen und möglichst ganz überwinden.

Ganz in diesem Sinn übten heilige Könige ihr Amt aus, sei es Kaiser Heinrich II., Ludwig IX. von Frankreich, Stephan I. von Ungarn oder die hl. Elisabeth von Thüringen. Aber auch Staatsmänner der letzten 150 Jahre haben ihr Amt in diesem Sinn verstanden: Garcia Moreno in Ecuador, Salazar in Portugal, Dollfuß in Österreich, Franco in Spanien und Adenauer in Deutschland. Sie alle sahen sich letztendlich nur als Stellvertreter des Christkönigs im zeitlichen Bereich und haben entsprechend für eine Verchristlichung der Gesellschaft gearbeitet. Bezeichnend dafür ist das Handeln der hl. Jungfrau von Orleans, Jeanne d’Arc: Sie erbittet das Königreich Frankreich, um es dem Christkönig zu geben, damit dieser es dann dem Erbprinzen zum Lehen anvertraue.

Erst recht hat Gott die Autorität in der Kirche eingesetzt und gewollt, die Autorität des Papstes, der Bischöfe und der einzelnen Priester, um das anvertraute Glaubensgut heilig zu bewahren, zu schützen und getreu darzulegen und so die Menschen in den Himmel zu führen.

Ganz im Gegensatz dazu steht der Bruder des Liberalismus, nämlich der heutige Individualismus: Jeder ist nur noch für sich selber da, jeder kann mit eigener Kraft sein Ziel erreichen. Ein sprechendes Beispiel dafür ist Johannes XXIII., der für das Zweite Vatikanische Konzil programmatisch vorgab, keine neuen Dogmen zu verkünden und auch keine Verurteilung auszusprechen, denn die Irrtümer würden sich im Angesichte der Wahrheit auflösen wie die Nebel vor der aufgehenden Sonne. Hier liegt ein zweifacher Irrtum vor: Einerseits das Verkennen der Rolle und der Bedeutung der Autorität in der menschlichen Gesellschaft, andererseits die praktische Leugnung der Erbsünde. Das Böse ist eine Wirklichkeit in der Welt, es gibt das Geheimnis der Bosheit und das Wirken des Teufels, der immer und überall die Menschen zum Irrtum und zur Unsittlichkeit zu verführen trachtet. Dazu bleiben selbst in der getauften Seele vier tiefe Wunden von der Erbsünde zurück, nämlich die Verdunklung des Geistes, die Verkehrung des Willens, die Schwächung der inneren Kraft und nicht zuletzt die Begierlichkeit der Augen, des Fleisches und die Hoffart des Lebens. Genau hier liegt eben Aufgabe und Bedeutung des katholischen Staates; dieser stärkt und schützt das Gute und Wahre und verdrängt möglichst Irrtum und Unsittlichkeit. Demgegenüber behaupten die liberalen Katholiken, die Kirche bedürfe grundsätzlich der Unterstützung durch den Staat nicht, sie sei an kein gesellschaftliches System gebunden; so sprechen sie sich für die Trennung von Kirche und Staat aus. Zwar ist es wahr: Die Kirche ist an kein gesellschaftliches System gebunden, sie kann immer und überall wirken; aber dieses Wirken kann entweder behindert oder auch gefördert werden, und davon hängt das Heil von unzähligen Seelen ab. Einer der entschiedensten Fürsprecher dieses rein individuellen Christentums und Missachter der von Gott gesetzten Autorität ist Karl Rahner (1904-1984). In einem Artikel „Schau auf die Kirche des beginnenden 3. Jahrtausends“ gibt er folgende Darstellung:

« In dieser künftigen Zeit wird es überall auf der Welt, wenn auch verschieden dicht gestreut, christliche, katholische Gemeinden geben. Und überall werden sie die kleine Herde sein, weil die Menschheit rascher wächst als die Christenheit, weil die Menschen nicht Christ sein werden durch die Kraft des Herkommens und der Überlieferung, der Institution, der Geschichte und nicht mehr durch die Homogenität eines sozialen Milieus und einer öffentlichen Meinung, sondern – vom heiligen Feuer elterlichen Beispiels und der Intimität des Elternhauses, der Familie und kleiner Gruppen als Voraussetzung abgesehen – nur durch eigene, schwer erkämpfte und immer neu errungene Glaubenstat. Überall wird Diaspora sein, Diaspora wird überall sein.

Alle werden in der „Diaspora der Heiden“ leben. Nirgends wird es einfach mehr „katholische Völker“ geben, die im voraus zur persönlichen Entscheidung den Mensch schon christlich prägen. Überall wird das Achristliche und das Widerchristliche gleichberechtigt, ja vielleicht drohend und bedrängend die Gesellschaft mitprägen, gar sich vielleicht in Mächten und Gewalten als Vorläufer und Erscheinung des Antichrists zusammenballen. Und wo im Namen der Notwendigkeit einer einheitlichen Bildung und Ausrichtung der Staat oder der künftige Überstaat vielleicht eine einheitliche Weltanschauung mit allen Mitteln moderner Knetung und Formung der ungeheuren Massen der Mensche wird durchsetzen wollen, da wird es keine christliche Weltanschauung sein, die da zur amtlichen Ideologie der Gesellschaft erklärt wird. Die Christen werden die kleine Herde des Evangeliums sein, vielleicht geachtet, vielleicht verfolgt, vielleicht mit lauter und geachteter Stimme im polyphonen oder kakophonen Konzert eines weltanschaulichen Pluralismus, vielleicht nur leise und nur von Herz zu Herz, heilige Botschaft ihres Herrn weiterzeugend. Sie werden um den Altar versammelt sein, den Tod des Herrn kündend und die Finsternis des eigenen Schicksals, die auch im Superwohlfahrtsstaat der Zukunft keinem erspart sein wird, bergend in die Finsternis des Todes ihres Herrn. Sie werden sich wie Brüder und Schwestern wissen, denn es sind nur wenige mehr unter ihnen, die nicht deutlich ihr eigenes Herz und Leben in eigener Entscheidung an Jesus Christus gewagt haben, nur wenige Mitläufer mehr, denn es lohnt sich irdisch nicht, Christ zu sein. Sei werden gewiss die von Christus gestiftete Struktur ihrer heiligen, weltweiten Gemeinschaft des Glaubens, der Hoffnung, der Liebe, Kirche genannt, treu und unbedingt wahren, sie werden gewiß auch unbefangen all das dabei nutzen, was die Zukunft ihnen bietet oder beläßt an Mitteln der Organisation, der Massenmedien, der Technik usw. »[1]

Dass überall das Antichristliche und das Widerchristliche heute gleichberechtigt, ja sogar drohend und bedrängend die Gesellschaft mitprägen, Mächte und Gewalten als Vorläufer und Erscheinung des Antichristen sich zusammenballen, ist längst Tatsache. Aber wer trägt unter anderem daran die Schuld? Doch gerade jene, die die christlichen Rahmen, die christliche Gesellschaft und den katholischen Staat beseitigt wissen wollten, die dem Herkommen, der Überlieferung, der Institution, der Geschichte und der christlichen Kultur ihre schützende, prägende Kraft absprachen und ihre Rolle, die Wahrheit, den Glauben, das Gnadenleben in den Seelen zu schützen und zu verteidigen, leugneten.  

Freilich kann die Autorität in ihrer gottgewollten Sendung versagen, ja sogar zum Werkzeug des Bösen werden, wie wir dies im Marxismus, im Nationalsozialismus gesehen haben und viele Menschen in diesen Systemen durchleiden mussten. Nicht anders verhält es sich mit den glaubenszerstörenden Reformen in der Kirche, von der konziliaren und nachkonziliaren Autorität in tyrannischer Weise angeordnet. Steht aber ein Befehl im Gegensatz zum Gesetz Gottes, so besteht nicht nur das Recht, sondern auch die Pflicht, diesem wenigstens passiv zu widerstehen. Glasklar führt dies Papst Leo XIII. in seinem Rundschreiben Diuturnum illud vom 29. Juni 1881 aus:

„Nur einen Grund haben die Menschen, nicht zu gehorchen, wenn nämlich etwas von ihnen gefordert werden sollte, was dem natürlichen oder göttlichen Gesetze offenbar widerspricht; denn nichts von alldem, wodurch das Naturgesetz oder der Wille Gottes verletzt wird, ist zu gebieten oder zu tun erlaubt. Sollte daher einer in die Lage kommen, daß er sich gezwungen sieht, eines von beiden zu wählen, nämlich entweder Gottes oder des Herrschers Gebote zu verletzen, dann hat er Christus zu gehorchen, welcher gebietet, dem Kaiser zu geben, was des Kaisers ist, Gott aber, was Gottes ist[2], und nach dem Beispiele des Apostels mutig zu antworten: Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen[3]. Auch besteht kein Grund, jene, die so handeln, der Verweigerung des Gehorsams zu zeihen; wenn nämlich der Wille der Machthaber Gottes Willen und Gesetzen widerspricht, dann überschreiten sie ihre Machtbefugnis und zerstören die Gerechtigkeit; dann wird ihre Autorität hinfällig, denn wo die Gerechtigkeit fehlt, da ist auch keine Autorität.“

Wenn dementsprechend eine Anordnung den Glauben und das Gnadenleben in den Seelen direkt gefährdet oder zerstört, so kann man dieser nicht Folge leisten, selbst wenn sie von der höchsten Autorität kommt. Glaube ist eben mehr als Gehorsam. Hier liegt der Grund, warum wir die protestantisierende neue Liturgie, die Handkommunion, die neuen unkatholischen Katechismen und den heutigen Ökumenismus zurückweisen.

III. Die Religionsfreiheit des II. Vatikanischen Konzils

Diese beinhaltet insbesondere zwei Neuerungen: 1. Den falschen Religionen wird ein Naturrecht zugesprochen, das dann im bürgerlichen Recht festgeschrieben werden muss. Aber nie und nimmer hat der Irrtum ein Naturrecht; nur die Wahrheit, nur das Gute, nur das Sittliche haben von Natur aus das Recht auf Existenz und Verbreitung. Der Irrtum kann und muss unter gewissen Bedingungen toleriert werden, und in der heutigen pluralistischen Gesellschaft muss diese Toleranz vielleicht sehr weit gesteckt werden; aber zwischen Duldung und Zuerkennung eines Naturrechts ist ein himmelweiter Unterschied! Die zweite Neuerung liegt darin, der Gesellschaft, dem Staat nicht mehr die Pflicht zur Gottesverehrung zuzuschreiben.

Gehen wir auf diese zweite Neuerung etwas näher ein: So wie der Einzelmensch die Pflicht hat, sich um die Erkenntnis Gottes zu bemühen, ihn zu lieben und ihm zu dienen, so hat auch die Gemeinschaft, also die Familie als solche, die Stadt, der Staat diese Pflicht zur öffentlichen Gottesverehrung. Man wendet dagegen ein, der Staat sei inkompetent in religiöser Angelegenheit. Wer aber ist der Staat? Zweifellos wird er in erster Linie von jenen Personen gebildet und repräsentiert, die die Autorität inne haben; die demgemäß die gesetzgebende, die ausführende und auch die richterliche Gewalt ausüben, und dies sind konkrete Menschen, die ihrerseits gemäß dem ersten Kapitel des Römerbriefes und der dogmatischen Erklärung des I. Vatikanischen Konzils sehr wohl die Möglichkeit haben, den wahren Gott zu erkennen und folglich auch die Pflicht haben, ihm zu dienen. Man könnte den Irrtum des inkompetenten Staates als gesellschaftlichen Agnostizismus bezeichnen, der dann zum individuellen Agnostizismus führt: Wenn der Staatslenker die wahre Religion nicht erkennen kann und Gott entsprechend nicht zu dienen braucht, wie man ihm dienen muss, wie soll es dann der einzelne Staatsbürger? Der weitere Weg von diesem individuellen Agnostizismus führt zum Atheismus und von dort aus zur schweigenden Apostasie, von der Johannes Paul II. in seinem Nachsynodalen Apostolischen Schreiben „Ecclesia in Europa“ vom 28. 6. 20013 gesprochen hat.

Worin besteht nun diese Anbetung, diese Verehrung Gottes von Seiten des Staates? Der katholische Staat anerkennt im öffentlichen Bereich nur die katholische Religion als die allein wahre. So hatte vor dem II. Vatikanischen Konzil der Fuero de los españoles, die Charta der Rechte und Pflichten des spanischen Bürgers, im Artikel 6 weise folgende Rechtsnorm erlassen:

„Bekenntnis und Ausübung der katholischen Religion, welche die Religion des spanischen Staates ist, genießen offiziellen Schutz. – Niemand wird wegen seines religiösen Glaubens oder der privaten Ausübung seines Kultes beunruhigt. – Es werden keine anderen äußeren Zeremonien oder Kundgebungen erlaubt als die der Staatsreligion.“[4]

Weiter sind in einem katholischen Staat die Sonntage und die von der Kirche festgesetzten Feiertage auch staatliche Feiertage. Höhere Staatsämter werden nur an Katholiken vergeben, und diese nehmen dann am öffentlichen Kult der Kirche teil, d. h. an der Sonntagsmesse, an der Fronleichnamsprozession etc. Die falschen Religionen und Bekenntnisse werden zurückgedrängt oder ganz verboten, es sei denn, ein größeres Gut sei zu bewahren oder ein größerer Schaden zu verhindern. Abtreibung, Euthanasie, praktizierte Homosexualität mit einem gewissen Öffentlichkeitscharakter und Pornografie stehen unter Strafe. Die Ehescheidung gibt es nicht, sondern allein die Trennung, also keine zivile Wiederverheiratung. So wird durch die Kultur, das Brauchtum, die ganze christliche Zivilisation der katholische Glaube geschützt, verteidigt, begünstigt und gefördert, so das zeitliche und ewige Wohl des Menschen.

Schließlich wollen wir noch einen Blick werfen auf das irrende Gewissen. Der Mensch hat die Pflicht, sein Gewissen, die nahe Norm seines Handelns, zu formen und am Gesetz Gottes als der höchsten Norm auszurichten. Liegt aber trotzdem ein irrendes Gewissen vor, so hat er diesem zu folgen. Deshalb hat die Kirche auch stets die Zwangskonversionen verworfen, wie sie es noch im Kanon 1351 des CIC des Jahres 1917 zum Ausdruck bringt: Niemand wird gegen seinen Willen gezwungen, den katholischen Glauben anzunehmen. Aber im äußeren gesellschaftlichen Bereich kann und darf das irrende Gewissen gehindert werden. Wenn z. B. Zeugen Jehovas glauben, sie müssten überall mit ihrem Wachtturm an den Straßenecken stehen, so kann ihnen der Staat dies verbieten. Er kann den Propagandafeldzug von Sekten wie auch den Bau einer Moschee untersagen.

IV. Das Thema unseres Kongresses

1. Die Wahrheit

Ihre Erkenntnis und die Umsetzung dieser Erkenntnis ins praktische Leben hat nichts mit Fundamentalismus zu tun, oder nur insofern, als Wahrheit und Glaube, also die Annahme der ganzen Offenbarung das Fundament eines glücklichen Lebens sind. Jedenfalls ist uns die Vernunft von Gott zur Erkenntnis der Wahrheit gegeben. Da der Mensch ein Gemeinschaftswesen ist, hat diese Erkenntnis ihre Auswirkungen im familiären, beruflichen und gesellschaftlichen Bereich. Dies hat mit Hochmut oder Selbstgerechtigkeit nichts zu tun, denn die Demut ist die Wahrheit im Handeln.

2. Die Autorität

Ihre Zerstörung wurde im kirchlichen Bereich insbesondere durch die Kollegialität schwer beeinträchtigt, wo überall anonyme Gremien und Kollektive die persönliche Verantwortung ersetzen. Schweren Schaden nahm die Autorität aber auch durch die Religionsfreiheit des II. Vatikanums, da der christliche Staatsmann nicht mehr gemäß seinem Amt für das Wohl seiner Bürger eintreten kann. Eine geradezu verheerende Auswirkung auf die Seelen und die Gesellschaft hatte die 68er-Revolution und die antiautoritäre Erziehung.

3. Die Freiheit

Stellen wir kurz und bündig fest: Sie ist nicht Zügellosigkeit noch Willkür; vielmehr ist der Mensch aufgerufen, das Gute in Freiheit zu vollbringen.

