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Predigt von Mgr. Bernard Tissier de
Mallerais vom Pfingstsonntag, den
4. Juni
2006 in Zaitzkofen. |
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Die göttlichen Sendungen |
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„Als das Pfingstfest gekommen war,
waren alle an einem Ort beisammen. Da entstand
plötzlich vom Himmel her ein Brausen,
gleich dem eines daher fahrenden heftigen
Windes, und erfüllte das ganze Haus,
wo sie waren. Es erschienen ihnen zerteilte
Zungen, wie von Feuer, und als sich je eine
auf jeden von ihnen niederließ, wurden
alle vom Hl. Geist erfüllt und fingen
an, in verschiedenen Sprachen zu reden“
(Apg 2,1-4).
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Das Pfingstereignis stellt uns vor drei
große Fragen: |
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1. Ist die Heiligung und Stärkung
der Apostel das alleinige Werk des Hl. Geistes,
oder nicht besser das gemeinsame Werk der
drei göttlichen Personen?
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2. Durch die Herabkunft des Hl. Geistes
wurden die Apostel nur erfüllt vom
Hl. Geist oder nicht auch vom Vater und
vom Sohn?
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3. Wurde an Pfingsten nur der Hl. Geist
gesandt? Oder nicht auch der himmlische
Vater und der Sohn? Und ist die Sendung
des Hl. Geistes an Pfingsten derselben
Natur wie die Sendung des Sohnes Gottes
bei der heiligen Menschwerdung, oder wie
die Sendung des Hl. Geistes unter der Gestalt
einer Taube bei der Taufe Christi im Jordan?
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I. Alle äußeren Werke Gottes
sind gemeinsame Werke der drei göttlichen
Personen.
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Diese Wahrheit wird von den allgemeinen
Konzilien gelehrt:
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• Das IV. Laterankonzil: „Der
Vater, der Sohn und der Hl. Geist sind der
einzige Ursprung aller Dinge, und die ganze
hl. Dreifaltigkeit hat das Werk der Menschwerdung
gewirkt“ (Dz 429).
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• Das XI. Konzil von Teledo (675):
„Wir glauben, dass die ganze Dreifaltigkeit
die Menschwerdung gewirkt hat, weil die
Werke der Dreifaltigkeit untrennbar sind.
Trotzdem hat der Sohn allein die Gestalt
des Knechtes angenommen, in der Einzigkeit
seiner Person und nicht in der Einheit der
göttlichen Natur; in dem, was dem Sohn
eigen ist und nicht in dem, was der Dreifaltigkeit
gemeinsam ist“ (Dz 284). - Wir bewundern
die Präzision dieser Klarstellung.
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• Schließlich hat das ökumenische
Konzil von Florenz diese Festlegung getroffen:
„In Gott muss alles eins sein, überall,
wo der Gegensatz der Beziehungen nicht besteht“.
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Unter dem Wort „Beziehungen“
versteht man die Beziehungen, die die drei
Personen ausmachen: z.B. Vaterschaft, Sohnschaft,
Spiratio (Hauchung). Die Hl. Schrift hat
auch diese Gemeinschaft des Wirkens der
hl. Dreifaltigkeit gelehrt: Jesus sagt
z.B. zu Philippus: „Glaubst du nicht,
dass ich im Vater bin und der Vater in
mir ist? … Die Werke wirkt der Vater
selbst, der in mir bleibt“ (Joh. 14,10).
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Das ist Glaubenssatz. Und er gilt auch
für den Hl. Geist. Die Heiligung und
die Stärkung der Apostel am Pfingsttage
das gemeinsame Werk der hl. Dreifaltigkeit.
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Die Zueignungen (Appropiationen) |
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Aber die Kirche hat dieses Werk, den
Aussagen der Hl. Schrift folgend, dem Hl.
Geist zugeschrieben, wegen der besonderen
Ähnlichkeit zwischen dem Werk der Heiligung
und der persönlichen Eigenschaft des
Hl. Geistes als Liebe in Gott und Endpunkt
der innerlichen Wirkungen in der Dreifaltigkeit.
