 |
 |
 |
 |
 |
 |
 |
 |
 |
 |
 |
 |
|
 |
|
|
|
 |
 |
 |
 |
 |
FSSPX / FAQs |
|
 |
 |
 |
 |
 |
 |
 |
| Gibt es eine Kirchenkrise? |
 |
| Was
bedeutet "FSSPX"?
|
 |
Ist die Priesterbruderschaft
St. Pius X. als Widerstandbewegung gegen
das II. Vatikanische Konzil entstanden? |
 |
Wie ist die Haltung der
Priesterbruderschaft St. Pius X. gegenüber
dem II. Vatikanischen Konzil? |
 |
| Worin zeigt sich der liberale
Geist des Konzils? |
 |
| Was lehrt der Ökumenismus? |
 |
| Was ist der Inhalt der Religionsfreiheit? |
 |
| Worin bestand die Öffnung
zur Welt des "Aggiornamento"? |
 |
| Wie steht die Priesterbruderschaft
St. Pius X. zur "Neuen Messe" Papst
Pauls VI.? |
 |
| Ist diese Messe häretisch? |
 |
| Ist die "Neue Messe"
ungültig? |
 |
| Wie soll man sich also der "Neuen
Messe" gegenüber verhalten? |
 |
| Hat nicht der Papst das Recht,
einen neuen Messritus einzuführen, und
ist man nicht verpflichtet, einen solchen
Ritur dann anzunehmen? |
 |
| Wie steht die Priesterbruderschaft
zum Papst? |
 |
| Ist die Priesterbruderschaft
dem Papst ungehorsam? |
 |
| Wie ist die Haltung der Priesterbruderschaft
gegenüber Papst Benedikt XVI.? |
 |
| Ist die Priesterbruderschaft
St. Pius X. nicht illegal? |
 |
| Wurde nicht die Priesterbruderschaft
damals aufgehoben? |
 |
| Demnach existiert die Priesterbruderschaft
St. Pius X. kirchenrechtlich nicht mehr? |
 |
| Wurde nicht Erzbischof Lefebvre
damals suspendiert? |
 |
| Wie kam es zu den unerlaubten
Bischofsweihen vom 1988? |
 |
| Hat Rom damals nicht großartige
Zugeständnisse gemacht? |
 |
| Warum hat Erzbischof Lefebvre
seine Unterschrift unter dieses Protokoll
zurückgezogen, das doch eine Einigung
in nächste Nähe rückte? |
 |
| War dies nicht ein schismatischer
Akt? |
 |
| Dennoch sprach das Motu proprio
"Ecclesia Dei" vom 2. Juli 1988
die Exkommunikation über Erzbischof Lefebvre
aus? |
 |
| Also gibt es kein Schisma? |
 |
| Und die Exkommunikation? |
 |
| Wie wird es mit der Bruderschaft
weitergehen? |
 |
Zitate von Päpsten, Kardinälen, Bischöfen und Theologen zur kirchlichen Krise |
 |
| Papst Pius X. sagt in seiner Enzyklika Pascendi dominici gregis vom 8. September 1907: |
 |
„Wir sind aber gezwungen, nicht länger zu zögern, weil sich die Verfechter jener Irrtümer bereits nicht mehr ausschließlich unter den offenen Feinden finden; nein, zu Unserem größten Schmerze und Unserer Beschämung müssen Wir es sagen: sie lauern schon innerhalb der Kirche selbst und sind um so gefährlicher, je weniger man sie kennt. Wir meinen, Ehrwürdige Brüder, viele aus der katholischen Laienwelt, ja, was noch viel schlimmer ist, sogar aus den Reihen des Klerus, die unter dem Deckmantel der Liebe zur Kirche, ohne die Grundlage einer soliden Philosophie und Theologie – angesteckt von dem Gifte der Lehren, wie sie die Feinde der Kirche vortragen, alle Bescheidenheit beiseite setzend – sich zu Reformatoren der Kirche aufwerfen: kühn schließen sie ihre Reihen zusammen, greifen das Heiligste an Christi Werk an und schonen dabei nicht einmal die göttliche Person des Erlösers selbst, den sie in blasphemischer Frechheit zu einem bloßen armseligen Menschen herabdrücken.“ |
 |
Am 14. Mai dieses Jahres konnte man beispielsweise aus dem Munde eines Priester der Diözese Regensburg öffentlich in einem Vortrag hören, auch Christus habe sich wenigstens zweimal geirrt. |
 |
Papst Pius XI. in der Enzyklika Mortalium animos zur Frage des Ökumenismus vom 6. Januar 1928: |
 |