4. Die Verantwortung

Wir müssen uns unserer Verantwortung hic et nunc bewusst sein, in der Familie, im Freundeskreis, am Arbeitsplatz, wie auch im gesellschaftlichen und kirchlichen Leben. Wir stehen nicht im Mittelalter, noch im 19. Jahrhundert, sondern im 21. Jahrhundert, inmitten des Säkularismus, des Neuheidentums und des Zusammenbruches des kirchlichen Lebens in weiten Teilen. Dies ist indes kein Grund zur Entmutigung, sondern im Gegenteil eine besondere Gelegenheit, Zeugnis für den gekreuzigten und auferstandenen Herrn abzulegen, in der Würde des christlichen Lebens zu wandeln, solchermaßen unsere Seele und vielleicht die Seelen vieler anderer Menschen zu retten. Hat doch der Herr uns für die heutige schwere Zeit zu Mut, Vertrauen und sogar zur Freude aufgerufen mit den Worten: „Wenn das eintritt, dann richtet euch auf und erhebet euer Haupt! Denn eure Erlösung naht.“[5] Die hl. Theresia vom Kinde Jesu hatte den besonderen Wunsch, in der Zeit des Antichristen zu leben, um dadurch umso besser ihre Liebe zu Jesus unter Beweis stellen zu können.

Gaude, Virgo Maria, cunctas haereses sola interemisti in universo mundo, alleluja. - Freu dich, Jungfrau Maria; du allein hast alle Häresien in der ganzen Welt überwunden, Alleluja.


[1] Kirchengeschichte in Längsschnitten, Alfred Läpple, Kösel-Verlag München, 1968, S. 226

[2] Mt 22, 21

[3] Apg 5, 29

[4] Sie haben ihn entthront, Erzbischof Marcel Lefebvre, FSSPX, Stuttgart, 1988

[5] Lk 21,28

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Erklärung von Mgr. Bernard Fellay, Generaloberer der Bruderschaft St. Pius X., über die neue Pastoral der Ehe gemäß Kardinal Walter Kasper

 Was wird sich bei der außerordentlichen Bischofssynode, die vom 5. – 19. Oktober 2014 zusammentritt und die sich den pastoralen Herausforderungen der Familie im Kontext der Evangelisierung widmen wird, abspielen? Diese Frage stellt man sich mit großer Beunruhigung, seit Kardinal Walter Kasper beim letzten Konsistorium am 20. Februar 2014 auf Einladung von Papst Franziskus und mit dessen ausdrücklicher Unterstützung das Thema der nächsten Synode vorgestellt hat, indem er sogenannte pastorale Öffnungen aufzeigte, die lehrmäßig Ärgernis erregend sind.

 Diese Darlegung, die ursprünglich hätte geheim bleiben sollen, wurde in der Presse veröffentlicht. Die stürmische Diskussion, die sie unter den Mitgliedern des Konsistoriums hervorrief, ist schließlich ebenfalls ans Tageslicht gekommen. Ein Akademiker, Roberto de Mattei, hat nicht gezögert, von einer wahren kulturellen Revolution zu sprechen. Ein Journalist, Sandro Magister, hat die Tatsache, dass Kardinal Kasper vorschlägt, die geschiedenen „Wiederverheirateten“ könnten kommunizieren, ohne dass ihre vorherige Ehe als nichtig anerkannt worden wäre, als einen Paradigmen-Wandel bezeichnet; denn dies ist eben jetzt nicht möglich auf der Grundlage der Worte Jesu, die sehr gestreng und ausdrücklich sind, was die Scheidung anbetrifft.

 Ein gewisse Anzahl von Prälaten haben sich gegen diesen Wandel erhoben, so Kardinal Carlo Caffarra, Erzbischof von Bologna, der sich fragte: „Wie steht es mit der ersten geschlossenen und vollzogenen Ehe? Wenn die Kirche sie [die geschiedenen „Wiederverheirateten“] zur Eucharistie zulässt, so muss sie auf jeden Fall ein Urteil über die Rechtmäßigkeit der zweiten Verbindung abgeben. Dies ist logisch. Aber“, so fragt er noch einmal, „wie steht es dann um die erste Ehe? Die zweite, so sagt man, kann keine wahre zweite Ehe sein, denn der Bigamie steht das Wort des göttlichen Meisters entgegen. Und die erste? Ist sie aufgelöst? Aber die Päpste haben immer gelehrt, dass die Vollmacht des Papstes sich nicht bis dahin erstreckt: Über die geschlossene und vollzogene Ehe hat der Papst keine geistliche Gewalt. Die [von Kardinal Kasper] vorgeschlagene Lösung drängt zu der Annahme, dass die erste Ehe bestehen bleibt, dass es aber doch eine zweite Form des Zusammenlebens gibt, das die Kirche als rechtmäßig erklärt. […] Die Grundfrage ist also einfach: Wie steht es um die erste Ehe? Aber niemand antwortet.“ (Il foglio, 15/03/14)

 Man könnte die schwerwiegenden Einwände anfügen, die die Kardinäle Gerhard Ludwig Müller, Walter Brandmüller, Angelo Bagnasco, Robert Sarah, Giovanni Battista Re, Mauro Piacenza, Angelo Scola, Camillo Ruini vorgebracht haben… Aber auch diese Einwände bleiben ohne Antwort.

 Wir können nicht zuwarten, bis die Synode im Herbst in dem verheerenden Geist tagt, den ihr Kardinal Kasper geben möchte, ohne unsere Stimme zu erheben. Die beigefügte Studie unter dem Titel Die Unbarmherzigkeit von Kardinal Kasper gegenüber geschiedenen „Wiederverheirateten“ zeigt die schweren Irrtümer in seiner Ausführung auf. Diese nicht anzuprangern liefe darauf hinaus, eine Tür offen zu lassen für die Gefahren, auf die Kardinal Caffarra mit dem Finger hingewiesen hat: „Es gäbe damit eine Betätigung der menschlichen Geschlechtlichkeit außerhalb der Ehe, welche die Kirche als rechtmäßig anerkennen würde. Damit aber untergräbt man vollends den Pfeiler der Lehre der Kirche über die Geschlechtlichkeit. Von diesem Gesichtspunkt aus könnte man sich fragen: Warum heißt man nicht das freie Zusammenleben gut? Warum nicht die Beziehungen zwischen Homosexuellen?“ (Ibidem)

 Während sich zahlreiche Familien in den letzten Monaten mutig gegen die Zivilgesetze mobilisiert haben, die überall die natürliche und christliche Familie untergraben, ist es im wahrsten Sinn des Wortes skandalös zu sehen, wie diese nämlichen Gesetze unterschwellig durch Männer der Kirche unterstützt werden, welche die katholische Lehre und Moral einer entchristlichten Gesellschaft angleichen wollen, anstatt danach zu trachten, die Seelen zu bekehren. Eine Pastoral, die der ausdrücklichen Lehre Christi über die Unauflöslichkeit der Ehe ins Gesicht schlägt, ist nicht barmherzig, sondern Gott gegenüber schimpflich, der seine Gnade entsprechend zuteilt; sie ist darüber hinaus unbarmherzig den Seelen gegenüber, die sich in einer schwierigen Lage befinden und jene Gnade empfangen, deren sie bedürfen, um christlich zu leben und in der Tugend sogar bis zur Heldenhaftigkeit zu wachsen.


Menzingen, den 12. April 2014

+Bernard Fellay

Generaloberer der Bruderschaft St. Pius X.

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ANHANG

Die Unbarmherzigkeit von Kardinal Kasper gegenüber

geschiedenen „Wiederverheirateten“ 

Im kommenden Herbst wird in Rom eine außerordentliche Bischofssynode zum Thema der Familie stattfinden, bei der in besonderer Weise die Probleme der christlichen Familie in einer vom Säkularismus gezeichneten Welt zur Sprache kommen sollen: Zusammenleben außerhalb der Ehe, Ehescheidung, Kontrazeption etc. Ein eigener Fragebogen wurde vom Vatikan im Vorfeld an die Bischöfe verschickt mit besonderen Fragen zur Ehemoral, welche die Oberhirten beantworten sollten. In einigen Ländern, insbesondere im deutschen Sprachraum, haben die Bischöfe den Fragebogen an ausgewählte Gläubige weitergeleitet, die entsprechend geantwortet haben. Die Antworten zeigen, wie weit der Zersetzungsprozess der christlichen Ehemoral im ehemals christlichen Volk schon fortgeschritten ist. Auf die Frage „Empfanden Sie es als Sünde, wenn Sie bei der Geburtenregelung sogenannte unerlaubte Methoden verwandt haben?“ antworteten 86 % mit nein, 14 % mit ja. Nächste Frage: Sind Sie deshalb schon der Eucharistie ferngeblieben? Hier antworteten 90 % mit nein, 10 % mit ja. Im Bistum Aachen geht aus den Antworten hervor, „die kirchliche Ehe- und Sexualmoral“ stelle „für viele ein Glaubenshindernis dar.“ Im Bistum Bamberg bringen die Antworten „eine kritische Haltung gegenüber der Morallehre zum Ausdruck“. Im Bistum Essen sprechen sich Befragte dafür aus, „gleichgeschlechtlichen Paaren eine Segensfeier zu ermöglichen“. Im Bistum Freiburg ist „das Zusammenleben vor einer kirchlichen Trauung kein Sonderfall, sondern der Normalfall“. Im Bistum Köln wird „die Lehre der Kirche als welt- und beziehungsfremd angesehen“. Im Bistum Magdeburg hat „die Kirche weitgehend ihre Deutungshoheit für den Lebensbereich von Ehe und Familie verloren“. In der Diözese Mainz wird „die Verwerfung künstlicher Methoden der Empfängnisregelung von fast allen Menschen abgelehnt bzw. weithin als völlig irrelevant betrachtet“. Im Bistum Osnabrück „wenden sich immer mehr von der Kirche ab“. Im Bistum Rottenburg wird „ein Verbot von Kondomen als sträflich bezeichnet“. Im Bistum Trier erwarten die Antwortenden „gelebte Barmherzigkeit in Fragen der Ehe, des Scheiterns, des Neuanfangs und der Sexualität“. [1]

Die verhängnisvolle Rolle von Kardinal Kasper

Für die Woche vom 17. – 22. Februar berief der Heilige Vater ein Konsistorium ein, an dessen Ende die Kreierung der neuen Kardinäle stand und das sich insbesondere in seiner Arbeit der Vorbereitung der Bischofssynode widmete. Als einziger Redner war vom Papst Kardinal Kasper benannt worden, der am Donnerstagvormittag, dem 20. Februar vor seinen Mitbrüdern im Kardinalat ein langes Referat hielt. Bevor wir auf dieses näher eingehen, wollen wir dessen theologische Position etwas näher beleuchten.

Geboren 1933, wurde er 1957 zum Priester geweiht, widmete sich der wissenschaftlichen Arbeit, wurde als Assistent von Hans Küng Professor der Theologie und 1989 zum Bischof der Diözese Rottenburg-Stuttgart ernannt. In dieser Zeit seines 10-jährigen Wirkens, nämlich 1993,  machte er mit dem jetzigen Kardinal Lehmann und dem inzwischen verstorbenen Erzbischof Saier einen Vorstoß zugunsten der sakramentalen Kommunion für geschiedene „Wiederverheiratete“, der vom damaligen Präfekten der Glaubenskongregation, Kardinal Ratzinger, entschieden zurückgewiesen worden ist. 1999 wurde Bischof Kasper zum Sekretär des päpstlichen Rates für die Förderung der Einheit der Christen nach Rom berufen; bald danach wurde er Präsident dieses Rates. In hohem Maß war er bei der Ausarbeitung und Unterzeichnung der gemeinsamen Erklärung der Katholiken und Protestanten im Jahr 1999 in Augsburg mitbeteiligt. Im Jahr 2010 trat er aus Altersgründen von seinem Amt zurück, war aber bei der Papstwahl im letzten Jahr ein entschiedener Förderer der Erhebung von Kardinal Jorge Bergolio auf den päpstlichen Stuhl.

Werfen wir jetzt einen kurzen Blick auf das wissenschaftliche Schaffen Kaspers, indem wir uns einige seiner Werke näher ansehen. Im Jahr 1967 stellte er in einem Artikel fest: „Der Gott, der als unveränderliches Wesen über der Welt und der Geschichte thront, stellt eine Herausforderung an den Menschen dar. Man muss ihn leugnen um des Menschen willen, weil er die Würde und Ehre, die an sich dem Menschen gebühren, für sich beansprucht. […] Gegen diesen Gott muss man sich aber nicht nur um des Menschen willen, sondern auch um Gottes willen wehren. Er ist gar nicht der wahre Gott, sondern ein kümmerlicher Götze. Denn ein Gott, der nur neben und über der Geschichte ist, der nicht selbst Geschichte ist (Hervorhebung durch uns), der ist ein endlicher Gott. Wenn man ein solches Wesen als Gott bezeichnet, dann muss man um des Absoluten willen A-theist werden. Ein solcher Gott entspricht einem starren Weltbild; er ist der Garant des Bestehenden und der Feind des Neuen.[2]

In dem Buch Einführung in den Glauben meint er, Dogmen können „durchaus einseitig, oberflächlich, rechthaberisch, dumm und voreilig sein.“[3]

In dem Werk Jesus der Christus schreibt er bezüglich der Wunderberichte im Neuen Testament: „Literarkritisch lässt sich die Tendenz feststellen, die Wunder zu steigern, zu vergrößern und zu vervielfältigen. […] Damit verringert sich der Stoff an Wunderberichten sehr wesentlich.“[4] Sodann sind für ihn die Wunderberichte ein „Übertragen außerchristliche[r] Motive auf Jesus, um seine Größe und Vollmacht zu unterstreichen“. […]Manche Wunderberichte erweisen sich formgeschichtlich als Rückprojektionen von Ostererfahrungen in das irdische Leben Jesu bzw. als vorweggenommene Darstellungen des erhöhten Christus.“[5] So insbesondere die Geschichte von der Totenerweckung der Jairus-Tochter, des Jünglings von Naim und des Lazarus. […] „So erweisen sich gerade die Naturwunder als sekundärer Zuwachs zur ursprünglichen Tradition.“[6]

Zum ältesten Evangelienbericht über die Auferstehung Christi (Mk 16,1-8) meint er, „dass es sich hier nicht um historische Züge, sondern um Stilmittel handelt, die Aufmerksamkeit wecken und Spannung erzeugen sollen.“[7] Aber nicht nur der Glaube an die Auferstehung des Herrn, das ganze christologische Dogma wird von Kasper aufgelöst. Er schreibt: „Nach den synoptischen Evangelien bezeichnet sich Jesus selbst nie als Sohn Gottes. Damit ist die Gottessohn-Aussage eindeutig als Glaubensbekenntnis der Kirche ausgewiesen.[8] An einer anderen Stelle sagt er: „Er hat sich also vermutlich weder als Messias noch als Gottesknecht oder als Gottessohn und wohl auch nicht als Menschensohn bezeichnet.“[9] Das Dogma, dass Jesus „ganz Mensch und Gott ist“, sei „überholbar[10]. Ist dies nicht Modernismus im eigentlichen Sinn, Modernismus in Reinkultur? Und dieser Mann wird vom Papst beauftragt, das Referat vor dem Konsistorium über die Familie und die heutigen drängenden Familienprobleme zu halten! Aber kann ein solcher modernistischer Glaube noch Grundlage für die christliche Sittenlehre sein? Und wo bleibt hier die Furcht des Herrn, die der Anfang jeglicher Weisheit ist (vergl. Ps 109)?


Die Rede von Kardinal Kasper am 20. Februar 2014 vor dem Konsistorium

Doch kehren wir zum Referat zurück, das fristgerecht zur Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz am 10. März bei Herder in gedruckter Form erschienen ist. Man geht wohl kaum fehl, wenn man hier eine Nebenabsicht vermutet.

Im ersten Teil behandelt der Kardinal die Familie in der Schöpfungs- und christlichen Erlösungsordnung, spricht von den Strukturen der Sünde im Leben der Familie und von der Familie als Hauskirche. Dabei findet sich durchaus der eine oder andere schöne und richtige Gedanke; so heißt es z. B. auf S. 42: „Das neue Herz verlangt immer wieder neu Herzensbildung und setzt Herzenskultur voraus. Das familiäre Leben will gepflegt werden gemäß den drei Schlüsselworten des Heiligen Vaters: Bitte, Danke, Entschuldigung. Man muss Zeit füreinander haben und den Sabbat bzw. Sonntag miteinander feiern, immer wieder Nachsicht, Vergebung und Geduld üben; immer wieder neu sind Zeichen des Wohlwollens, der Wertschätzung, der Zärtlichkeit, der Dankbarkeit und der Liebe nötig. Das gemeinsame Gebet, das Sakrament der Buße und die gemeinsame Feier der Eucharistie sind eine Hilfe, um das Band der Ehe, das Gott um die Ehepartner gelegt hat, immer wieder neu zu festigen. Es ist immer etwas Schönes, älter gewordenen Ehepaaren zu begegnen, die noch im fortgeschrittenen Alter in einer reif gewordenen Weise verliebt sind. Auch dies ist Zeichen eines erlösten Menschseins.“ Aber ist die Familie wirklich „der Weg der Kirche“, wie der Kardinal dies am Ende von Kapitel 4 behauptet? Ist nicht vielmehr die Kirche der Weg der Familie?