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Gleichermaßen wird die Erschaffung
der Welt dem Vater zugeschrieben, wegen
der besonderen Ähnlichkeit dieses Werkes
mit der persönlichen Eigenschaft des
Vaters als Urquell in der Dreifaltigkeit.
Hierzu noch eine Präzisierung: Im Werk
der Erschaffung der Welt wird das Werk der
Schöpfung des Lebens, z.B. in der Luft,
oder im Wasser, oder auf der Erde, dem Hl.
Geist zugeschrieben (z.B. in der Liturgie
von Pfingsten), und dies wegen der besonderen
Ähnlichkeit der Schöpfung des
Lebens mit der Eigenschaft des Hl. Geistes
als endgültige Fruchtbarkeit in der
Dreifaltigkeit.
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Damit haben wir die erste Frage beantwortet,
und auch den zweiten Teil der dritten Frage.
Mit einem Wort: Die Heiligung und Stärkung
der Apostel am Pfingsttage wird dem Hl.
Geist zugeschrieben, aber sie ist das gemeinsame
Werk der drei Personen der hl. Dreifaltigkeit.
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II. Die gemeinsame Einwohnung der drei
Personen der hl. Dreifaltigkeit in der Seele. |
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Dies ist die Frage der gemeinsamen Einwohnung
der drei Personen der hl. Dreifaltigkeit
in der Seele, durch die heiligmachende Gnade
in der gerechten Seele.
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1. Die Niederlassung der drei göttlichen
Personen wird von der Hl. Schrift gelehrt. Jesus sagte: „Wenn jemand mich
liebt, so wird er mein Wort halten, mein
Vater wird ihn lieben, wir werden zu ihm
kommen und Wohnung bei ihm nehmen“
(Joh. 14,24). – Die Einwohnung der
ersten zwei göttlichen Personen wird
also als eine Frucht der göttlichen
Liebe beschrieben; das bedeutet, dass mit
der Gnade und der göttlichen Liebe
auch die göttlichen Personen kommen.
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Der hl. Apostel Paulus spricht auch vom
Hl. Geist: „Die Hoffnung aber trügt
nicht, denn die Liebe Gottes ist ausgegossen
in unsere Herzen durch den Hl. Geist, der
uns gegeben ist“ (Röm. 5,5).
Hier wird die Anwesenheit und die Gabe des
Hl. Geistes als die Ursache der Ausgießung
der göttlichen Liebe beschrieben. Nicht
nur wird die Liebe gegeben, sondern der
Hl. Geist selber. Und derselbe Apostel Paulus
spricht auch von der besonderen Gegenwart
und derselben Einwohnung des Sohnes Gottes
in unseren Herzen: „…dass ihr
durch seinen Geist kraftvoll erstarket dem
inneren Menschen nach. Christus möge
durch den Glauben in euren Herzen wohnen…“
(Eph 3, 17).
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– Hier ist Christus selber gegenwärtig
durch den Glauben und durch die Kraft des
Hl. Geistes. Keine Glaubenswahrheit ist
also besser ausgedrückt als die Einwohnung
der drei göttlichen Personen in der
Seele durch die heiligmachende Gnade.
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2. Aber die Einwohnung wird besonders
dem Hl. Geist zugeschrieben, wegen der besonderen
Ähnlichkeit dieser göttlichen
Person mit der Liebe, die in den Herzen
brennt.
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Der hl. Apostel Paulus erinnert die ersten
Christen an diese Glaubenswahrheit, wenn
er schreibt (1 Co 3,16): „Wisst ihr
nicht, dass ihr ein Tempel Gottes seid,
und der Geist Gottes in euch wohnt? Wer
nun den Tempel Gottes vernichtet, den wird
Gott vernichten, denn der Tempel Gottes
ist heilig, und der seid ihr“. Sehr
schön drückt der hl. Paulus die
Einheit des einwohnenden Gottes in der Seele
und die besondere Zueignung der göttlichen
Einwohnung der Person des Hl. Geistes aus;
und zugleich zieht der Apostel die Folgerungen
des Dogmas im Bereich des christlichen Lebens
daraus.