„Ganz ähnlich wollen nun einige auch auf dem Gebiete vorgehen, das der von Christus dem Herrn festgelegten Ordnung des Neuen Bundes unterliegt. Durch die Erkenntnis der Tatsache, daß es nur sehr wenige Menschen gibt, denen jeder religiöse Sinn abgeht, glauben sie sich zu der Hoffnung berechtigt, es werde sich bei aller Verschiedenheit der Völker bezüglich der religiösen Ansichten doch ohne Schwierigkeit eine brüderliche Übereinstimmung im Bekenntnis gewisser Wahrheiten als gemeinsamer Grundlage des religiösen Lebens erreichen lassen. Zu diesem Zwecke halten sie vor einer zahlreichen Zuhörerschaft Konferenzen, Versammlungen und Vorträge, zu denen sie alle ohne jeden Unterschied zur Aussprache einladen: Heiden jeder Art und Christen, und endlich auch jene, die unseligerweise von Christus abgefallen sind oder die seine göttliche Natur und seine göttliche Sendung erbittert und hartnäckig bekämpfen. |
 |
Derartige Versuche können von den Katholiken in keiner Weise gebilligt werden. Sie gehen ja von der falschen Meinung jener aus, die da glauben, alle Religionen seien gleich gut und lobenswert, weil alle, wenn auch in verschiedenen Formen, doch gleichermaßen dem uns angeborenen und natürlichen Sinn Ausdruck geben, durch den wir nach Gott verlangen und uns seiner Oberherrschaft gehorsam unterwerfen. Die Vertreter solcher Ansichten sind nun nicht nur in Irrtum und Selbsttäuschung befangen, sondern sie lehnen auch die wahre Religion ab, indem sie ihren Begriff verfälschen. Auf diese Weise kommen sie Schritt für Schritt zum Naturalismus und Atheismus. Daraus ergibt sich dann ganz klar die Folgerung, daß jeder, der solchen Ansichten und Bemühungen beipflichtet, den Boden der von Gott geoffenbarten Religion vollständig verläßt.“ |
 |
Was würde Pius XI. zum Religionskongreß von Assisi am 27. Oktober 1986 gesagt haben? |
 |
Papst Pius XII. in der Enzyklika Mediator Dei vom 20. November 1947: |
 |
„Ganz zu verurteilen ist aber das vermessene Unterfangen jener, die mit Absicht neue liturgische Bräuche einführen, oder überlebte, mit den geltenden Gesetzen und Rubriken nicht mehr übereinstimmende Gepflogenheiten wiederaufleben lassen. Daß dies vorkommt, geliebte Söhne und ehrwürdige Brüder, und zwar nicht nur in unbedeutenden Dingen, sondern auch in solchen von sehr großer Tragweite, haben Wir nicht ohne bitteren Schmerz erfahren. Es gibt tatsächlich Leute, die bei der Darbringung des hochheiligen eucharistischen Opfers sich der Volkssprache bedienen. (...) „So würde z.B. vom rechten Weg abweichen, wer dem Altar die alte Form der Mensa, des Tisches, wiedergeben wollte“ |
 |
Trifft das alles nicht heute den größten Teil der Kirche, da fast überall die Altäre durch Tische ersetzt worden sind? Man lese auch die Ausführungen des großen Papstes in seiner Enzyklika Humani Generis zur neuen Theologie. |
 |
Papst Paul VI. sagt in seiner Rede vom 7. Dezember 1968: |
 |
„Die Kirche befindet sich in einer Stunde der Unruhe, der Selbstkritik, man könnte selbst sagen, der Selbstzerstörung. Dies ist wie eine innere Erschütterung (...) die niemand nach dem Konzil erwartet hätte.“ |
 |
Am 26. Juni 1972 stellt er fest: |
 |
„Der Rauch Satans ist durch irgendeinen Riß in den Tempel Gottes eingedrungen.“ |
 |
Bei einer Unterhaltung mit Jean Guitton am 8. September 1977 sagte er seinem Gesprächspartner: |
 |
„Es herrscht ein sehr großes Durcheinander in diesem Augenblick in der Welt und in der Kirche; was auf dem Spiel steht, ist der Glaube. Es kommt jetzt vor, daß ich den geheimnisvollen Satz Jesu im Evangelium des heiligen Lukas für mich selbst wiederhole: ‚Wenn der Menschensohn wiederkommt, wird er dann noch den Glauben auf Erden finden?’ Es kommt vor, daß Bücher herausgegeben werden, in denen der Glaube in entscheidenden Punkten herabgesetzt wird, daß der Episkopat dazu schweigt, daß man diese Bücher nicht als der Kirche fremd betrachtet, und genau dies ist in meinen Augen befremdend. (...) Was mich befremdet, wenn ich die katholische Welt betrachte, ist, daß im Inneren des Katholizismus ein Gedankengebäude nichtkatholischen Typs manchmal scheinbar die Oberhand hat, und es kann geschehen, daß dieser nichtkatholische Gedanke im Inneren des Katholizismus morgen vorherrschen wird. Aber er wird nie das Denken der Kirche darstellen.