Der Hauptakzent im ganzen Referat gilt jedoch ohne Zweifel dem Problem der geschiedenen „Wiederverheirateten“, dem 5. Kapitel. Er hat völlig recht, wenn er feststellt, die zunehmende Zahl von zerbrochenen Familien bedeute für die Zukunft der Kirche eine Tragödie. Leider vermisst man die tieferen Gründe für eine solche Entwicklung: Verwässerter, verkürzter und verfälschter Glaubensunterricht bzw. völliges Ausfallen eines solchen Unterrichts nicht nur Jahre, sondern Jahrzehnte hindurch, bezüglich der Heiligkeit der Ehe als Abbild der Verbindung zwischen Christus und seiner Braut, der Kirche, und damit der Unauflöslichkeit des ehelichen Bandes. Hier muss entschiedene Anklage gegen die Bischöfe erhoben werden, die als Lehrer des Glaubens und der Sitten in ihrer Diözese ihr Amt sträflich vernachlässigt haben. Von Kardinal Kasper ist beispielsweise nicht bekannt, dass er als Bischof von Rottenburg gelegen und ungelegen die Heiligkeit und Unauflöslichkeit der Ehe in Predigt, Katechese und Vorträgen verteidigt hätte.

Der Referent hat Recht, wenn er sagt, man dürfe den „Heroismus verlassener Partner, die allein bleiben und sich allein durchs Leben schlagen, […] bewundern und unterstützen“ (S. 55). Aber das Christentum fordert eben bisweilen einen solchen Heroismus, der aus menschlicher Kraft heraus nicht aufgebracht werden kann, wohl aber mit Hilfe der Gnade Gottes, wie auch in unserer Zeit das Verhalten zahlreicher verlassenen Ehegatten beweist, die die Treue bewahren. Hat nicht der hl. Paulus gesagt, er vermöge alles in demjenigen, der ihn stärkt?

Die nächsten Sätze Kardinal Kaspers lassen einem die Haare zu Berge stehen: „Doch viele verlassene Partner sind um der Kinder willen auf eine neue Partnerschaft und auf eine neue zivile Eheschließung angewiesen, die sie ohne Schuld nicht wieder aufgeben können. Oft erfahren sie in solchen Verbindungen nach vorhergehenden bitteren Erfahrungen menschliches Glück, ja geradezu ein Geschenk des Himmels.“ (S. 55) (Hervorhebungen von uns.) Sagen wir es klipp und klar: Eine solche neue Verbindung ist und bleibt ein Anschlag auf die Unauflöslichkeit der Ehe und stellt eine schwere Sünde dar. Es ist wahr, dass man die Kinder, die aus solchen Verbindungen geboren wurden, nicht ohne weiteres verlassen kann; doch die Kirche weiß in ihrer Weisheit auch auf solche konkreten Situationen zu antworten mit Lösungen, welche das allgemeine Sittengesetz beobachten. Es nützt demnach wenig, wenn im nächsten Abschnitt gesagt wird: „Die Unauflöslichkeit einer sakramentalen Ehe und die Unmöglichkeit, zu Lebzeiten des anderen Partners eine zweite sakramentale Ehe zu schließen, [ist] ein verbindlicher Teil der Glaubenstradition der Kirche.“ (S. 55)

Etwas weiter finden wir in dem Text eine wahre Offenbarung des Denkens des Kardinals und seiner Gesinnungsfreunde. Es heißt dort: „Wir befinden uns heute in einer ähnlichen Situation wie beim letzten Konzil, als es um die Frage der Ökumene oder der Religionsfreiheit ging. Auch damals gab es Enzykliken und Entscheidungen des Heiligen Offiziums, die weitere Wege zu versperren schienen. Das Konzil hat jedoch, ohne die verbindliche dogmatische Tradition anzutasten, Türen geöffnet.“ (S. 57) Das ist es, was die Bruderschaft St. Pius X. seit Jahren beklagt: Das Konzil hat Türen hin zum Irrtum geöffnet und damit den nachkonziliaren Zusammenbruch wesentlich verursacht. Eminenz rechtfertigt diese „Weiterentwicklung“ mit einer „Hermeneutik, die zugleich juristisch und pastoral ist“ (S. 60).

Papst Benedikt XVI. hat geschiedenen „Wiederverheirateten“ zwar nicht die sakramentale, wohl aber die geistige Kommunion zugestanden, so unser Referent; und er fragt sich, warum sie dann nicht die sakramentale Kommunion empfangen können. Die Antwort ist einfach: Die geistige Kommunion setzt die Reue über die Sünden voraus und fleht Gott um Hilfe an, um einen Ausweg aus dieser Lage zu finden, während die sakramentale Kommunion den sündhaften Zustand sanktioniert, Scheidung und Konkubinat segnet und den Sünder auf seinem Weg des zeitlichen und ewigen Verderbens bestätigt. Das Gleiche gilt übrigens auch für die vom Kardinal vorgeschlagene Zeit der Buße, bevor geschiedene „Wiederverheiratete“ die hl. Kommunion empfangen können: Wie die Reue, so muss auch die Buße begleitet sein vom ernsten Willen der Lebensbesserung; sonst ist sie wertlos. Hat nicht der Heilige Geist durch den Mund bzw. die Feder des hl. Paulus verkündet, wer unwürdig esse und trinke, d. h. die Eucharistie sakramental empfange, der esse und trinke sich das Gericht (1 Kor 11,29)? Kann es also eine größere Unbarmherzigkeit den Seelen gegenüber und ein größeres Unrecht hinsichtlich der Lehre der Kirche geben? Das Kompendium zum Katechismus der katholischen Kirche sagt mit der ganzen Tradition auf S. 242, die Sünder zurechtzuweisen sei ein geistiges Werk der Barmherzigkeit. Hier sieht man, wie die Männer der Kirche nach dem Konzil den übernatürlichen Gesichtspunkt des Heiles der Seele fast vollständig aus dem Blick verloren haben. Offensichtlich weiß der Kardinal nicht zu unterscheiden zwischen dem Verwerfen der Sünde und der Barmherzigkeit dem Sünder gegenüber. In seiner Antwort auf die Einwände seiner Mitbrüder im Kardinalskollegium betont er, die Barmherzigkeit sei „hermeneutisches Prinzip für die Auslegung der Wahrheit“ (S. 79) - mit diesem Argument kann freilich jedes Dogma ausgehebelt werden - und beruft sich dann auf die Epikie (S. 82). Diese besteht darin, dass man bei Abwesenheit des Gesetzgebers in einem konkreten Fall begründeter Weise annimmt, dieser habe in diesem schwierigen Fall nicht verpflichten wollen, obwohl er ganz klar unter den Wortlaut des Gesetzes fällt. Da aber Gott als Schöpfer das Naturgesetz in seine Schöpfung hineingelegt und jeden Fall vorausgesehen hat und er allgegenwärtig ist, gibt es für das Naturgesetz schlechthin keine Epikie.


Die Haltung des Papstes

Nach der Rede am Donnerstagvormittag kam es am Nachmittag im Konsistorium zum Teil zu heftigem Widerspruch und Angriffen auf die Rede Kaspers. Doch Papst Franziskus fand am Freitagmorgen viel Lob für den deutschen Kardinal. In seinen Ausführungen „habe ich die Liebe für die Kirche gefunden“. Und weiter: „Gestern vor dem Einschlafen, aber nicht um einzuschlafen, habe ich die Arbeit von Kardinal Kasper gelesen, noch einmal gelesen“, sagte der Papst heute zur Eröffnung des zweiten Tages des Konsistoriums. Franziskus meint die Rede von Kardinal Kasper. „Ich möchte ihm danken, weil ich eine tiefe Theologie vorgefunden habe, ein gelassenes und unbeschwertes theologisches Denken. Es ist angenehm, eine unbeschwerte Theologie zu lesen. Und ich habe das vorgefunden, was der hl. Ignatius den sensus ecclesiae nennt, die Liebe für die Mutter Kirche. Es hat mir gut getan und es kam mir dazu eine Idee, aber bitte, verzeihen Sie mir, Eminenz, wenn ich Sie in Verlegenheit bringe. Die Idee ist: Das nennt sich, Theologie auf den Knien zu betreiben. Danke. Danke.“[11]


Die weiteren Folgen

Neben dem Widerspruch, den der Kardinal beim Konsistorium nach seiner Rede erfuhr, gab es freilich auch Zustimmung für seinen Vorstoß. Münchens Erzbischof, Kardinal Marx, zeigte sich nach der Rede Kaspers begeistert. Die Rede sei die „Ouvertüre“ zu einer Diskussion, die so schnell nicht enden werde. Kardinal Marx hatte den Glaubenspräfekten Müller öffentlich und bissig getadelt, als dieser an die katholische Lehre erinnerte, nämlich an die Unauflöslichkeit der Ehe und damit an die Unmöglichkeit, geschiedene „Wiederverheiratete“ zur Kommunion zuzulassen. Beeindruckt gab sich auch Wiens Erzbischof, Kardinal Schönborn. In der aktuellen Ausgabe der Wiener Kirchenzeitung bezeichnet er Kaspers Referat als „blendend formuliert“ und „hervorragend“. Es gehe darum, zu „sondieren, wo die Familien der Schuh drückt“, so Kardinal Schönborn.[12]

Die mit der Rede Kaspers aufgebrochene Wunde wird noch lange eitern und dem mystischen Leib Christi weiter schwersten Schaden zufügen, und dies nicht zuletzt wegen der Deckung Kaspers durch den Papst. Die Spaltung zeigte sich unmittelbar bei der Vollversammlung der deutschen Bischöfe in Münster, insbesondere auch anlässlich der Wahl des neuen Vorsitzenden.

Die jetzt in Gang gekommene Diskussion stellt einen neuen Dammbruch dar ähnlich jenem nach der Enzyklika Humanae vitae von Paul VI. durch die Königsteiner Erklärung, in der die deutschen Bischöfe feststellten, die Eheleute könnten ihrem persönlichen Gewissen folgen. Eine Vorwegnahme dieser weiteren Folgen für die Ehemoral kann man bereits nachlesen in der Handreichung für die Seelsorge, herausgegeben im September 2013 vom erzbischöflichen Seelsorgeamt der Erzdiözese Freiburg. Dort finden sich unter anderem folgende Aussagen:

„Die zweite eheliche Gemeinschaft muss sich über einen längeren Zeitraum hinweg im Sinne eines entschiedenen und auch öffentlich erkennbaren Willens zum dauerhaften Zusammenleben nach der Ordnung der Ehe als sittliche Realität bewährt haben. […]“

Solche Partner „verdienen aufgrund der menschlichen Werte, die sie gemeinsam verwirklichen, und nicht zuletzt durch ihre Bereitschaft, in öffentlicher Form und auf rechtlich verbindliche Weise Verantwortung füreinander zu übernehmen, moralische Anerkennung. […] Das Paar wünscht sich die Zusage, von Gott in seinem Leben begleitet und beschützt zu sein. Sie erhoffen sich eine Begleitung, die ihnen Ermutigung und Zuversicht für das Wagnis ihres neuen Lebensprojekts zuspricht. […] Als Zeichen dienen die Segnung und die Übergabe einer Kerze. […]

Entsprechend gibt es dann eine liturgische Feier mit Segnung für solche Paare: „Eine Kerze wird an der Osterkerze entzündet, das Paar hält die Kerze gemeinsam.“ Folgendes Gebet wird vorgeschlagen: „Lasset uns beten. Ewiger Gott, bei dir finden wir Vergebung, Liebe und neues Leben. Du machst das Leben hell. Wir bitten dich, segne diese Kerze. Wie ihr Schein das Dunkel erhellt, so erleuchtest du den Lebensweg eines jeden Menschen. Sei Licht für NN. und NN., damit sie dich in glücklichen Tagen loben, in der Not sich bei dir aufrichten und in allem, was sie tun, deine stützende Nähe erfahren. Hilf, dass sie sich in deinem Licht bergen und stärken. Darum bitten wir dich durch Christus, unseren Herrn. Amen.

Je nach Situation und Ort evtl. sinnvoll: Gebet für die ganze (neue) Familie (Benediktionale S. 239) – Segensgebet für das gemeinsame Haus (Benediktionale S. 270)“.

Ist dies nicht die Segnung des Konkubinats und damit die Segnung der Sünde?

Der Kardinal prognostiziert in seinem Vorstoß die sakramentale Kommunion nur für einen kleineren Teil der im Konkubinat lebenden Menschen. Aber wer wählt hier aus? Und werden sich nicht alle anderen dann als Dummköpfe vorkommen? Wie bei der Königssteiner Erklärung ist der Damm gebrochen, die Praxis sakrilegischer Kommunionen des angesprochenen Personenkreises wird sich rapide überall durchsetzen.

Die Neomodernisten haben im Konzil und nach dem Konzil dem Glauben und der Tradition der Kirche schweren Schaden zugefügt, aber wenigstens offiziell noch einigermaßen die Sittenlehre verteidigt. Kardinal Kasper bläst jetzt zum Angriff auf diese.

 

Die Lehre der Kirche über die Ehe

Die christliche Ehe ist die geistige Nachbildung des Bundes Gottes mit seinem Volk, noch mehr der bräutlichen Verbindung Jesu Christi mit seiner Kirche. Sie ist, wenn sie vollzogen ist, unauflöslich und vom Herrn selbst als ein wahres und eigentliches Sakrament eingesetzt.

Ihr erstes Ziel liegt darin, das Leben weiterzuschenken und die von Gott anvertrauten Kinder zu wahren Christen zu erziehen. Ihr zweites Ziel liegt in der gegenseitigen Hilfe und Heiligung der Ehegatten. Dazu ist sie ein Heilmittel gegen die ungeordnete fleischliche Begierde.

Führen wir zur Verteidigung der Würde, Heiligkeit und Unauflöslichkeit der Ehe als Verbindung zwischen einem Mann und einer Frau die Christusworte an: „Was Gott verbunden hat, soll der Mensch nicht trennen“ (Mt 19,6) und „Jeder, der seine Frau entlässt und eine andere heiratet, der bricht die Ehe; und wer eine Geschiedene heiratet, der bricht die Ehe“ (Lk 16,18). Geht der Christ folglich während der Lebenszeit seines Ehegatten eine neue zivile Verbindung ein, so ist dies ein Ehebruch und schwere Sünde, die ihn vom Empfang der Sakramente ausschließt, „Täuschet euch nicht! Ehebrecher werden das Reich Gottes nicht besitzen“ (1 Kor 6,9). Dies ist die durchgehende Lehre der Kirche, die das Konzil von Trient in seiner 24. Sitzung am 11. November 1563 noch einmal mit aller Klarheit herausgestellt hat. Im Kanon 7 über das Sakrament der Ehe heißt es: „Wer sagt, die Kirche irre, wenn sie lehrte und lehrt, gemäß der Lehre des Evangeliums und des Apostels [vergl. Mt 5,32; 19,9; Mk 10,11f; Lk 16,18; 1 Kor 7,11] könne das Band der Ehe wegen Ehebruchs eines der beiden Gatten nicht aufgelöst werden, und keiner von beiden, nicht einmal der Unschuldige, der keinen Anlass zum Ehebruch gegeben hat, könne, solange der andere Gatte lebt, eine andere Ehe schließen, und derjenige, der eine Ehebrecherin entlässt und eine andere heiratet, und diejenige, die einen Ehebrecher entlässt und einen anderen heiratet, begingen Ehebruch: der sei mit dem Anathema belegt.“[13]

In jüngster Zeit hat die Glaubenskongregation am 14. September 1994 in einem Schreiben über den Kommunionempfang von geschiedenen „wiederverheirateten“ Gläubigen eine solche Praxis verworfen. Als Folge auf das lebhafte Echo hat dann Kardinal Ratzinger noch einmal die Lehre der Kirche über die Unauflöslichkeit der Ehe betont und auf Einwände und Vorwürfe geantwortet. Als im 16. Jahrhundert Heinrich VIII. von England unrechtmäßig eine neue Verbindung mit der Hofdame Anna Boleyn eingehen wollte, hat der Heilige Stuhl die Heiligkeit der Ehe selbst um den Preis des Abfalls eines ganzen Landes von der römischen Mutterkirche verteidigt. Weiter zurückblickend sehen wir bereits Johannes den Täufer, der den ehebrecherischen Herodes mahnt, „es ist dir nicht erlaubt, deines Bruders Frau zu haben“ (Mk 6,18). Für dieses Zeugnis hat er sein Leben hingegeben und sein Blut vergossen. Nur eine solche Wahrheitsliebe und Standhaftigkeit bei den Männern der Kirche, allen voran bei den Bischöfen und den Vertretern des Heiligen Stuhles, sind imstande, die Christenheit wieder aufzurichten.


Zaitzkofen, den 25. März 2014

am Fest Mariä Verkündigung

 

Pater Franz Schmidberger

Regens des Seminars Herz Jesu

Ehemaliger Generaloberer der Bruderschaft St. Pius X.