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Wir erinnern uns auch an die stolze Antwort
der hl. Blutzeugin Luzia, an den Richter
Paschasius: „Die Worte“, sagte
sie, „können denjenigen nicht
fehlen, die in ihrem Inneren den Hl. Geist
haben.“ - „Ist also der Hl.
Geist in dir?“ fragt Paschasius. „Ja“,
antwortet Luzia: „Alle jene, die ein
keusches und frommes Leben führen,
sind ein Tempel des Hl. Geistes“ (Brevier,
13. Dez., 2. Nocturn).
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Man versteht, wie der hl. Thomas von
Aquin den Irrtum derer verurteilt, die behaupten:
Der Hl. Geist sei nicht gegeben, sondern
nur seine Gabe (S.Th., I, q.43, a.3, ad
3).
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Ja, mit der Gnade wird der Hl. Geist
der Seele gegeben, und mit Ihm wird auch
der Sohn Gottes gegeben und ist auch der
Vater zugegen. Damit wohnt die ganze Familie
der Allerheiligsten Dreifaltigkeit in der
Seele.
Das ist die Antwort auf unsere zweite Frage:
Es gibt also eine gemeinsame Einwohnung
der hl. Dreifaltigkeit in der Seele im Stande
der Gnade, aber diese Einwohnung wird besonders
dem Hl. Geist zugeschrieben.
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III. Die Sendung der göttlichen
Personen
Die dritte Frage betrifft die Sendung der
göttlichen Personen. Das Prinzip der
Sendung der göttlichen Personen ist
folgendes:
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Eine göttliche Person wird gesandt,
wenn zwei Bedingungen gegeben sind:
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1. Sie geht aus einer anderen hervor;
z.B. der Sohn geht aus dem Vater hervor,
und der Hl. Geist kommt vom Vater und vom
Sohn.
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2. Diese göttliche Person fängt
an, in einer neuen Weise in einem Geschöpf
zu existieren für dessen Heiligung:
z.B. die Sendung des Wortes Gottes in der
Menschheit Jesu Christi, die voll der Gnade
und Wahrheit wird.
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Die dritte Frage ist also, ob der Hl.
Geist auf dieselbe Weise zu den Aposteln
gesandt wurde, wie er in Gestalt einer Taube
bei der Taufe Christi im Jordan gesandt
wurde, und ob in derselben Weise, wie das
Wort Gottes in der Menschheit Jesu Christi
gesandt wurde bei der heiligen Menschwerdung?
Der hl. Thomas von Aquin sagt, man müsse
unterscheiden zwischen unsichtbarer Sendung
(Sendung in Einheit mit dem Geschöpf)
und sichtbarer Sendung (Sendung ohne Einheit
mit dem Geschöpf):
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1. Die unsichtbare Sendung einer
göttlichen Person
Sie findet bei jeder Eingießung der
heiligmachenden Gnade in einer Seele statt.
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Deswegen werden der Sohn und der Hl.
Geist gesandt, welche hervorgehen, und der
Vater kommt, welcher nicht hervorgeht, weil
der Vater der Ursprung in der Dreifaltigkeit
ist. Sie kommen zusammen – der Vater
kommt, und der Sohn und der Hl. Geist werden
gesandt, und sie haben in der gerechten
Seele eine ganz besondere Gegenwart, welche
verschieden ist von der Gegenwart der Unermesslichkeit
Gottes in all seinen Geschöpfen; z.B.
in der Seele eines Sünders.
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Warum? Weil die Gegenwart der Dreifaltigkeit,
als Einwohnung der göttlichen Personen,
von Seiten dieses Geschöpfes die Kenntnis
des Glaubens, die Gabe der Weisheit und
die göttliche Liebe voraussetzt, die
von denjenigen gefordert wird, die die
vollkommene Freundschaft mit Gott genießen
wollen.
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Das bedeutet für den Vater nur Einwohnung,
und für den Sohn und den Hl. Geist
zugleich Einwohnung und Sendung.
