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Seelsorge / Predigten |
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Predigt von Pater Tobias Amselgruber vom 7. Sonntag n. Pfingsten, den
15. Juli
2007 in Zaitzkofen. |
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Anlässlich der Veröffentlichung des päpstlichen Dokumentes
"Summorum pontificum" |
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Im Alten Testament, im zweiten Königsbuch wird uns vom Propheten Elisäus berichtet. Elisäus war ein Schüler des Propheten Elias. Gott hat durch ihn viele Wunder gewirkt, sogar einen Toten hat Elisäus wieder auferweckt. Gegen Ende seines Lebens wurde er allerdings schwer krank. Und aus dieser letzten Zeit des Elisäus ist uns eine Begebenheit überliefert – „eine merkwürdige Begebenheit“, werden Sie sagen: Elisäus war auf den Tod erkrankt. Da kam Joas, der König von Israel, zu ihm, weinte vor ihm und rief aus: „Mein Vater, mein Vater, Israels Wagen und sein Lenker.“ Elisäus sprach zu ihm: „Nimm einen Bogen und Pfeile.“ Er holte sich Bogen und Pfeile. Darauf befahl Elisäus dem König von Israel: „Fahre mit Deiner Hand über den Bogen.“ Er fuhr mit der Hand darüber und Elisäus legte seine Hände auf des Königs Hände. Dann gebot er: „Öffne das Fenster gegen Osten.“ Er öffnete es und Elisäus sprach: „Schieße.“ Während der König abschoß, rief Elisäus: „Ein Pfeil des Sieges gegen Aram! Du wirst Aram bei Aphek vernichtend schlagen.“ Aram war ein Nachbarvolk von Israel, im Osten, ein Volk, das ständig mit Israel im Krieg lag. Der Prophet hat also durch den Pfeilschuß dem König Joas einen Sieg über seine aramäischen Feinde vorausgesagt. Dann heißt es: Elisäus redete weiter: „Nimm die Pfeile!“ Als der König von Israel sie genommen hatte, befahl ihm Elisäus: „Schlage auf den Boden.“ Er schlug dreimal und hielt dann inne. Da wurde der Gottesmann über ihn unwillig und sprach: „Fünf oder sechsmal hättest Du schlagen sollen, dann hättest Du Aram bis zur Vernichtung geschlagen. Jetzt aber wirst Du es nur dreimal schlagen.“ Das ist die Geschichte. |
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Am merkwürdigsten ist der Schluß. Der Prophet ist unwillig über den König und macht ihm einen Vorwurf. Welchen Vorwurf? Daß er einfach aufgehört hat, mit den Pfeilen auf den Boden zu schlagen, daß er nicht ganze Sache gemacht hat, sondern auf halbem Weg stehengeblieben war. Ja, aber es ging ja nur um eine symbolische Handlung, und der arme König wußte gar nicht, was das Ganze überhaupt soll, vielleicht kam er sich sogar dumm dabei vor, einfach wie ein Wilder mit den Pfeilen auf den Boden zu schlagen. Aber Elisäus war nicht irgendjemand, sondern er war ein Prophet, er wird als Gottesmann bezeichnet, und der König wußte das, und wenn ein Prophet etwas befiehlt, dann hat es einen Grund, dann darf man es nicht auf die leichte Schulter nehmen. Als der König den Pfeil aus dem Fenster schießen sollte, da hat er es getan, hat sich im Gehorsam bewährt, und der Schuß hatte einen symbolischen Sinn, nämlich daß er gegen die Aramäer einen Sieg davontragen würde. Aber das zweitemal hat der König den Erwartungen des Propheten nicht entsprochen, er hat nur halb getan, was er hätte tun sollen, er hat sich verunsichern lassen, er hat gezaudert. Und prompt erfährt er auch, was sein Zaudern zur Folge haben würde, gleichsam eine Strafe, daß er seine Feinde nicht endgültig besiegen würde. |