[1] Zitate entnommen aus der Zeitschrift  Der Spiegel 5/2014

[2] Gott in der Geschichte, Aufsatz von Walter Kasper, erschienen in Gott heute, 15 Beiträge zur Gottesfrage von Norbert Kutschki, Matthias-Grünewald-Verlag, Mainz, 1967

[3] Einführung in den Glauben, Walter Kasper, 1974, Matthias-Grünewald-Verlag, 7. Auflage 1983, Kapitel 9.4, S. 148

[4] Jesus der Christus, Walter Kasper, Matthias-Grünewald-Verlag, 7. Auflage 1978, II. Teil: Geschichte und Geschick Jesu Christi, Kapitel III, S. 105-106

[5] ibd., S. 106

[6] ibd., S. 106

[7] ibd., S. 149-150

[8] ibd., S. 129

[9] Kasper, Jesus und der Glaube, in: Walter Kasper, Jürgen Moltmann, Jesus ja – Kirche nein? (theologische Meditationen 32), Zürich, Einsiedeln, Köln 1973, S. 20

[10] Kasper, Einführung in den Glauben, S. 55

[11] Giuseppe Nardi, Katholisches.info vom 21. Februar 2014

[12] Giuseppe Nardi, Katholisches.info. vom 27. Februar 2014

[13] Heinrich Denzinger, Kompendium der Glaubensbekenntnisse und kirchlichen Lehrentscheidungen, Herder Verlag, 40. Auflage 2005, S. 574-575

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13. April 2014

Brief an die Freunde und Wohltäter Nr. 82

Liebe Freunde und Wohltäter,

die Heiligsprechungen von Johannes XXIII. und Johannes Paul II. am kommenden 27. April – falls sie stattfinden – stellen das Gewissen der Katholiken vor ein zweifaches Problem. Zuerst einmal die Heiligsprechung als solche: Wie ist es möglich, dass einerseits der Initiator des II. Vatikanischen Konzils und andererseits der Papst des Assisi-Treffens und der Menschenrechte der ganzen Kirche als Vorbild der Heiligkeit hingestellt werden? Aber noch tiefer liegt das Problem, wenn es um die scheinbare Anerkennung der katholischen Authentizität geht: Wie ist es möglich, dass den Lehren eines solchen Konzils, welches das gesamte Vorgehen eines Karol Wojtyla inspirierten und dessen verhängnisvolle Früchte unmissverständlich die Selbstzerstörung der Kirche kennzeichnen, das Siegel der Heiligkeit aufgedrückt wird? Dieses zweite Problem gibt von sich aus die Lösung: die in den Dokumenten des II. Vatikanischen Konzils und den daraus folgenden Reformen enthaltenen Irrtümer, insbesondere die liturgische Reform, können nicht das Werk des Heiligen Geistes sein, der gleichzeitig der Geist der Wahrheit und der Geist der Heiligkeit ist. Deshalb scheint es uns notwendig, die grundsätzlichen Irrtümer und die fundamentalen Gründe, weswegen wir die Neuerungen des Konzils mit seinen Reformen, sowie diese Heiligsprechungen, welche im Grunde genommen Vatikanum II „heiligsprechen“ wollen, nicht unterschreiben können.

Aus diesem Grund wollen wir, indem wir mit aller Kraft gegen diese Heiligsprechungen protestieren, das Unterfangen, welches die Kirche seit dem II. Vatikanischen Konzil entstellt, anprangern. Im Folgenden präsentieren wir die Hauptelemente.

I. Das Konzil
„Während das Konzil sich darauf vorbereitet hatte, eine leuchtende Wolke in der Welt von heute zu sein, was möglich gewesen wäre, wenn man die vor dem Konzil erarbeiteten Texte benützt hätte, in denen im Hinblick auf die modernen Probleme ein feierliches, auf der gesicherten Lehre beruhendes Bekenntnis enthalten war, kann und muss man leider feststellen: Dort, wo das Konzil Neuerungen eingeführt hat, hat es fast durchweg die Gewissheit von Wahrheiten erschüttert, die nach der Lehre des authentischen Lehramtes der Kirche endgültig zum Schatz der Überlieferung gehören. […] Die überlieferte Lehre war in diesen grundlegenden Punkten klar und wurde an allen katholischen Universitäten in gleichem Sinn gelehrt. Aber von nun an gestatten zahlreiche Texte des Konzils, welche diese Wahrheiten behandeln, diese zu bezweifeln. […] Man muss also, durch die Tatsachen gezwungen, zu dem Schluss kommen, dass das Konzil in unbegreiflicher Weise die Verbreitung der liberalen Irrtümer gefördert hat“[1].

II. Eine ökumenische Auffassung von der Kirche
Der Ausdruck „subsistit in“ (Lumen gentium, 8) meint, dass es eine Präsenz und ein Heilswirken der Kirche Christi in den getrennten christlichen Gemeinschaften gibt, die sich vom Fortbestehen der Kirche Christi in der katholischen Kirche unterscheidet. In diesem Sinne leugnet er, dass die Kirche Christi mit der katholischen Kirche vollständig identisch ist, was bisher immer gelehrt worden war, namentlich von Pius XII. in seinen beiden Enzykliken Mystici corporis [2] und Humani generis [3]. Die Kirche Christi ist gegenwärtig und handelt als solche, das heißt, als alleinige Arche des Heiles, nur da, wo der Stellvertreter Christi ist. Der mystische Leib, dessen sichtbares Oberhaupt der Stellvertreter Christi ist, ist mit der römisch katholischen Kirche vollkommen identisch.

Die gleiche Erklärung (LG 8) anerkennt ebenfalls die Präsenz „heilbringender Elemente“ in den christlichen, nichtkatholischen Gemeinschaften. Das Dekret über den Ökumenismus überbietet es noch, indem es bestätigt, dass „der Heilige Geist sich nicht weigert, sich dieser Kirchen und Gemeinschaften als Mittel des Heiles zu bedienen, deren Kraft von der Fülle der Gnade und der Wahrheit, welche der katholischen Kirche anvertraut wurde, ableitet.“ (UR 3)

Solche Behauptungen lassen sich mit dem Dogma „Außerhalb der Kirche kein Heil“, welches in einem Brief des Heiligen Offiziums vom 8. August 1949 erneut bekräftigt wurde, nicht vereinbaren. Eine getrennte Gemeinschaft kann für das Heilswirken Gottes nicht offen sein, da ihre Trennung einen Widerstand gegen den Heiligen Geist bedeutet. Die Wahrheiten und Sakramente, die dort eventuell noch bewahrt sind, können nur einen heilbringenden Effekt erzielen, wenn sie in Widerspruch zu den irrigen Prinzipien stehen, welche die Existenz dieser Gemeinschaften begründen und ihre Trennung vom mystischen Leib, der katholischen Kirche, nach sich ziehen, deren sichtbares Oberhaupt der Stellvertreter Christi ist.

Die Erklärung Nostra aetate behauptet, dass die nichtchristlichen Religionen „nicht selten einen Strahl jener Wahrheit erkennen lassen, die alle Menschen erleuchtet“, wenn sie auch in Christus „die Fülle des geistlichen Lebens“ finden müssen und die katholische Kirche „betrachtet mit aufrichtigem Ernst jene Handlungs- und Lebensweisen, jene Vorschriften und Lehren“ (NA, 2). Eine solche Behauptung fällt unter denselben Vorwurf wie die vorhergehende. Wie in der Häresie oder im Schisma, so sind die Sakramente, die Teilwahrheiten des Glaubens und der Hl. Schrift bezüglich des mystischen Leibes in einem Zustand der Trennung. Deshalb kann die Religionsgemeinschaft als solche, welche sich dieser Elemente bedient, weder eine kirchliche Vermittlung zustande bringen noch zum Heil beitragen, denn sie ist der übernatürlichen Gnade beraubt. Dasselbe lässt sich über die Denk-, Lebens- und Handlungsweisen in den nichtchristlichen Religionen sagen.

Diese Konzilstexte begünstigen bereits die latitudinarische Auffassung von der Kirche, die Pius XI. in Mortalium animos verurteilte, wie auch den religiösen Indifferentismus, der ebenfalls von allen Päpsten, von Pius IX. bis Pius XII., verurteilt wurde.[4] Alle von diesem ökumenischen und interreligiösen Dialog inspirierten Initiativen, deren eklatantestes Beispiel das Treffen von Assisi im Jahre 1986 bleibt, sind nur „eine sichtbare Darstellung, eine Lehre von Tatsachen, eine für alle verständige Katechese“ (Johannes Paul II.) dieser konziliaren Lehren und setzen sie in die Praxis um. Aber sie drücken auch den Indifferentismus aus, den Pius XI. anprangerte, als er die Hoffnung missbilligte, dass „sich bei aller Verschiedenheit der Völker bezüglich der religiösen Ansichten doch ohne Schwierigkeit eine brüderliche Übereinstimmung im Bekenntnis gewisser Wahrheiten als gemeinsamer Grundlage des religiösen Lebens erreichen lasse. […] Jeder, der solchen Ansichten und Bemühungen beipflichtet, verlässt den Boden der von Gott geoffenbarten Religion vollständig.“ [5]

III. Eine kollegialistische und demokratische Auffassung von der Kirche
1. Nachdem die Konzilstexte die Einheit der Kirche in ihrem Glauben erschüttert hatten, erschütterten sie sie auch in ihrer Regierung und in ihrer hierarchischen Struktur. Der Ausdruck „subjectum quoque“ (LG 22) meint, dass das Bischofskollegium mit dem Papst als Oberhaupt vereint, abgesehen vom Papst allein, das gewöhnliche und beständige Subjekt der obersten und universellen Jurisdiktionsgewalt in der Kirche sei. Einer Herabsetzung der päpstlichen Gewalt – wenn nicht gar ihrer Infragestellung – wurde die Türe geöffnet, nicht ohne das Risiko, die Einheit der Kirche zu gefährden.

Die Idee eines beständigen doppelten Subjektes des Primates widerspricht in der Tat der Lehre und der Praxis des kirchlichen Lehramtes, besonders der Konstitution Pastor aeternus des 1. Vatikanischen Konzils (DH 3055) und der Enzyklika Satis cognitum von Leo XIII. Denn der Papst allein besitzt in gewöhnlicher und beständiger Weise die oberste Befehlsgewalt, an der er nur in außergewöhnlichen Fällen in den Konzilien teilhaben lässt, wenn er es als zweckdienlich erachtet.

2. Der Ausdruck „allgemeines Priestertum“, das den Getauften eigen ist, unterschieden vom „Priestertum des Dienstes“ (LG 10), legt nicht genau dar, dass nur das zweite im eigentlichen und wahren Sinn so zu verstehen ist, während ersteres sich nur im mystischen und geistlichen Sinn verstehen lässt.

Diese Unterscheidung wurde klar von Pius XII. in seiner Rede vom 2. November 1954 unterstrichen. Sie fehlt in den Konzilstexten und öffnet einer demokratischen Orientierung der Kirche, welche Pius VI. in seiner Bulle Auctorem fidei (DH 2602) verurteilte, die Tür. Diese Tendenz, das Volk an der Amtsausübung teilhaben zu lassen, findet sich in einer Vervielfachung von Organismen aller Art wieder und steht in Übereinstimmung mit dem neuen Kirchenrecht (Canon 129 § 2). Sie verliert die Unterscheidung von Klerus und Laien – obwohl göttlichen Rechts – aus den Augen.

IV. Über die falschen natürlichen Menschenrechte
Die Erklärung Dignitatis humanae bekräftigt das Bestehen eines falschen natürlichen Rechtes in Sachen Religion. Bis anhin anerkannte die Tradition der Kirche den Nichtkatholiken einstimmig das natürliche Recht zu, nicht durch die zivilen Gewalten dazu gezwungen zu werden (der Absicht nach im inneren Bereich und der Ausübung im äußeren Bereich), der einzigen und wahren Religion anzugehören, und bei gewissen Umständen legitimierte sie eine gewisse Toleranz in der Ausübung der falschen Religionen im äußeren öffentlichen Bereich. Vatikanum II erkennt zusätzlich jedem Menschen das natürliche Recht zu, dass er im äußeren Bereich von den zivilen Gewalten nicht an der Ausübung einer falschen Religion gehindert werden darf und gibt vor, dieses natürliche Recht des Ausschlusses jeglichen Zwanges von Seiten der gesellschaftlichen Autoritäten als Zivilrecht anzuerkennen. Die einzigen rechtlichen Grenzen dieses Gesetzes wären demnach jene der rein zivilen und profanen Ordnung der Gesellschaft. Das Konzil macht es somit den zivilen Regierungen zur Pflicht, niemanden aus religiösen Gründen zu behindern und eine rechtliche Gleichheit zwischen der wahren und den falschen Religionen zu schaffen.

Diese neue Gesellschaftslehre steht im Widerspruch zu den Lehren von Gregor XVI. in Mirari vos und denjenigen von Pius IX. in Quanta cura. Sie gründet auf einer falschen Auffassung von der menschlichen Würde, die nur den ontologischen und nicht den moralischen Standpunkt betrachtet. Als Folge lehrt die Pastoralkonstitution Gaudium et spes das Prinzip der „Autonomie der zeitlichen Dinge“ (GS 36), d. h. die Verneinung des sozialen Königtums Christi, das indes von Pius XI. in Quas primas vertreten wird, und öffnet schlussendlich der Unabhängigkeit der zeitlichen Gesellschaft in Bezug auf Gottes Gebote die Tür.

V. Die Protestantisierung der Messe
Der neue Messritus stellt „ein auffallendes Abrücken sowohl im Ganzen wie in den Einzelheiten“ [6] von der katholischen Definition der Messe dar, wie sie aus den Lehren des Konzils von Trient hervorgeht. Durch seine Auslassungen und Zweideutigkeiten schwächt der neue Ritus von Paul VI. die Identifizierung der Messe mit dem Kreuzesopfer ab und geht darin so weit, dass die Messe hier viel weniger ein Opfer als eine reine Gedächtnisfeier zu sein scheint. Dieser reformierte Ritus verdunkelt auch die Rolle des Priesters auf Kosten des Handelns der Gemeinschaft der Gläubigen. Er vermindert in schwerwiegender Weise den Ausdruck des Sühnecharakters des Messopfers, d. h. die Sühne und Wiedergutmachung der Sünde.

Angesichts dieser Mängel kann man den neuen Ritus nicht als legitim ansehen. Anlässlich eines Verhörs vom 11.-12. Januar 1979 auf die Frage der Kongregation für die Glaubenslehre: „Behaupten Sie, ein gläubiger Katholik dürfe glauben und behaupten, dass ein vom Papst genehmigter und kundgemachter sakramentaler Ritus, insbesondere jener der Messe, dem katholischen Glauben nicht entsprechen oder ‘die Häresie begünstigen‘ könne?“, antwortete Mgr. Lefebvre: „Dieser Ritus bekennt an sich den katholischen Glauben nicht in so klarer Weise wie der alte Ordo Missae und kann demzufolge die Häresie begünstigen. Aber ich weiß nicht, wem ich ihn zuschreiben soll, noch ob der Papst dafür verantwortlich ist. Verblüffend ist jedenfalls, dass ein Ordo Missae, der von protestantischem Geist durchzogen ist und daher die Häresie begünstig, von der Römischen Kurie verbreitet werden konnte.“[7]Diese gravierenden Mängel verbieten es uns, den neuen Ritus als legitim zu bezeichnen, ihn zu zelebrieren oder jemandem zu raten, daran teilzunehmen oder ihn aktiv mitzufeiern.

VI. Der neue Kodex, Ausdruck der konziliaren Neuheiten
Nach den eigenen Worten Johannes Paul II. kann der neue Kodex des kanonischen Rechtes von 1983 „als ein großes Bemühen aufgefasst werden“, die Lehren des II. Vatikanischen Konzils „in die Sprache des Kirchenrechts zu übersetzen“[8],- einschließlich vor allem jener schwer fehlerhaften Punkte, die wir bisher aufgezeigt haben. „Von den Elementen aber, die das wahre und besondere Bild der Kirche zum Ausdruck bringen“, erklärt Johannes Paul II. weiter, „seien vor allem folgende erwähnt: die Lehre, durch die die Kirche als das Volk Gottes und die hierarchische Autorität als Dienst dargestellt wird; außerdem die Lehre, die die Kirche als Gemeinschaft ausweist und daher die notwendigen Beziehungen festsetzt, die zwischen den Teilkirchen und der Universalkirche und zwischen Kollegialität und Primat bestehen müssen; ebenso die Lehre, nach der alle Glieder des Gottesvolkes, jedes auf seine Weise, an dem dreifachen, dem priesterlichen, prophetischen und königlichen Amt Christi teilhaben. Mit dieser Lehre verbunden ist jene über die Pflichten und Rechte der Gläubigen und insbesondere der Laien; und schließlich der Einsatz, den die Kirche für den Ökumenismus aufbringen muss.“

Dieses neue Recht betont die falsche ökumenische Dimension der Kirche, indem es erlaubt, die Sakramente der Buße, der Eucharistie und der Letzten Ölung aus der Hand von nichtkatholischen Spendern zu empfangen (Canon 844). Es begünstigt die ökumenische Gastfreundschaft, indem es katholischen Spendern erlaubt, das Sakrament der Eucharistie auch Nichtkatholiken zu erteilen. Der Canon 336 nimmt die Idee des doppelten beständigen Trägers des Primats wieder auf und unterstreicht sie. Die Canones 204 § 1, 208, 212 § 3, 216 und 225 unterstreichen die Doppeldeutigkeit des allgemeinen Priestertums und die damit verbundene Idee des Volkes Gottes. Schließlich zeichnet sich im neuen Kodex eine falsche Definition der Ehe ab; weder das genaue Objekt des ehelichen Vertrages, noch die Hierarchie ihrer Zwecke finden Erwähnung. Weit davon entfernt, die katholische Familie zu begünstigen, schlagen diese Neuerungen eine Bresche in die Ehemoral.