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Deswegen wird die Sendung einer göttlichen
Person nur verwirklicht bei der Eingießung
der heiligmachenden Gnade, und nicht einfach
bei der Eingebung einer rein aktuellen
Gnade.
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Zum Beispiel, und das ist bewundernswert,
die übernatürlichen Charismen
wie die Prophezeiung, oder der göttliche
Beistand des Hl. Geistes welcher den Päpsten
die Unfehlbarkeit garantiert, genügen
nicht, um eine unsichtbare Sendung des
Hl. Geistes zu bewirken.
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Es ist wahr, dass der göttliche
Tröster Wunder wirkt bei der Prophezeiung
oder wenn er den Verstand und den Willen
des inspirierten Schriftstellers bewegt,
oder dass der Hl. Geist in den Verstand
des Papstes eintritt, um ihn daran zu hindern,
ein irrtümliches Urteil in einer Glaubenssache
zu fällen. Aber das ist immer die Gegenwart
Gottes in der Weise einer wirksamen Ursache
(„per modum causae efficentis“),
und nicht die Gegenwart Gottes als Gegenstand
des Verstandes und der Liebe („per
modum causae formalis“).
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Mit dem engelgleichen Lehrer wiederholen
wir diese Aussage: „Nur mit der heiligmachenden
Gnade wird eine göttliche Person gesandt
– Unde secundum solam gratiam gratum
facientem mittitur et procedit temporaliter
persona divina“ (St.Th. I, 9.43,
a.3).
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Wie wichtig und tröstend ist es
daran zu denken, dass jede Eingießung
der heiligmachenden Gnade auch eine Sendung
des Sohnes und des Hl. Geistes ist, und
eine neue Einwohnung der drei göttlichen
Personen.
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Bei jeder Vermehrung der Gnade nimmt
die Dreifaltigkeit neuerlich Besitz von
der Seele, damit diese in eine neue Innigkeit
und Vertraulichkeit eintritt. Wie der hl.
Apostel Johannes in seinem ersten Brief
schreibt: „Wir verkünden euch
das ewige Leben, das beim Vater war und
uns erschienen ist – was wir gesehen
und gehört haben, das tun wir euch
also kund, damit auch ihr Gemeinschaft habet
mit uns und wir so Gemeinschaft haben mit
dem Vater und mit Jesus Christus seinem
Sohne – wir schreiben dies, damit
ihr euch freuet und unsere Freude vollkommen
sei“ (Joh. 1, 2-4).
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Angefangen hienieden beim Empfang der
Sakramente und bei der Vollbringung großherziger
Werke, die in uns die Gnade vermehren, werden
Sendung und Einwohnung der göttlichen
Personen endgültig und ewig bleiben
in der Herrlichkeit, da Gott durch die beseligende
Anschauung und Liebe des Himmels gegenwärtig
sein wird.
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2. Die sichtbare Sendung der göttlichen
Personen ist anders.
In der unsichtbaren Sendung kommt eine Person
nicht ohne die andere: Sohn und Hl. Geist
sind zugleich gesandt und mit ihnen kommt
der Vater, so dass das Einwohnen gemeinsam
ist.
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Aber in der sichtbaren Sendung, kann
eine Person allein gesandt werden oder erscheinen,
wie z.B. bei der Menschwerdung des Wortes,
das allein Besitz von der Menschheit nimmt,
oder wie bei Pfingsten, wo der Hl. Geist
allein sich offenbart unter dem Bild von
Feuerzungen.
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Und der zweite Unterschied: Die unsichtbare
Sendung findet mit der heiligmachenden
Gnade statt, während die sichtbare
Sendung keiner heiligmachenden Gnade bedarf,
sondern verschiedener Zeichen.
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Und mit diesen beiden Grundsätzen
können wir zwei große Arten der
sichtbaren Sendungen unterscheiden:
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• a) die sichtbare substantielle
Sendung
• b) die sichtbare, jedoch rein symbolische
Sendung
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a) Die sichtbare wesentliche Sendung ist jene der Menschwerdung, bei der die
göttliche Person sich mit einer sichtbaren
Substanz vereinigt – durch die Menschheit.