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Liebe Gläubige, diese Geschichte ist uralt und dennoch hochaktuell. Warum hochaktuell? Weil sie ein Licht auf die Situation wirft, die für uns seit einer Woche entstanden ist. Vor einer Woche ist das Papstschreiben veröffentlicht worden, das die Feier der Messe nach dem überlieferten Ritus wieder erlaubt. Vielleicht fühlt sich seither manch einer von uns versucht zu sagen: „Die Priesterbruderschaft tut gut daran, jetzt das Kriegsbeil wieder einzugraben, zumindest muß sie mit ihren Forderungen zurückstecken. Vermutlich war es bisher schon die richtige Politik, Rom gegenüber unnachgiebig zu sein. Aber man hört Gerüchte, daß der Papst bald auch die Exkommunikation der 4 Bischöfe aufheben will, und wenn die Bruderschaft dann nicht einlenkt und ihrerseits Rom einen Schritt entgegenkommt, dann versteht man gut, wenn die in Rom sich sagen: bei der Bruderschaft ist gar kein aufrichtiger Wille da, zu einer Verständigung zu kommen. Immerhin hat der Papst ja einen Riesenschritt auf die Bruderschaft zugemacht, und das war wirklich ein gewagter und mutiger Schritt, aber wenn das völlig einseitig bleibt, dann verliert Rom die Lust, sich noch weiter mit der Bruderschaft abzugeben, und dann kann man sich fragen, ob die Bruderschaft nicht schuldig wird, wenn sie von Rom getrennt bleibt und wenn der Kirche wichtige Kräfte fehlen für den Wiederaufbau. Natürlich - es ist noch längst nicht alles in Ordnung in der Kirche, aber es bewegt sich was, und das muß man unterstützen, und zwar jetzt, jetzt ist der Zeitpunkt. In der Geschichte gibt es bekanntlich Momente, die sind unwiederbringlich, und es schaut ganz danach aus, als ob so günstige Umstände wie jetzt in absehbarer Zeit nicht mehr eintreten werden, d. h. wenn man die augenblickliche Situation nicht erkennt und wahrnimmt, dann ist zu fürchten, daß die Wege endgültig auseinandergehen. Dann wird die Bruderschaft zur Sekte.“ |
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Die Frage ist: stimmt diese Argumentation? Zunächst müssen wir berücksichtigen, daß der Fahrplan für eine Annäherung zwischen Rom und der Bruderschaft schon seit langem feststeht und reiflich durchdacht ist: Dieser Fahrplan sieht vor, wenn Sie sich erinnern, daß Rom einseitig zwei Vorleistungen erbringt, nämlich die Freigabe der Messe und die Rücknahme des Exkommunikationsdekretes – Wofür sind diese Vorleistungen da? Einfach um einen Klimawechsel herbeizuführen. Die Vorleistungen sollen eine Art Bürgschaft dafür sein, daß wir den römischen Absichten gegenüber Vertrauen haben dürfen. Aber sie sollen keineswegs sofort in eine praktisch-rechtliche Vereinbarung münden, das ist ausdrücklich so vorgesehen und in Rom weiß man das genau: die Vorleistungen sollen eine theologische Auseinandersetzung ermöglichen; und es ist wahr: was im Augenblick notwendig ist, das ist, daß wir Gelegenheit erhalten, in aller Freiheit und Offenheit den Verantwortlichen in Rom zu Bewußtsein zu bringen, wie unvereinbar mit dem überlieferten Glauben und wie gefährlich für das Heil der Seelen und überhaupt für die Existenz der Kirche gewisse lehrmäßige Positionen des vergangenen Konzils sind, Lehren, die zum Erbe der nachkonziliaren Kirche geworden ist. Denn die Wurzel des Übels besteht nicht einfach darin, daß man die Messe aus der Kirche verbannt hat, sondern der neuen Messe entspricht ein neuer Glaube, oder etwas diplomatischer ausgedrückt: eine neue Lehre. Und diese Lehre hat man in neue Formen gegossen, man hat das Angesicht der katholischen Religion (man möchte fast sagen: bis zur Unkenntlichkeit) entstellt. Das Übel geht also von der Lehre aus und solange auf dieser Ebene kein Umdenken in Sicht ist, solange ist es völlig sinnlos und unrealistisch, eine Einigung herbeiführen zu wollen. Denn dann fehlt einer solchen Einigung das Fundament. Es ist interessant zu sehen, wie sehr der Papst bemüht ist, in seinem Motu proprio und im Begleitschreiben an die Bischöfe, die Wiederzulassung der Alten Messe mit dem uneingeschränkten Bekenntnis zum zweiten Vatikanischen Konzil zu verknüpfen. Wer die hl. Messe feiern will, muß sich zu den neuen Lehren bekennen. Mag sein, daß diese Bestimmung nur aus politischen Gründen so betont wird, um die Bischöfe in etwa zu besänftigen, aber das ändert nichts am objektiven Sachverhalt. Wer die Messe will, der muß die Kröte des Konzils schlucken.