VII. Eine neue Auffassung vom Lehramt
1. Die Konstitution Dei Verbum behauptet mit fehlender Präzision, dass „die Kirche im Gang der Jahrhunderte ständig der Fülle der göttlichen Wahrheit entgegen[strebt], bis an ihr sich Gottes Worte erfüllen“ (DV 8). Dieser verschwommene Satz öffnet dem Irrtum einer lebendigen und sich entwickelnden Tradition Tür und Tor. Der hl. Pius X. verurteilte diesen Irrtum in seiner Enzyklika Pascendi und im Anitmodernisteneid. Denn die Kirche kann nur „der Fülle der göttlichen Wahrheit entgegenstreben“, weil sie sich präziser ausdrückt, aber nicht in dem Sinn, dass die von der Kirche aufgestellten Dogmen „einen Sinn erhalten, der von demjenigen, was die Kirche darunter verstand und immer noch versteht, verschieden ist“. (Dei Filius, DH 3043).

2. Die Ansprache Benedikt XVI. vom 22. Dezember 2005 versucht diese evolutive Auffassung einer lebendigen Tradition zu rechtfertigen und dadurch das Konzil von irgendeinem Bruch mit der Tradition der Kirche reinzuwaschen. Das II. Vatikanische Konzil wollte eine „Neubestimmung des Verhältnisses zwischen dem Glauben der Kirche und bestimmten Grundelementen des modernen Denkens“ und darum hat es in seinen Lehren „einige in der Vergangenheit gefällte Entscheidungen neu überdacht oder auch korrigiert, aber trotz dieser scheinbaren Diskontinuität hat sie [die Kirche] ihre wahre Natur und ihre Identität bewahrt und vertieft“, nämlich „[die Identität] der Erneuerung des einen Subjekts Kirche, die der Herr uns geschenkt hat, [...] das mit der Zeit wächst und sich weiterentwickelt, dabei aber immer sie selbst bleibt, das Gottesvolk als das eine Subjekt auf seinem Weg.“ Diese Erklärung setzt voraus, dass die Glaubenseinheit der Kirche nicht mehr auf einem Objekt, sondern auf einem Subjekt beruht (denn es gibt eine Diskontinuität, zumindest über die bisher bereits erwähnten Punkte zwischen Vatikanum II und der Tradition), und zwar in dem Sinne, dass sich der Glaubensakt mehr in Bezug auf die Glaubenden als auf die Glaubenswahrheiten definiert. Dieser Akt wird grundsätzlich zu einem Ausdruck des kollektiven Gewissens und nicht mehr zum unerschütterlichen Festhalten des Verstandes am hinterlegten Gut der von Gott geoffenbarten Wahrheiten. 

Pius XII. lehrt aber in Humani generis, dass das Lehramt „in Dingen des Glaubens und der Sitten die nächste und allgemeine Norm sein muss“, eine objektive Wahrheit, die in ihren Quellen, in den Heiligen Schriften und der göttlichen Tradition, hinterlegt ist. Die Konstitution Dei Filius des I. Vatikanischen Konzils lehrt ebenfalls, dass die Lehre des Glaubens „nicht wie eine philosophische Erfindung dem menschlichen Geiste zur Vervollkommnung vorgelegt, sondern als göttliche Hinterlassenschaft der Braut Christi anvertraut [wurde], damit sie treu gehütet und unfehlbar erklärt werde“ (DH 3020).

3. Offensichtlich weisen die Eröffnungsrede Papst Johannes XXIII. (11. Oktober 1962) und seine Ansprache an das Heilige Kollegium vom 23. Dezember 1962 dem II. Vatikanischen Konzil eine ganz besondere Absicht als ein sozusagen „pastorales“ Konzil zu, kraft dessen das Lehramt „den Glauben der Kirche gemäß der Untersuchungsmethoden und der literarischen Formulierung des modernen Denkens“ ausdrücken soll. Die Enzyklika  Ecclesiam suam von Papst Paul VI. (6. August 1964) präzisiert diese Idee, indem in ihr gesagt wird, dass das Lehramt des II. Vatikanischen Konzils auf „die Einfügung der christlichen Botschaft in das Denken, die Sprache, die Kultur, die Sitte, den Geist der Menschheit, wie sie heute auf Erden lebt » (Nr. 63) hinzielt; im Besonderen wird die Verkündigung der Wahrheit „nicht mit äußeren Zwangsmitteln vorgehen, sondern sie wird nur den zulässigen Wegen menschlicher Erziehung, innerer Überzeugung, gemeinsamer Besprechung, immer unter Achtung der persönlichen und staatsbürgerlichen Freiheit, das Geschenk des Heiles anbieten.“ (Nr. 69). Die Pastoralkonstitution Gaudium et spes bekräftigt, dass „das Konzil beabsichtigt, vor allem jene Werte, die heute besonders in Geltung sind, in diesem Licht zu beurteilen und auf ihren göttlichen Ursprung zurückzuführen. Insofern diese Werte nämlich aus der gottgegebenen Anlage des Menschen hervorgehen, sind sie gut. Infolge der Verderbtheit des menschlichen Herzens aber fehlt ihnen oft die notwendige letzte Ausrichtung, so dass sie einer Läuterung bedürfen“ (GS 11). Von diesen Werten der Welt lassen sich drei große Neuerungen, welche von Vatikanum II eingeführt wurden, ableiten: die Religionsfreiheit, die Kollegialität und der Ökumenismus.

4. Wir stützen uns folglich auf die nächste und allgemeine Norm der geoffenbarten Wahrheit, welches das Lehramt aller Zeiten ist, um den neuen Lehren, die ihm entgegengesetzt sind, zu widersprechen. In der Tat kommt hier das Erkennungsmerkmal des hl. Vinzenz von Lérins zum Ausdruck: „Das Erkennungsmerkmal der Wahrheit und übrigens auch der Unfehlbarkeit des Papstes und der Kirche sind ihre Übereinstimmung mit der Überlieferung und dem anvertrauten Glaubensgut. Quod ubique, quod semper. Was immer und überall in Raum und Zeit gelehrt wird.“ [9] Nun ist aber die Lehre des II. Vatikanums über den Ökumenismus, die Kollegialität und die Religionsfreiheit eine neue Lehre, die der Tradition und dem öffentlichen Recht der Kirche, welches sich wiederum auf die von Gott geoffenbarten und darum unveränderbaren Prinzipien stützt, entgegensteht. Wir folgern daraus, dass dieses Konzil, da es diese Neuerungen vortragen wollte, keinen streng lehramtlichen Wert hat, und zwar in dem Maß, als es diese Neuerungen vorträgt. Seine Autorität ist schon zweifelhaft wegen des neuen, sogenannten „pastoralen“ Zweckes, den wir im vorherigen Abschnitt angesprochen haben. Sie scheint außerdem nichtig bezüglich einiger Punkte, die im Widerspruch zur Tradition stehen (siehe oben: I bis VII, 1).

Treu zur immerwährenden Lehre der Kirche und gemeinsam mit unserem verehrten Gründer, Mgr. Marcel Lefebvre und in seiner Nachfolge, haben wir bis jetzt nicht aufgehört, das Konzil und seine wichtigsten Texte als einer der Hauptgründe der Krise, welche die Kirche von Grund auf erschüttert, anzuprangern. Diese Krise durchdringt die Kirche, wie es der hl. Pius X. ausdrucksstark formuliert, bis ins „Blut der Kirche“, bis in „ihr tiefstes Inneres“. Übrigens sehen wir, je länger wir daran arbeiten, desto mehr die schon von Mgr. Lefebvre am 9. September 1965 in der Konzilsaula mit außergewöhnlicher Klarheit dargelegten Analysen bestätigt. Man erlaube uns, seine eigenen Worte anlässlich der konziliaren Konstitution über die „Kirche in der Welt von heute“ (Gaudium et spes) wiederzugeben: „Diese pastorale Konstitution ist weder pastoral noch aus der katholischen Kirche hervorgegangen: Sie weidet nicht die Menschen und die Christen mit der evangelischen und apostolischen Wahrheit und überdies hat die Kirche niemals so gesprochen. Wir können auf diese Stimme nicht hören, weil sie nicht die Stimme der Braut Christi ist. Diese Stimme ist nicht die Stimme des Geistes Christi. Die Stimme Christi, unseres Hirten, kennen wir. Jene aber kennen wir nicht. Das Kleid ist das eines Lammes; die Stimme ist nicht die des Hirten, aber vielleicht die des Wolfs. Ich habe gesprochen.“[10] Die seit dieser Intervention vergangenen fünfzig Jahre können diese Analyse nur bestärken.

Am 7. Dezember 1968, drei Jahre nach Ende des Konzils, musste Paul VI. bekennen: „Die Kirche befindet sich in einer Stunde der Unruhe, der Selbstkritik, man könnte sogar sagen, der Selbstzerstörung.“ Am 29. Juni 1972 gestand er ein: „Der Rauch Satans ist durch irgendeinen Riss in den Tempel Gottes eingedrungen: der Zweifel, die Unsicherheit, die Infragestellungen, die Unruhe, die Unzufriedenheit, die Auseinandersetzungen.“ Obwohl er diese Feststellung machte, tat er nichts. Er setzte die konziliaren Reformen fort, die von ihren Urhebern ohne Zögern mit der Revolution von 1789 in Frankreich oder derjenigen von 1917 in Russland verglichen wurden.

Wir dürfen nicht passiv bleiben, wir können uns nicht zu Komplizen dieser Selbstzerstörung machen. Deshalb laden wir Sie, liebe Freunde und Wohltäter, ein, fest im Glauben zu verharren und sich nicht von diesen Neuerungen, die eine der furchtbarsten Krisen kennzeichnen, welche die heilige Kirche durchmacht, verwirren zu lassen.

Mögen das Leiden unseres Herrn und Seine Auferstehung uns in der Treue und unserer unverbrüchlichen Liebe zu Gott, zu unserem Herrn, wahrer Gott und wahrer Mensch, zu Seiner heiligen Kirche, göttlich und menschlich, und in einer unerschütterlichen Hoffnung stärken... in Te speravi non confundar in aeternum [auf Dich habe ich vertraut; in Ewigkeit werde ich nicht zuschanden]. Das schmerzhafte und unbefleckte Herz Mariens beschütze uns alle. Möge es bald triumphieren!

Winona, Palmsonntag, 13. April 2014

+Bernard Fellay

[1] Mgr. Lefebvre, „Brief an den Kardinal Ottaviano vom 20. Dezember 1966“ aus Damit die Kirche fortbestehe, Priesterbruderschaft St. Pius X., 70469 Stuttgart, Stuttgarter Str. 24, S. 35-38.

[2] Pius XII., Enzyklika Mystici corporis, 29. Juni 1943

[3] Pius XII., Enzyklika Humani generis, 12. August 1950

[4] Über den Indifferntismus und Latitudinarismus siehe die vom Syllabus verurteilten Sätze im III. Kapitel, Nr. 15-18: „Es ist jedem Menschen freigestellt, jene Religion anzunehmen und zu bekennen, die er mit dem Lichte der Vernunft als die wahre erachtet. Die Menschen können in der Pflege jeder Art von Religion den Weg des ewigen Heiles finden. Wenigstens gute Hoffnung soll man haben um das ewige Heil all derer, die gar nicht in der wahren Kirche Christi leben. Der Protestantismus ist nichts anderes als eine verschiedene Gestalt desselben wahren, christlichen Glaubens, in der man Gott ebenso wohlgefällig dienen kann wie in der katholischen Kirche.“

[5] Pius XII., Enzyklika Mortalium animos, 6. Januar 1928

[6] Kardinäle Ottaviani & Bacci, „Vorwort an Papst Paul VI.” in Kurze kritische Untersuchung des neuen „Ordo Missae“, Lumen Gentium-Stiftung, Vaduz/Liechtenstein, 1969

[7] Priesterbruderschaft St. Pius X., Erzbischof Marcel Lefebvre und das Heilige Offizium, Medatrix-Verlag, Wien, 1981, SS. 157-158.

[8] Johannes Paul II., Apostolische Konstitution Sacrae disciplinae leges, 25. Januar 1983

[9] Mgr. Lefebvre, „Zusammenfassung” aus Ich klage das Konzil an!, Ed. Saint-Gabriel, Martigny, 1977, S. 102

[10] Mgr. Lefebvre, Ich klage das Konzil an!, Ed. Saint-Gabriel, Martigny, 1977, S. 84

Quellenangabe: http://www.dici.org/en/documents/brief-an-die-freunde-und-wohltater-nr-82/

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Zaitzkofen, 5. April 2014

Subdiakonatsweihen

Am Samstag dem 5. April 2014 spendete S.E. Weihbischof Bernard Tissier de Mallerais, im Rahmen eines feierlichen Pontifikalamtes, die Subdiakonatsweihen in unserem Priesterseminar Herz Jesu.

Die Subdiakonatsweihe ist die erste der höheren Weihen als Vorbereitung auf das Priestertum. Nach Empfang dieser Weihe verpflichtet sie die Kandidaten zu dauerndem Breviergebet und Zölibat.

In seiner Predigt hob der Bischof die Besonderheiten der Subdiakonatsweihe, auf dem Weg zum Priestertum, hervor.

Die beiden Weihekandidaten stammen aus Deutschland und Kanada.

Zaitzkofen, 26. März 2014

Der wunderbare Fischfang in Zaitzkofen

An unserem Teich im Schloßpark mußte wegen starker Verschlammung das Wasser abgelassen werden. So gab es am Mittwoch (26. März) einen wunderbaren Fischfang an Karpfen, Karauschen und Schleien.

Bei der Ausbildung unserer Seminaristen und unserer Brüder bemühen wir uns darum, ähnliche „Prachtexemplare“ heranzubilden, damit sie zu eifrigen Menschenfischern werden.

 

Pater Stehlin: Wir müssen Menschen mit Prinzipien sein

Der folgende Brief erklärt, wie wir Menschen mit Prinzipien in einem echten katholische Sinne sein können. Kürzlich drückte P. Jean, ein Priester der traditionellen Kapuziner in Morgon (Frankreich) in einer Predigt die Meinung aus, dass die FSSPX „auf dem weichen Weg zum Modernismus" geht, denn sie suche nach einer praktischen Übereinkunft mit Rom.

Als Antwort auf diese falsche Anklage fühlt sich P. Karl Stehlin (Oberer des Autonomen Hauses in Polen) gezwungen, ihm und den Kapuzinern ausführlich zu schreiben, um fünf wichtige katholische Prinzipien in Erinnerung zu rufen, die er selbst in den Jahren seiner Tätigkeit als Priester der FSSPX gelernt hat.

Wir danken P. Stehlin für die Erlaubnis, die Übersetzung des Briefes zu veröffentlichen.

Warschau, 6. Februar 2014

An den hochwürdigen Pater Antoine, den hochwürdigen Pater Jean und die ganze Gemeinschaft der ehrwürdigen Kapuziner-Brüder

Hochwürdiger Herr Pater Jean,

ich habe gerade den Text Ihrer Predigt vom dritten Sonntag nach Erscheinung erhalten und muss ihnen sagen, dass sie mich sehr bewegt hat. Ich erinnere mich an die Zeit, als ich die Ehre hatte, Sie in die Militia Immaculatae aufzunehmen und auch an Ihren Besuch in Polen, wo Sie an unserer großen Wallfahrt nach Tschenstochau teilgenommen haben. Auch bin ich, wie Sie wissen, Ihnen, den Kapuziner-Patres sehr verbunden, vor allem weil sich durch Sie die M.I. in Frankreich verbreitet hat und Ritter der Immaculata herangebildet wurden, die für die Bekehrung der Seelen arbeiten wollen. Und schließlich ist es mir eine große Freude, dass Polen und Polinnen bei Ihnen und den guten Klarissen-Schwestern eintreten.

            Ich schreibe Ihnen dies alles um Ihnen zu sagen, dass ich Ihre Predigt mit großer Aufmerksamkeit gelesen habe, umso mehr, als sich die Patres selten „ad extra" äußern.