Die Menschheit ist zugleich das Zeichen
der Sendung des Wortes Gottes und eine
neue Art und Weise der Existenz der göttlichen
Person, durch die hypostatische Union, für
die Heiligung der Menschheit Christi und
die Heiligung aller Menschen, die an ihn
glauben werden.
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b) Die sichtbare, aber rein symbolische
Sendung bewirkt keine hypostatische
Vereinigung mit einem Geschöpf. Das
Geschöpf wird nur von Gott gewählt,
um die Sendung anzudeuten.
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Der hl. Thomas von Aquin zählt nur
vier symbolische Sendungen auf, die alle
Sendungen des Hl. Geistes sind, und ohne
hypostatische Vereinigung.
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• Die erste sichtbare Sendung des
Hl. Geistes: Bei der Taufe Jesu Christi
im Jordan erscheint die dritte Person der
hl. Dreifaltigkeit in der Gestalt einer
Taube, um die Überfülle der Gnaden,
die Er schon empfangen hatte, anzudeuten,
weil die Taube ein sehr fruchtbarer Vogel
ist und auch geeignet ist, die Unschuld
des göttlichen Lammes zu bezeichnen.
Der hl. Thomas betont darüber hinaus,
dass Christus bei seiner Taufe keine neue
Gnade bekommen hat, sondern nur die Fülle
der Gnade, die er bereits seit seiner Menschwerdung
besaß, bestätigt wurde.
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• Die zweite sichtbare Sendung
des Hl. Geistes: Bei der Verklärung
Christi wurde unter dem Schein der Lichtwolke
die Fülle der Wissenschaft und der
Weisheit dessen bezeugt, welchen der Vater
den Menschen als ihren Meister und Lehrer
gegeben hatte.
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• Die dritte sichtbare Sendung
des Hl. Geistes: Nach der Auferstehung Jesu,
als Christus seine Apostel angehaucht hat,
mit dem Worte: „Empfanget den Hl.
Geist“ (Joh. 20, 22).
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• Und schließlich die vierte
sichtbare Sendung des Hl. Geistes: An Pfingsten
erscheint der Hl. Geist unter dem Schein
von Feuerzungen, um dadurch zugleich die
göttliche Liebe, den Eifer und die
frohe Botschaft des Evangeliums anzudeuten.
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Aber Achtung! Betrachten wir sorgfältig
den Unterschied zwischen den zwei ersten
und den zwei letzten Sendungen:
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• Die zwei ersten Sendungen sind
nur symbolische Sendungen, ohne Wirkung
in der Seele Jesu: Sie bedeuten aber bewirken
nicht die Gnade und die Wissenschaft.
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• Hingegen sind die beiden letzten
Sendungen, jene bezüglich der Apostel,
hinweisend und zugleich wirksam in den Apostelseelen.
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Eine letzte Betrachtung wird uns vom
hl. Augustinus und vom hl. Thomas vorgestellt:
Sichtbare oder unsichtbare Sendungen verletzen
in nichts die Gleichheit der drei göttlichen
Personen.
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Hier geht es weder um einen Befehl noch
Ratschlag, noch eine Abhängigkeit,
sondern nur um den Ursprung der Sendung,
mit einer zeitlichen Wirkung im Geschöpf,
ohne irgendeine Veränderung in den
göttlichen Personen.
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Die absolute Gleichheit und die absolute
Unveränderlichkeit Gottes bleiben hier
genau so unangetastet, wie die ewige Zeugung
des Sohnes und die Hauchung des Hl. Geistes.
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Die Sendungen lassen uns aber auf eine
fühlbare Weise die unendliche Güte
Gottes verstehen, welche sich würdigt,
seinem Geschöpf Boten der Liebe zu
senden, und ihm sein Wohlwollen und seine
Wonne zu schenken, bei den Menschenkindern
zu wohnen, durch Maria, der Vermittlerin
aller Gnaden. Amen.
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