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Das Entscheidende für uns ist: was verlangt der liebe Gott von uns? Nicht wer zu mir Herr, Herr sagt, wird eingehen in das Himmelreich, sondern wer den Willen meines Vaters tut, der im Himmel ist. Und was ist Gottes Wille für uns in dieser Situation? Daß wir tun, was der Kirche am meisten zum Nutzen gereicht. Es geht nicht um uns, sondern es geht um die Kirche, und es geht um das Ganze der Kirche. Es geht um die Zukunft der Kirche, denn nach wie vor stehen die Grundsätze auf dem Spiel. Die Kirche wird nur auf einer gesunden Grundlage wieder neu aufgebaut, das heißt auf den Grundsätzen, die Jesus und die Apostel gelegt haben, und die uns der überlieferte Glaube an die Hand gibt. Für uns heißt das, daß unsere Aufgabe darin besteht, diese Grundsätze treu aufzubewahren, sie nicht verborgen zu halten, sondern für sie Zeugnis abzulegen. Warum? Damit die zuständigen Autoritäten sie wieder zur Grundlage des kirchlichen Lebens machen können. Wann die Verantwortlichen soweit sein werden? Gott weiß es. Jedenfalls, solange sie nicht soweit sind, liegt die Lösung nicht in einem faulen Kompromiß, dazu geht es um zu Wesentliches. Wenn die Bruderschaft auch in Zukunft auf ihrem Standpunkt beharren wird, dann in dem Bewußtsein, daß gerade das der beste Dienst ist, den sie der Kirche leisten kann. Um das Übrige brauchen wir uns keine Sorgen zu machen. In Rom mag man unser Verhalten als Affront empfinden, die Öffentlichkeit mag über soviel Verbohrtheit den Kopf schütteln und menschlich-psychologisch ist das verständlich. Aber es ist wie bei Elisäus und König Joas: Wir haben ebenso wenig Grund wie König Joas, plötzlich innezuhalten, die Hände sinken zu lassen, zu sagen, jetzt ist es genug: Wir haben etwas erreicht. Gott hat dem Papst gegeben, einen wichtigen Schritt zu tun, aber dieser Schritt ist noch Stückwerk, und Stückwerk ist zu wenig, wenn es um das Ganze geht. Die Aufgabe, die die göttliche Vorsehung uns zugewiesen hat, verlangt von uns also, daß wir bis ans Ende gehen, daß wir uns nicht mit halben Sachen begnügen. Denn letztlich geht es um die Ehre Gottes, um die Zukunft der Kirche und das Heil der Seelen. Bitten wir also in dieser heiligen Messe für die Oberen der Priester-bruderschaft, Gott möge sie in ihrer Verantwortung auch weiterhin erleuchten, und bitten wir für uns selbst, Gott möge uns vor Illusionen bewahren und die Kraft schenken, treu unter dem Kreuz auszuhalten.
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© 2006 Priesterbruderschaft
St. Pius X. - Priesterseminar Herz Jesu in Zaitzkofen |
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