Wie recht Sie doch haben, wenn Sie darauf bestehen, dass wir Menschen mit Prinzipien sein müssen und dass man bei den Prinzipen keine Kompromisse machen darf. Ich gestehe, dass ich seit langem über diesen Punkt nachdenke, und da ich in der Nachfolge von Mgr. Pie und Mgr. Lefebvre ein Mann mit Prinzipen sein will, habe ich versucht, die wichtigsten unter ihnen (fünf habe ich gefunden) zusammenzutragen und mein Gewissen zu befragen, ob ich mich bemühe, sie in die Tat umzusetzen. Erlauben Sie mir, sie Ihnen vorzustellen, nicht ihrer Rangfolge nach, sondern so, wie sie mir in den Sinn kommen.

Hier der ganze Text als PDF-Datei 124 KB

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Sodoma und Gomorrha? Nein, schlimmer!

 

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) publiziert über ihren Landesverband Baden-Württemberg eine sogenannte „Handreichung für Lehrkräfte“, die Sie hier herunterladen können.


"Lesbische und Schwule Lebensweisen Lehrergewerkschaft Baden-Württemberg"


Wir rufen alle Eltern auf, wachsam zu sein, um ihre Kinder nicht diesem Verderben auszuliefern. Trifft für die Verfasser und Propagandisten solcher Verführung nicht in vollem Umfang das Christuswort zu: „Wer einem von diesen Kleinen, die an Mich glauben, Anlass zur Sünde gibt, für den wäre es besser, dass ihm ein Mühlstein um den Hals gehängt und er in die Tiefe des Meeres versenkt würde.“ Mt 18, 6

Suchen Sie darum nach einer katholischen Schule für Ihre Kinder, auch wenn dies Opfer kostet. Hier die Schulen der Priesterbruderschaft St. Pius X. in Deutschland:

 

Private Grundschule St. Aloysius
Kemptener Str. 29
88299 Leutkirch im Allgäu

Tel.: 07561-820 27 22
Fax: 07561-820 27 23

E-Mail: Grundschule.StAloysius@gmx.de

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Grundschule St. Dominikus
Kronenstraße
79365 Rheinhausen

Tel. 07643-6980

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Grundschule St. Josef
Robert-Bosch-Str. 23
D-88499 Riedlingen

Tel.: +49 (7371) 93640

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Grundschule St. Arnual und Realschule Herz-Jesu
Schulstraße 30
66130 Saarbrücken / Fechingen

Tel.: +49 (6893) 80 27 59

Weitere Infos unter: http://www.ers-herz-jesu.de/

---------------------------------------------------------------------------------

St.-Theresien-Gymnasium (Mädchen)
St.-Vinzenz-Str. 2
53809 Ruppichteroth - Schönenberg

Telefon: 02295 - 908600
Telefax: 02295 - 9086049

info@st-theresia-gym.de

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Jungengymnasium mit Internat in Wangs (SG)/Schweiz
Institut Sancta Maria
Vorderbergstr. 2
CH – 7323 Wangs, SG

Tel. 0041 81 720 47 50

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Erkundigen Sie sich bei den jeweiligen Schulen nach den Möglichkeiten für Ihre Kinder.

 

Das ist keine Parodie: Das ist die bittere Wahrheit - ein offizielles Dokument

Lehrergewerkschaft kommuniziert im Unterricht Elektroschocktherapie gegen heterosexuelles Verhalten


Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) publiziert über ihren Landesverband Baden-Württemberg eine so genannte "Handreichung für Lehrkräfte", die man sich hier herunter laden kann:

https://www.gew-bw.de/PublikationenFrauen- und Antidiskriminierungspolitik.html

https://www.gew-bw.de/Binaries/Binary20121/L-S-Lebenswesen_2013_web.pdf

Titel: "Lesbische und schwule Lebensweisen - ein Thema für die Schule"

Die Gewerkschaft unterstützt damit eine frühest mögliche "Sexualisierung" der Kinder und auf Seite 20 der Publikation findet sich "Der heterosexuelle Fragebogen" mit 12 Fragen an das Kind.

1  Woher glaubst du, kommt deine Heterosexualität?

2  Wann und warum hast du dich entschlossen, heterosexuell zu sein?

3  Ist es möglich, dass deine Heterosexualität nur eine Phase ist und dass du diese Phase
    überwinden wirst?

4  Ist es möglich, dass deine Heterosexualität von einer neurotischen Angst vor Menschen
    des gleichen Geschlechtes kommt?

5  Wissen deine Eltern, dass du heterosexuell bist? Wissen es Deine Freundinnen und
    Freunde? Wie haben sie reagiert?

6  Eine ungleich starke Mehrheit der Kinderbelästiger ist heterosexuell. Kannst Du es
    verantworten, deine Kinder heterosexuellen Lehrer/innen auszusetzen?

7  Was machen Männer und Frauen denn eigentlich im Bett zusammen? Wie können sie
    wirklich wissen, wie sie sich gegenseitig befriedigen können, wo sie doch anatomisch
    so unterschiedlich sind?

8  Obwohl die Gesellschaft die Ehe so stark unterstützt, steigen die Scheidungsraten
    immer mehr. Warum gibt es so wenige langjährige, stabile Beziehungen unter
    Heterosexuellen?

9  Laut Statistik kommen Geschlechtskrankheiten bei Lesben am wenigsten vor. Ist es
    daher für Frauen wirklich sinnvoll, eine heterosexuelle Lebensweise zu führen und so
    das Risiko von Geschlechtskrankheiten und Schwangerschaft einzugehen?

10  InAnbetracht der Übervölkerung stellt sich folgende Frage: Wie könnte die Menschheit
     überleben, wenn alle heterosexuell wären?

11  Es scheint sehr wenige glückliche Heterosexuelle zu geben; aber es wurden Verfahren
      entwickelt, die es dir möglich machen könnten, dich zu ändern, falls du es wirklich
      willst. Hast du schon einmal in Betracht gezogen, eine Elektroschocktherapie zu
      machen?

12  Möchtest du, dass dein Kind heterosexuell ist. obwohl du die Probleme kennst, mit
     denen es konfrontiert würde?

Man beachte bitte speziell Punkt 11: Elektroschocktherapie gegen heterosexuelles Verhalten. Es ist die komplette Umkehrung der Norm geplant und sie wird in den Schulen dank solcher Machwerke an Kindern gelehrt. Es ist ein Trauerspiel.

Da die Original-Links evt. nicht mehr funktionieren, können Sie beide PDF-Dateien hier herunter laden:

Praxishilfen für den Umgang mit Schulbüchern 2.129 KB

Lesbische und Schwule Lebensweisen Lehrergewerkschaft Baden-Württemberg 4.692 KB

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Stuttgart, 1. März 2014

Ansprache anlässlich der 2. Demonstration der Initiative

„Schützt unsere Kinder“

Inge M. Thürkauf

 

Danke, dass Ihr auch heute am 1. März wieder so zahlreich auf den Schlossplatz gekommen seid, um Euren Rechten als Eltern Ausdruck zu verschaffen.

Es ist in keiner Weise glaubwürdig, wenn von Seiten der grün-roten Bildungspolitiker behauptet wird, es ginge nur darum, in den Schulen ein Umfeld für Toleranz, Offenheit und gegenseitigen Respekt für verschiedene Lebens- und Liebesweisen zu verschaffen, es bestünde keine Absicht zur Umerziehung.

Die Leitprinzipien des Bildungsplanes sowie der 2012 ins Leben gerufene landesweite Aktionsplan für die „Akzeptanz sexueller Vielfalt“ sprechen eine andere Sprache. Dort geht eindeutig daraus hervor, dass Bildung und Erziehung in den Schulen mit den Farben des Regenbogens durchzogen werden sollen. Das Emblem auf dem Papier für „Lesbische und Schwule Lebensweisen“ mit dem Untertitel „Wir bilden die Zukunft“ der Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft zeigt unmissverständlich eine Fahne in den Regenbogenfarben. Soll dies ein Vorgeschmack auf die eventuelle Neugestaltung der Nationalflagge sein – nicht mehr Schwarz-Rot-Gold, sondern Regenbogen? Der Einmarsch der deutschen Sportler in Sotschi im Regenbogenkostüm könnte diesen Eindruck noch verstärken und zeigt vor allem, wie weit die Diktatur des Regenbogens schon weltweit in Fahrt gekommen ist.

Es gehört zum Christsein, dass jeder Mensch in seiner Individualität und Einzigartigkeit vor Gott angenommen wird. Doch können wir nicht akzeptieren, dass an allen öffentlichen Schulen alle Schüler schon von der 1. Klasse an oder noch früher ver-gendert werden, d.h. in verschiedene sexuelle Lebens- und Liebesweisen eingeführt werden sollen, wie z. B. homosexuell, lesbisch, bi-, transsexuell usw., in der Zwischenzeit soll es ja – vorläufig wenigstens – 58 Geschlechter geben, die wir alle – nach Ansicht der Gender-Lobbyisten - als völlig gleichwertig zu betrachten haben. Das ist ideologischer Zwang. Eine Minderheit von Gender-Gläubigen bzw. ihre Lobby will der Mehrheit der Bevölkerung eine neue Ideologie aufdrängen.

Hinter dem Genderismus steht der Gedanke, den Menschen von allen angeblich natürlichen Auffassungen zu befreien. Um dies zu erreichen, brauche es eine gendergerechte geistige Umerziehung, die so früh wie möglich beginnen soll. Inzwischen schreckt man nicht davor zurück, die Neuformung der Geschlechtsidentität nicht nur in Kindergärten und Schulen, sondern bereits schon in Kindertagesstätten anzusetzen. Um deutlich zu machen, worum es sich bei den Kitas im Grunde handelt, nennt man sie ganz offen gendered institutions.

Der Hintergedanke dieser Gender-Institutionen ist, dass ein auf diese Art umerzogenes Kind sehr früh begreifen lernen soll, dass es nicht nur Mann und Frau gibt, sondern dass die Palette viel bunter und reichhaltiger ist. Die Kinder sollen beizeiten lernen, selbst wie Homos, Lesben, Bi- und Transsexuelle usw. zu leben.

Auch werden Kindergarten- und Schulbücher geändert in dem Sinn, dass nicht mehr von einer Ehe zwischen einem Mann und einer Frau die Rede sein darf, weil dies die übrigen 58 Geschlechter diskriminieren würde. Auf diese Weise wird den Kindern immer mehr das Leitbild der monogamen Ehe von einem Mann und einer Frau als Orientierung für ihr Leben genommen. Kinder lernen nicht mehr, dass Ehefähigkeit eine kulturelle Leistung ist, die erst entwickelt werden muss. „Nach Karl Marx ist die Auflösung der Familie eine der Hauptaufgaben der sozialen Revolution.“ Doch gerade in Revolutionen und Kriegen, in den schweren Zeiten der vergangenen Jahrhunderte hat sich eines deutlich gezeigt: „Die Familie ist der wärmste Ort gegen die Kälte dieser Welt“.

Seit über einem halben Jahrhundert leben wir hier im Westen ohne Krieg, in vollständiger sozialer Sicherheit. In dieser behaglichen Ruhe des Wohlstands haben wir nun eine Theorie entwickelt, die dem gesunden Menschenverstand völlig zuwiderläuft: der strategische Plan zur Umwandlung der Gesellschaft im Namen von Gender Mainstreaming, eine Ideologie, die sämtliche gesellschaftliche, kulturelle und religiöse Werte in Frage stellt.

Eines der erfolgreichsten Mittel, Gender in der Gesellschaft durchzusetzen ist die Frühsexualisierung von Kindern, die diesem totalitären Zugriff hilflos ausgesetzt werden. Man konfrontiert sie in den Schulen mit Materialien, die nur allzu oft die Schamgrenze überschreiten. Wie eine Unterrichtsstunde gendergerecht ablaufen kann, schildert ein Bericht aus der Schweiz. 12-jährige beschreiben den Besuch der „Sextante“, wie sie die Aufklärerin nennen. Sie sei ihnen eher negativ in Erinnerung geblieben, schreiben sie. Über einige ihrer Äußerungen waren die Schüler und Schülerinnen schockiert. Manche hatten Probleme mit vulgären Begriffen und wollten sie aus Scham nicht aussprechen. Sie wurden aber gezwungen, sie doch auszusprechen. Die Sextante meinte, sie sollen doch keine Hemmungen haben und einfach reden, wie ihnen der Schnabel gewachsen sei.

Warum will man die Scham der Kinder zerstören? Ist dies nicht im Grunde sexuelle Belästigung von Kindern und Jugendlichen, wenn sie sich mit sexuellen Fragen auseinandersetzen müssen, die sie noch gar nicht interessieren. Offensichtlich hat uns der Ausspruch Lenins eingeholt, der sagte: „Interessiert die Jugend für Sex und ihr habt sie in der Hand.“

Ich kann die Jugendlichen nur dazu ermuntern, über ihre Erfahrungen und Empfindungen zu berichten in Bezug auf die Gender-Umerziehung in den Schulen.

Siegmund Freud wusste wovon er sprach, wenn er warnte, dass Kinder, die [früh] sexuell stimuliert werden, nicht mehr erziehungsfähig sind, die Zerstörung der Scham bewirke eine Enthemmung auf allen anderen Gebieten. - Sexualisierung der Kinder ist der Schlüssel zur Destruktion der Familie und der Religion, sie führt zur Bindungslosigkeit und letztlich zum Untergang des Staates. Menschen, die losgelöst sind von allen Bindungen, sind leicht einzubinden in das, was heute offen, auch von unserer Bundeskanzlerin Angela Merkel, als Neue Weltordnung bezeichnet wird. Die Neue Weltordnung ist keine Verschwörungstheorie, sondern das Zukunftsprogramm der zurzeit mächtigsten Organisation der Welt: der UNO, und Gender Mainstreaming ist eines ihrer mächtigsten Programme.

Wo bleibt eigentlich in der ganzen Diskussion unser Recht für eine selbstbewusste und selbstbestimmte Entscheidung für Ehe und Familie, bestehend aus einem Mann und einer Frau, wie es im Grundgesetz verankert ist, und wie sie nicht nur in der jüdisch-christlichen Kultur, sondern in den verschiedensten Kulturen seit Jahrtausenden gelebt wird?

Im Übrigen darf die Frage erlaubt sein: Was geht eigentlich in Menschen vor, die sich Lehrmaterialien ausdenken,  wie wir sie im Bildungsplan 2015 vorfinden und sie auch anwenden?

Denken wir denn nicht daran, dass nachfolgende Generationen eines Tages auch über uns urteilen werden? Dass Kinder ihre Eltern eines Tages fragen werden, wo wart ihr, als es darum ging, politisch korrekt die traditionelle Ehe zwischen Mann und Frau in Frage zu stellen?

Wo wart ihr, als man uns in der Schule verschiedene Liebesweisen versuchte schmackhaft zu machen und wir uns dadurch beschmutzt und missbraucht fühlten?

Wo wart ihr, als die Begriffe Mann und Frau politisch korrekt in staatlichen Dokumenten gestrichen wurden und die Begriffe Vater und Mutter durch Elter I oder Elter II ersetzt wurden, wie es in einigen Ländern schon geschehen ist?

Habt ihr euch deshalb nicht zu Wort gemeldet, weil Kritik an der Gender-Ideologie mit Verleumdungen wie reaktionär, faschistisch, rassistisch, homophob, fundamentalistisch, usw. bedacht wurde? Wart ihr durch diese primitiven Beschimpfungen so verunsichert, dass ihr nicht erkannt habt, dass sie nichts anderes sind als ein Armutszeugnis für Meinungsfreiheit und Demokratie?

Herr Ministerpräsident Kretschmann, Sie selbst sind nicht nur Familienvater, Sie sind auch unser Landesvater und - Sie sind katholischer Christ und in dieser Eigenschaft erlaube ich mir, Sie nun anzusprechen:- Wir bitten Sie, alles in Ihrer Macht Stehende zu tun, um die Gender-Ideologie zumindest in Ihrem Regierungsbereich Baden-Württemberg zu stoppen, um uns und unsere Kinder zu bewahren - vor der Neuen Weltordnung der Sexualität.

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Zaitzkofen, 2. Feb. 2014

Erteilung der Niederen Weihen, Einkleidung und Tonsur

Pontifikalamt am Samstag: Vier junge Kleriker erhalten die Weihen zu Ostiariern und Lektoren, fünf weitere die Weihen zu Exorzisten und Akolythen


Am Samstag, dem 1. Februar und am darauf folgenden Sonntag, dem Fest Mariä Lichtmess, feierte die Seminargemeinschaft von Zaitzkofen die Einkleidung von vier Seminaristen, die Tonsur für sechs und die Niederen Weihen von neun Alumnen zu Ostiariern, Lektoren, Exorzisten und Akolythen.

Neun Seminaristen wurden im Rahmen eines feierlichen Pontifikalamts von Bischof Bernard Fellay, dem Generaloberen, zu Ostiariern, Lektoren bzw. Exorzisten und Akolythen geweiht.
Der Regens des Seminars, Pater Franz Schmidberger, rief sodann die Weihekandidaten einzeln bei ihrem Namen, die daraufhin ihr „Adsum“ – „Ich bin bereit“ sprachen und vor den Altar traten, um diese heiligen Weihen zu empfangen. Der Prediger forderte von den Weihekandidaten, zu beten um die Gnaden der Treue, des apostolischen Eifers, der Demut, Einfachheit und der Würde, um selbst „Lumen ad revelationem gentium“ – „Ein Licht zur Erleuchtung der Heiden“ werden zu können.

Am Lichtmesstag sind vier junge Männer nach Kerzenweihe und Lichterprozession an den Altar getreten, um sich von dieser Welt loszusagen und ihrem Bischof Glaubenstreue, Gehorsam und Reinheit an Leib und Seele zu geloben. Sie erhielten von ihm die Soutane, das Gewand des Klerikers, und das Kreuz der Nachfolge Christi. Beim Pontifikalamt wertete der Bischof die Soutane als stille Predigt, als Glaubensakt, als Glaubensbekenntnis und Lossagung von der Welt. So sei das Kleid des Klerikers ein Kennzeichen für die Welt, dass ein Mensch sich ganz Gott geweiht hat. Ehrfurcht und Achtung werde den künftigen Priestern, welche die Soutane tragen, entgegengebracht.

Sechs junge Männer erhielten die Tonsur, in der der Bischof Haarbüschel in Kreuzesform herausschneidet. Die Kandidaten verzichten auf diese Welt und treten als Kleriker, das heißt von der Welt Abgeschiedene, in den besonderen Dienst Gottes und der Kirche ein.

Im jeweils anschließenden festlichen Mittagessen mit Musikeinlagen brach die Freude der Familien der Weihekandidaten und der zahlreichen Gäste aus nah und fern durch. Die Kirche lebt in ihrer alterwürdigen Tradition weiter: Junge Männer steigen Schritt für Schritt die Stufen zum Altar Gottes hinauf. Das immerwährende Opfer unserer Altäre wird nicht erlöschen. Der Charakter des Seminars als Hafen der Freude, des Friedens und des inneren Glücks, als eine Oase inmitten einer verwirrten und sturmbewegten Welt wurde jedermann sichtbar.

Zaitzkofen, 4. Dez 2013

Evangelii Gaudium – Dolor fidelium

[Die Freude des Evangeliums – das Leid der Gläubigen]

 

Der Heilige Vater, Papst Franziskus, hat zum Abschluss des Jahres des Glaubens sein Apostolisches Schreiben Evangelii Gaudium über die Verkündigung des Evangeliums in der Welt von heute veröffentlicht. Dessen Länge von 289 Punkten fordert dem Leser und Theologen große Anstrengung ab, wenn er es einigermaßen gründlich studieren will. Auch hier wäre weniger mehr gewesen. Wir wollen im Folgenden eine erste und damit sicher unvollständige Übersicht bieten.

I.

1.       Anlass des Schreibens ist ein Rückgreifen auf die Bischofssynode des vergangenen Jahres in Rom, die sich dort vom 7. – 28. Oktober dem Thema der Neuevangelisierung gewidmet hat. „Ich habe die Einladung der Synodenväter, dieses Schreiben zu verfassen, gerne angenommen.“ (Nr. 16) Gleichzeitig wurde das Schreiben vorgestellt als eine Art Regierungsprogramm des neuen Pontifex. Dieses doppelte Ziel bringt es bei der großen Redseligkeit des Papstes mit sich, dass das Schreiben keine klare Struktur aufweist; es fehlt an Präzision, Prägnanz und Klarheit. Beispielsweise ist ein großer Abschnitt der wirtschaftlichen Lage in der heutigen Welt gewidmet; etwas weiter ist die Rede von der Bedeutung der Predigt, wobei es sogar um Einzelheiten bei deren Vorbereitung geht. An mehreren Stellen wird die Dezentralisierung der Kirche thematisiert; aber auch der ökumenische und interreligiöse Dialog kommt ausgiebig zur Sprache. Das Dokument ist nicht von Widersprüchen frei: Einmal betont es, es gehe nicht um eine Sozial-Enzyklika; dann aber wird in einem Rahmen über die wirtschaftlichen Verhältnisse von heute gesprochen, der einer Sozial-Enzyklika früherer Päpste entspricht.
2.        Der Papst spricht von der Kirche, als habe diese bis heute das Evangelium nicht oder nur ganz unvollkommen weitergegeben. Er klagt über eine bequeme, träge, abgeschottete Haltung. Dieser beständige Tadel berührt unangenehm. Man hat den Eindruck, bisher sei in der Kirche nur sehr wenig geleistet worden, wenn es um die Weitergabe des Glaubens und des Evangeliums geht. Diese Sprache geht Hand in Hand mit einer ständigen Bezugnahme auf die eigene Person: Das Personalpronomen ich kommt nicht weniger als 184 Mal vor, nicht gezählt das mein, mich und mir. Es kommt einem das Gotteswort aus der Apokalypse in den Sinn: Ecce nova facio omnia. - Seht, ich mache alles neu (Off 21, 5).

3.      Ohne jeden Zweifel enthält das Schreiben eine ganze Reihe positiver Gesichtspunkte und Erwägungen, die nicht verschwiegen werden dürfen. Führen wir eine Anzahl von ihnen an, genau in der Folge, wie sie der Text uns bietet: So wird in Nr. 7 gesagt, es sei „der technologischen Gesellschaft gelungen, die Vergnügungsangebote zu vervielfachen“, doch falle es ihr sehr schwer, „Freude zu erzeugen“. Wie wahr diese Feststellung ist! In Nr. 22 wird gesagt, das Wort Gottes trage „in sich Anlagen, die wir nicht voraussehen können. Das Evangelium spricht von einem Samen, der, wenn er einmal ausgesät ist, von sich aus wächst, auch wenn der Bauer schläft“. Tatsächlich geht ja das Wirken der Gnade Gottes über jede menschliche Berechnung hinaus. In Nr. 25 wird festgestellt, jetzt diene „uns nicht eine reine Verwaltungsarbeit“. Wenn sich doch Bischöfe und Priester dieses Wort zu Herzen nähmen und endlich den Kommissionen, Gremien, Formularen, dem ganzen ungeheuren Bürokratismus den Rücken kehrten, um zu wahren Theologen und Hirten zu werden! Einen überaus schönen Abschnitt schenkt uns die Nr. 37 mit einem langen Zitat aus der Theologischen Summe des hl. Thomas von Aquin. Wir können nicht umhin, den Abschnitt in seiner Gänze zu zitieren:
Der heilige Thomas von Aquin lehrte, dass es auch in der moralischen Botschaft der Kirche eine Hierarchie gibt, in den Tugenden und in den Taten, die aus ihnen hervorgehen. (Vgl. Summa Theologiae I-II, q. 66, a. 4-6)  Hier ist das, worauf es ankommt, vor allem »den Glauben zu haben, der in der Liebe wirksam ist« (Gal 5,6). Die Werke der Nächstenliebe sind der vollkom­menste äußere Ausdruck der inneren Gnade des Geistes: »Das Hauptelement des neuen Gesetzes ist die Gnade des Heiligen Geistes, die deutlich wird durch den Glauben, der durch die Liebe handelt.« (Summa Theologiae I-II, q. 108, a. 1.) Darum behauptet der heilige Thomas, dass in Bezug auf das äußere Handeln die Barm­herzigkeit die größte aller Tugenden ist: »An sich ist die Barmherzigkeit die größte der Tugenden. Denn es gehört zum Erbarmen, dass es sich auf die anderen ergießt und – was mehr ist – der Schwäche der anderen aufhilft; und das gerade ist Sache des Höherstehenden. Deshalb wird das Erbarmen gerade Gott als Wesensmerkmal zuer­kannt; und es heißt, dass darin am meisten seine Allmacht offenbar wird.« (Summa Theologiae II-II, q. 30, a. 4. Vgl. ebd., q. 30, a. 4, ad 1)

In Nr. 42 wird uns gesagt, dass die Verkündigung des Evangeliums vor allem die Herzen erreichen muss; „darum ist daran zu erinnern, dass jede Unterweisung in der Lehre in einer Haltung der Evangelisierung geschehen muss, die durch die Nähe, die Liebe und das Zeugnis die Zustimmung des Herzens weckt“.

Die Nummern 52 – 76 behandeln wirtschaftliche Gesichtspunkte, die manches sehr Zutreffendes herausstellen. Der grenzenlose Kapitalismus wird an den Pranger gestellt, der eine materialistische, konsumorientierte und individualistische Gesellschaft hervorbringt (Nr. 63). „Der postmoderne und globalisierte Individualismus begünstigt einen Lebensstil, der die Entwicklung und die Stabilität der Bindungen zwischen den Menschen schwächt und die Natur der Familienbande zerstört.“ (Nr. 67) Der Papst folgert dann in Nr. 69, es sei dringend notwendig, die Kulturen zu evangelisieren und das Evangelium zu inkulturieren. Es ist wohl gemeint, es tief in der Gesellschaft und im Leben der Völker zu verwurzeln – jedenfalls kann man es so mit einer gewissen interpretatio benevolentiae verstehen, obwohl der Begriff „Inkulturation“ meist durch modernistisches Gedankengut befrachtet ist. Aber warum spricht er hier nicht vom katholischen Staat und von der christlichen Gesellschaft, wie seine Vorgänger vor dem II. Vatikanischen Konzil sie immer als Frucht des katholischen Glaubens und als Schutz und Verteidigung desselben gesehen haben? Vielleicht hätte man erwarten dürfen, dass bei den berechtigten Klagen über die heutige Wirtschaft ein positiver Hinweis auf Quadragesimo Anno von Papst Pius XI. gegeben wird, um zu gerechten Wirtschaftlichen Verhältnissen zu kommen.

In Nr. 66 wird zwar die Familie erwähnt; aber es wird nicht die Ehe herausgestellt als unauflösliche Gemeinschaft zwischen einem Mann und einer Frau, wie dies der aktuelle Anlass der eingetragenen Partnerschaften und die jetzt angestrebte Kommunion für „wiederverheiratete“ Geschiedene fordern würde. Auch hätte man erwarten dürfen, dass der christlichen Familie in dem päpstlichen Schreiben ein weit breiterer Platz eingeräumt wird; ist doch sie es, in der die erste Weitergabe des Evangeliums von Generation zu Generation sich vollzieht. 

Auch in den Nummern 78 und 79 findet man eine sehr treffende Beschreibung des geistlichen Lebens in der nachkonziliaren Zeit: „Heute kann man bei vielen in der Seelsorge Tätigen, einschließlich der gottgeweihten Personen, eine übertriebene Sorge um die persönlichen Räume der Selbstständigkeit und der Entspannung feststellen, die dazu führt, die eigenen Aufgaben wie ein bloßes Anhängsel des Lebens zu erleben, als gehörten sie nicht zur eigenen Identität. (…) Die Medienkultur und manche intellektuelle Kreise vermitteln gelegentlich ein ausgeprägtes Misstrauen gegenüber der Botschaft der Kirche und eine gewisse Ernüchterung. Daraufhin entwickeln viele in der Seelsorge Tätige, obwohl sie beten, eine Art Minderwertigkeitskomplex, der sie dazu führt, ihre christliche Identität und ihre Überzeugungen zu relativieren oder zu verbergen.“ Wie sehr müssten doch alle Diener der Kirche die Waffen des Geistes ergreifen und an die Wirksamkeit und Fruchtbarkeit jener Mittel, die Christus in seine Kirche hineingelegt hat, glauben: an das Gebet, an die unverkürzte Verkündigung des Glaubens, an die Spendung der Sakramente, an die Feier des hl. Messopfers, an die Anbetung des Allerheiligsten Sakramentes! Stattdessen geben sie sich, so sagt die Nr. 85, dem „Gefühl der Niederlage“ hin, „das uns in unzufriedene und ernüchterte Pessimisten mit düsterem Gesicht verwandelt. Niemand kann einen Kampf aufnehmen, wenn er im Voraus nicht voll auf den Sieg vertraut. Wer ohne Zuversicht beginnt, hat von vorneherein die Schlacht zur Hälfte verloren und vergräbt die eigenen Talente. Auch wenn man sich schmerzlich der eigenen Schwäche bewusst ist, muss man vorangehen, ohne sich geschlagen zu geben, und an das denken, was der Herr dem hl. Paulus sagte: „Meine Gnade genügt dir, denn sie erweist ihre Kraft in der Schwachheit.“ (2 Kor 12, 9) Der christliche Sieg ist immer im Kreuz, doch ein Kreuz, das zugleich ein Siegesbanner ist, das man mit einer kämpferischen Sanftmut gegen die Angriffe des Bösen trägt.“ Von besonderer Bedeutung ist sodann die in Nr. 104 getroffene Feststellung, das Priestertum sei als Zeichen Christi, des Bräutigams, nur den Männern vorbehalten. Es „ist eine Frage, die nicht zur Diskussion steht“. In Nr. 112 wird die Ungeschuldetheit der Gnade und des Erlösungswerkes schön herausgestellt: „Das Heil, das Gott uns anbietet, ist ein Werk seiner Barmherzigkeit. Es gibt kein menschliches Tun, so gut es auch sein mag, das uns ein so großes Geschenk verdienen ließe. Aus reiner Gnade sieht Gott uns an, um uns mit sich zu vereinen.“ Im nächsten Punkt wird ganz richtig darauf verwiesen, wie das Heil keine rein individuelle Angelegenheit ist: „Niemand erlangt das Heil allein, d. h. weder als isoliertes Individuum, noch aus eigener Kraft.“ Der Mensch rettet sich eben in der Kirche und durch die Kirche, oder er rettet sich nicht. In der Nr. 134 hören wir von der Bedeutung von Universitäten und katholischen Schulen für die Verkündigung des Evangeliums. Wie schade, dass diesem grundlegenden Werk nicht ein weit größerer Platz eingeräumt wird.

Auch der Tötung der ungeborenen Kinder im Mutterschoß wird in Nr. 214 eine klare Absage erteilt. Leider beruft sich der Papst dabei nicht auf das zunächst Gott angetane Unrecht, also auf die Naturordnung und sein Gebot, sondern allein auf den Wert der menschlichen Person.

In Nr. 235 werden die gesunden Grundsätze gegen den Individualismus angeführt: „Das Ganze ist mehr als der Teil, und es ist auch mehr, als ihre einfache Summe.“ Der ganze Absatz ist überschrieben „Das Ganze ist dem Teil übergeordnet.“ Vielleicht hätte hier eine Entwicklung des Begriffs des bonum commune viel Gutes bewirken können; leider fehlt sie. Überaus schön wird in der Nr. 267 die letztgültige Motivation des missionarischen Denkens und apostolischen Handelns herausgestellt: „Mit Jesus vereint, suchen wir, was er sucht, lieben wir, was er liebt. Letztlich suchen wir die Ehre des Vaters und leben und handeln zum „Lob seiner herrlichen Gnade“ (Eph 1, 6). Wenn wir uns rückhaltlos und beständig hingeben wollen, müssen wir über jede andere Motivation hinausgehen. Es ist das endgültige, tiefste, größte Motiv, der letzte Grund und Sinn von allem anderen: Es geht um die Herrschaft des Vaters, die Jesus während seines ganzen Lebens suchte.“

II.

Bonum ex integra causa, malum ex quocumque defectu, sagt das klassische Sprichwort: Das Gute fließt aus der Fülle; ist dagegen ein wesentlicher Teil einer Sache schlecht, so ist das Ganze schlecht. Die guten und erfreulichen Gesichtspunkte im päpstlichen Schreiben können nicht hinwegtäuschen über den festen Willen, das Zweite Vatikanum nicht nur dem Buchstaben, sondern dem (Un-)Geist nach zu verwirklichen. Die Trilogie Religionsfreiheit - Kollegialität - Ökumenismus, die nach Erzbischof Lefebvre den Schlagworten der französischen Revolution Freiheit - Gleichheit - Brüderlichkeit entspricht, ist programmatisch entfaltet. 

1.        Zunächst einmal werden u. a. die der Tradition verbundenen Gläubigen in Nr. 94 und 95 schwer getadelt und sogar eines Neu-Pelagianismus angeklagt: „Es ist eine vermeintliche doktrinelle und disziplinarische Sicherheit, die Anlass gibt zu einem narzisstischen und autoritären Elitebewusstsein, wo man, anstatt die anderen zu evangelisieren, sie analysiert und bewertet und, anstatt den Zugang zur Gnade zu erleichtern, die Energien im Kontrollieren verbraucht.“(...) Es „existiert weder für Jesus Christus, noch für die Menschen ein wirkliches Interesse.“ (...)Bei einigen ist eine ostentative Pflege der Liturgie, der Lehre und des Ansehens der Kirche festzustellen, doch ohne dass ihnen die wirkliche Einsenkung des Evangeliums in das Gottesvolk und die konkreten Erfordernisse der Geschichte Sorgen bereiten.“ Woher weiß der Papst dies? Und beweist nicht gerade die Dynamik der im katholischen Glauben fest verwurzelten Christen das Gegenteil? Um von unserer eigenen Bruderschaft zu schweigen: Waren nicht die Franziskaner von der Immakulata eine blühende junge und missionarische Ordensgemeinschaft, die jetzt durch den brutalen Eingriff des Vatikans schwer beschädigt, wenn nicht gar zerstört worden ist? Das Schreiben folgert weiter: „Auf diese Weise verwandelt sich das Leben der Kirche in ein Museumsstück oder in ein Eigentum einiger weniger.“

Die katholischen Schulen als überaus wichtiges Werkzeug einer Rechristianisierung werden nur in einem einzigen Satz erwähnt, wie oben schon bemerkt. Gerade diese Brennpunkte sind uns überaus wichtig für die Weitergabe des Evangeliums. Auch ist es unsere Freude, jährlich im Rahmen unseres Werkes neue katholische Schule ihre Pforten öffnen zu sehen.

2.         Das Rundschreiben krankt an einer gewissen Realitätsfremdheit und gibt sich der Illusion hin, die Wahrheit werde aus sich selbst heraus den Irrtum überwinden. Dazu dient in Nr. 225 das Gleichnis vom Unkraut und vom Weizen: „Es zeigt sich, wie der Feind den Raum des Gottesreiches besetzen kann und Schaden mit dem Unkraut anrichtet. Er wird aber durch die Güte des Weizens besiegt, was mit der Zeit offenbar wird.“ Diese Interpretation ist mindestens eine Verdrehung des Evangeliums und gewiss eine Fälschung des Sinns des Gleichnisses. Die Realitätsfremdheit zeigt sich auch in der Nr. 44, wo die Priester ermahnt werden, den Beichtstuhl nicht zu einer Folterkammer zu machen. Wo ist denn dies heute noch der Fall, wenn es im Laufe der Geschichte der Kirche solche Auswüchse hier und dort tatsächlich gegeben haben mag? Wäre es nicht besser gewesen, ein ganzes Kapitel anzufügen über die Beichte als Befreiung von Sünde und Schuld, über die Versöhnung mit Gott als hervorragenden Gesichtspunkt der Neuevangelisierung und der inneren Erneuerung der Seelen? Diese Blauäugigkeit, die mehr ein Leugnen der Erbsünde oder zumindest ihrer Auswirkungen in den Seelen und in der Gesellschaft ist, offenbart sich auch in der Nr. 84, wo die illusorische Eröffnungsrede des II. Vatikanischen Konzils durch Papst Johannes XXIII. angeführt wird: „Doch wir können diesen Unglückspropheten nicht zustimmen, wenn sie nur unheilvolle Ereignisse vorhersagen, so, als ob das Ende der Welt bevorstände... Sie sehen in den modernen Zeiten nur Unrecht und Niedergang.“ Leider hat die nachkonziliare Zeit den „Unglückspropheten“ mehr als recht gegeben. 

3.      Erschütternd rührt die Feststellung in Nr. 129 an, man dürfe nicht meinen, „die Verkündigung des Evangeliums müsse immer mit bestimmten festen Formeln oder mit genauen Worten übermittelt werden, die einen absolut unveränderlichen Inhalt ausdrücken.“ Sie erinnert in fataler Weise an die Evolution des Dogmas, wie sie die Modernisten vertreten, und wie der hl. Pius X. sie im Antimodernisteneid ausdrücklich verurteilt hat. Diese evolutionistische Haltung kommt auch in Bezug auf die Kirche und ihre Strukturen zum Ausdruck. Der erste Teil von Nr. 19 an ist überschrieben „Die missionarische Umgestaltung der Kirche“ und in Nr. 26 wird das II. Vatikanische Konzil als Kronzeuge angeführt für die Öffnung auf eine ständige Reform hin, für eine dauernde Reform, weil auch „kirchliche Strukturen die Dynamik der Evangelisierung beeinträchtigen können“.

4.       In Nr. 255 lesen wir von der Religionsfreiheit als einem fundamentalen Menschenrecht. Der Papst zitiert hier seinen Vorgänger auf dem Stuhl Petri, Benedikt XVI., mit den Worten „Sie (die Religionsfreiheit) schließt die Freiheit ein, die Religion zu wählen, die man für die wahre hält und den eigenen Glauben öffentlich zu bekennen.“ Diese Aussage ist direkt dem 15. Satz aus dem Syllabus Pius IX. entgegengesetzt, wo die Aussage verurteilt ist, es sei jedem Menschen freigestellt „jede Religion anzunehmen und zu bekennen, die er im Lichte der Vernunft als die wahre erachtet“. Der zweite Teil widerspricht der Lehre der Päpste von der Französischen Revolution an bis zu Pius XII. einschließlich. Der Papst spricht dann von einem gesunden Pluralismus. Ist ein solcher zu vereinbaren mit der Einsicht, dass die zweite Person des einen wahren, dreifaltigen Gottes in diese Welt gekommen ist, um sie zu erlösen; dass Er die Quelle aller Gnaden ist, und in Ihm allein Heil ist? Das Schreiben verurteilt den Proselytismus. Dieser Begriff ist in der heutigen Zeit sehr zweideutig geworden. Versteht man darunter die Werbung für die wahre Religion mit unlauteren Mitteln, so ist er natürlich zu verwerfen; aber bei den meisten unserer modernen Zeitgenossen wird wohl jede missionarische Tätigkeit, jedes Werben und Argumentieren zugunsten der wahren Religion schon als Proselytismus angesehen. 

5.       Weit verhängnisvoller wird sich für die Zukunft des Lebens der Kirche die vom Papst betriebene Weiterentwicklung der Kollegialität auswirken. Man müsste dazu eigentlich die gesamte Nr. 32 lesen: „Da ich berufen bin, selbst zu leben, was ich von den anderen verlange, muss ich auch an eine Neuausrichtung des Papsttums denken.“ Er zitiert dann Johannes Paul II. in der Enzyklika Ut unum sint, wo dieser um Hilfe bittet, „'um eine Form der Primatsausübung zu finden, die zwar keineswegs auf das Wesentliche ihrer Sendung verzichtet, sich aber einer neuen Situation öffnet.' In diesem Sinn sind wir wenig vorangekommen.“ Der Papst will also hier entschieden weiter gehen. Welche Vision verfolgt er? Er sagt sehr deutlich: „Aber dieser Wunsch [die Kollegialität zu konkreter Verwirklichung zu führen] hat sich nicht völlig verwirklicht, denn es ist noch nicht deutlich genug eine Satzung der Bischofskonferenzen formuliert worden, die sie als Subjekt mit konkreten Kompetenzbereichen versteht, auch einschließlich einer gewissen authentischen Lehrautorität.“ Unserer bescheidenen Meinung nach kann eine Bischofskonferenz niemals Subjekt authentischer Lehrautorität sein, weil sie keine göttliche Einrichtung ist, sondern eine rein menschliche, im Organisatorischem verhaftet. Das Papsttum ist göttliche Einrichtung und so auch der einzelne Bischof und mithin auch die über den Erdkreis hin verstreuten Bischöfe, die mit und unter Petrus Subjekte des ordentlichen Lehramts sind, aber eben nicht die Bischofskonferenz. Wird dieser verhängnisvolle Weg weiter beschritten, so wird sich die Kirche rasch in Nationalkirchen auflösen. In Nr. 16 heißt es: „Ich glaube auch nicht, dass man vom päpstlichen Lehramt eine endgültige und vollständige Aussage zu allen Fragen erwarten muss, welche die Kirche und die Welt betreffen.“ Natürlich kann die Kirche nicht zu allen Einzelfragen Stellung nehmen; aber die Päpste der Vergangenheit haben immer die Prinzipien für ein dem Glauben entsprechendes Handeln und Verhalten des Einzelnen wie auch der Gesellschaft angegeben, und das ist es, was wir auch heute vom päpstlichen Lehramt erwarten dürfen und müssen. Christus hat Petrus dazu eingesetzt, die Herde zu weiden (Joh 21, 15 – 17).

6.       Kommen wir schließlich zum Ökumenismus, zum ökumenischen Dialog und zum interreligiösen Dialog.

In Nr. 246 ist vom Prinzip der Hierarchie der Wahrheiten die Rede. Dieser überaus zweideutige Begriff ist bereits im Ökumenismusdekret Unitatis Redintegratio Nr. 11 des II. Vatikanums verwendet worden. In der Folge wollte man alles von der katholischen Wahrheit beiseite setzen und unterschlagen, was den getrennten Brüdern ein Stein des Anstoßes wäre. Daraufhin griff die Glaubenskongregation im Jahre 1982 ein und erklärte, Hierarchie der Wahrheiten bedeute nicht, dass eine Wahrheit weniger wichtig sei als die andere, sondern dass es Wahrheiten gäbe, aus denen andere Teilwahrheiten fließen. Für diese Klarstellung konnte man nur dankbar sein. Der katholische Glaube als göttliche Tugend verlangt nämlich die Annahme der gesamten Offenbarung aufgrund der Autorität des sich offenbarenden Gottes. Diese Klarstellung könnte darüber hinaus ein Beispiel sein, wie die Zweideutigkeiten des II. Vatikanums in der Zukunft zu klären sind, abgesehen von jenen Punkten, die in den Texten eindeutig falsch sind. Am Ende dieser nämlichen Nr. 246 werden wir Katholiken eingeladen, bei den Orthodoxen über die Bedeutung der bischöflichen Kollegialität und über die Erfahrung der Synodalität zu lernen.

In Nr. 247 lesen wir, der Bund des jüdischen Volkes mit Gott sei niemals aufgehoben worden. Aber war dieser Bund nicht von Gott eingerichtet worden zur Vorbereitung seiner erlösenden Menschwerdung in Christus Jesus? War er nicht Schatten und Vorbild, die der Wirklichkeit weichen mussten, umbram fugat veritas? Ist nicht der neue und ewige Bund im Opfertod Christi auf Kalvaria geschlossen worden, der den alten ersetzt? Ist nicht der Vorhang im Tempel beim Golgothageschehen von oben bis unten zerrissen? Wenn nach der Aussage des hl. Paulus im 11. Kapitel des Römerbriefes am Ende der Zeiten ein großer Teil oder gar die Gesamtheit der Juden sich bekehrt, dann nur dadurch, dass sie Christus als den einzigen Erlöser aller Menschen, jedes einzelnen Menschen, anerkennen, und in seine Kirche, die sich aus bekehrten Heiden und Juden zusammensetzt, eingegliedert werden. Es gibt keinen Sonderheilsweg für die Juden außerhalb von Jesus Christus. Außerdem hat die Kirche längst die Werte des alttestamentlichen Judentums aufgenommen; denken wir insbesondere an das Psalmengebet und an die Bücher des Alten Testamentes. Von einer reichen Komplementarität bezüglich des Judentums unserer Tage kann dagegen gar keine Rede sein (siehe Nr. 249).

Die Nummern 250 – 253 sind dem Islam gewidmet, wo es heißt, dieser interreligiöse Dialog sei „eine notwendige Bedingung für den Frieden in der Welt“. In Nr. 252 wird in der Nachfolge von Lumen Gentium Nr. 16 des II. Vatikanums behauptet, dass die Moslems „sich zum Glauben Abrahams bekennen, und mit uns den einen Gott anbeten (nobiscum adorant unicum Deum).“ Verwerfen aber die Moslems nicht ausdrücklich das Geheimnis der allerheiligsten Dreifaltigkeit und werfen uns wegen diesem Dogma Vielgötterei vor? Sie verehren auch Jesus und Maria, sagt der Papst mit den Worten von Nostra Aetate Nr. 3. Aber beten sie Christus auch an als den wesensgleichen Sohn Gottes? Dies scheint fast eine Nebensächlichkeit zu sein.

Im folgenden Punkt kommt der Papst zu konkreten Folgerungen: „die Christen müssten die islamischen Einwanderer, die in unsere Länder kommen, mit Zuneigung und Achtung aufnehmen“; auch heißt es völlig illusorisch „so wie wir hoffen und bitten, in den Ländern islamischer Tradition aufgenommen und geachtet zu werden“. Diese Nummer schließt mit der Ärgernis erregenden Falschaussage „Angesichts der Zwischenfälle eines gewalttätigen Fundamentalismus muss die Zuneigung zu den authentischen Anhängern des Islam uns dazu führen, gehässige Verallgemeinerungen zu vermeiden, denn der wahre Islam und eine angemessene Interpretation des Korans stehen jeder Gewalt entgegen.“ Hat der Heilige Vater jemals den Koran gelesen?

In Nr. 254 wird von den Nichtchristen im Allgemeinen gesprochen, dass ihre Zeichen und Riten „Kanäle sein können, die der Geist selber schafft, um die Nichtchristen vom atheistischen Immanentismus und von rein individuellen religiösen Erfahrungen zu befreien.“ Heißt dies nicht, dass der Heilige Geist durch alle nicht-christlichen Religionen wirkt, dass sie also mithin Heilswege sind? Natürlich ist der Glaube an einen Gott des Islam – abstrakt gesprochen – höherstehend als die Vielgötterei des Heidentums; aber pädagogisch und psychologisch ist es sehr viel einfacher, einen Heiden zu bekehren als einen Moslem, da dieser in ein ganzes religiös-soziales System integriert ist, dessen Verlassen für ihn lebensbedrohlich ist. Die nicht-christlichen Religionen sind eben keineswegs neutrale Wege der Gottesverehrung, sondern allzu oft mit dämonischen Elementen durchsetzt, die es dem Menschen verwehren, zur Gnade Christi durchzubrechen, sich taufen zu lassen und so seine Seele zu retten. Nichts hat dem Schutz und der Weitergabe des Glaubens in den letzten 50 Jahren so sehr geschadet, wie der ausufernde Ökumenismus, der nichts anderes ist als religiöse „Diktatur des Relativismus“ (Kardinal Ratzinger). Dieses Übel hat das Selbstverständnis der Kirche als mystischer Leib Christi, als einzige Braut des geschlachteten Lammes, als einziger Weg zum Heil weitgehend zum Erlöschen gebracht; genau dieser Ökumenismus, der die missionarische Kirche in eine dialogisierende ökumenische Gemeinschaft unter anderen religiösen Gemeinschaften umgewandelt hat. Im Rahmen dieses Ökumenismus die Kirche zur Freude am Evangelium aufzurufen und sie in eine missionarische verwandeln zu wollen, entbehrt nicht der Tragik – Komik: Wie soll sie missionarisch denken und tätig sein, wenn sie nicht an ihre eigene Identität und Sendung glaubt?

Schluss


Das päpstliche Schreiben Evangelii Gaudium mag wie Saatkörner verstreut richtige Gesichtspunkte enthalten. Im Ganzen aber ist es nichts anderes als die Fortentwicklung des Zweiten Vatikanischen Konzils in dessen unannehmbarsten Aussagen. Wir sehen in ihm nicht „Wege für den Lauf der Kirche in den kommenden Jahren“ (Nr. 1), sondern einen weiteren verhängnisvollen Schritt für den Niedergang der Kirche, den Zerfall ihrer Lehre, die Zersetzung ihrer Strukturen und selbst das Erlöschen ihres missionarischen Geistes, der immer wieder beschworen wird. So wird Evangelii Gaudium zum Dolor Fidelium, zum Leid und Schmerz der Gläubigen.

Die mit der Tradition der Kirche verbundenen Katholiken tun gut daran, sich an die Devise und an das Regierungsprogramm des hl. Pius X. zu halten: Instaurare omnia in Christo - alles in Christus erneuern. Dies sehen wir als den einzigen möglichen Weg „für den Lauf der Kirche in den kommenden Jahren“ an. Und nehmen wir im täglichen Rosenkranzgebet unsere Zuflucht zu derjenigen, die alle Häresien in der ganzen Welt überwunden hat.

Priesterseminar Herz Jesu
Zaitzkofen, 4. Dezember 2013, Fest des hl. Petrus Chrysologus

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Evangelii Gaudium(PDF)


Fatimaandacht mit Lichterprozession

Zaitzkofen, 13. Okt 2013

Am Sonntag, dem 13. Okt kamen Gläubige aus nah und fern, um an der jährlichen Fatimaandacht, mit Weihe des Seminars an das Unbefleckte Herz Mariens, teilzunehmen.

In seiner Predigt ging Pater Regens besonders auf die Marienerscheinungen in Fatima, im Jahr 1917, ein und welche Bedeutung sie für die Welt in der gegenwärtigen Zeit haben.

Die anschließende Lichterprozession, mit Rosenkranzgebet und Gesängen, führte durch den Ort Zaitzkofen, bis zur Fatimakapelle im Schlosspark. Hier erfolgte die feierliche Erneuerung der Weihe des Seminars an das Unbefleckte Herz Mariens. Den Abschluss der Andacht bildete die darauf folgende Sakramentsandacht in der Immakulata-Kapelle.