Es muß eine kleine Herde weiterbestehen, und selbst wenn es eine sehr kleine Herde ist.“ Er schweigt, dann sagt er: „Was dem Katholizismus in diesem Augenblick fehlt, das ist die Kohärenz“, und er wiederholt mehrere Male das Wort ‚Kohärenz’. Er scheint zu sagen, es liege beim Papst, wieder aufzurichten, zu einen, das kohärent zu machen, was inkohärent ist. Er schweigt. (Jean Guitton, Paul VI secret, Desclée de Brouwer, 1979) |
 |
Papst Johannes Paul II. sagt in einer Ansprache an Volksmissionäre am 6. Februar 1981: |
 |
„Man muß mit tiefer, schmerzlicher Betroffenheit feststellen, daß die Gläubigen sich heute zum großen Teil verloren und verwirrt vorkommen, ratlos und sogar hintergangen; weiter, daß mit vollen Händen Ideen ausgestreut wurden, die mit der geoffenbarten und zu allen Zeiten gelehrten Wahrheit im Widerspruch stehen; daß auf dogmatischem und moralischem Feld wirkliche und eigentliche Häresien verbreitet wurden, die Zweifel, Durcheinander und Auflehnung zur Folge hatten.“ |
 |
Man lese die Feststellung desselben Papstes im Nachsynodalen Schreiben Ecclesia in Europa vom 28. Juni 2003, vor allem die Abschnitte 7 bis 9, wo er unter anderem von einer „schweigenden Apostasie“ spricht. |
 |
Der heutige Heilige Vater, Papst Benedikt XVI., verglich wenige Tage vor seiner Erhebung auf den päpstlichen Thron, die Kirche mit einem Schiff, „wo das Wasser auf allen Seiten eindringt“ (Kreuzwegandacht am Karfreitag 2005). Wenige Tage darauf sprach er von der Diktatur des Relativismus. Und in seinem Brief an die Bischöfe vom 10. März 2009 stellt er fest, daß der Glaube in vielen Teilen der Welt zu erlöschen drohe. |
 |
Die Kardinäle Ottaviani und Bacci stellen in ihrem Vorwort zur „Kurzen kritischen Untersuchung des neuen Ordo Missae“ vom 25. September 1969 fest, der Novus Ordo Missae rücke in auffallender Weise sowohl im Ganzen wie in den Einzelheiten von der katholischen Theologie der heiligen Messe ab, wie sie in der 22. Sitzung des Konzils von Trient formuliert worden sei. Diese unter Mitarbeit von 6 protestantischen Pastoren am grünen Tisch erarbeitete Liturgie wird aber vom größten Teil des Klerus zelebriert. Weicht also nicht ein großer Teil der Kirche von der Meßopfertheologie des Konzils von Trient ab? |
 |
Kardinal Šeper sagte zu Hans Pfeil: „Die Krise der Kirche ist eine Krise der Bischöfe“ (Der Fels, 1985, S. 345; 1986, S. 186). |
 |
Führen wir als weiteres wichtiges Zeugnis das Buch von Bischof Graber Athanasius und die Kirche unserer Zeit an. Die darin zitierten Äußerungen des Exkanonikus Roca über den Papst und ein auszurufendes Konzil sind wortwörtlich eingetroffen. |
 |
Schließlich sind die Schriften von Professor Georg May und Professor Johannes Dörmann (kürzlich verstorben) zur heutigen Lage der Kirche außerordentlich lichtvoll. |
 |
|
 |
| Was bedeutet
"FSSPX"? |
 |
FSSPX heißt "Fraternitas Sacerdotalis
Sancti Pii Xi", das ist Lateinisch
für "Priesterbruderschaft St.
Pius X.".
|
 |
 |
| Ist die Priesterbruderschaft
St. Pius X. als Widerstandbewegung gegen das
II. Vatikanische Konzil entstanden? |
 |
Nein. Die Gründung der Priesterbruderschaft
St. Pius X. erfolgte im Jahr 1969 mit der
ausdrücklichen Zielsetzung, das katholische
Priestertum zu erneuern. Sie wurde am 1.
November 1970 durch den zuständigen
Bischof von Freiburg, Genf und Lausanne,
Mgr. Charrière, ordnungsgemäß
kanonisch errichtet und erhielt im darauffolgenden
Jahr, am 18. Februar 1971, eine Belobigung
ihrer Statuten durch den damaligen Präfekten
der römischen Kleruskongregation, Kardinal
Wright. Für die Einrichtung ihrer Seminare
stützte sie sich u.a. auf Beschlüsse
des Dekrets des II. Vatikanischen Konzils
für die Priesterausbildung, "Optatam
totius". So war die Priesterbruderschaft
St. Pius X. unter den ersten, die das vom
Konzil gewünschte Spiritualitätsjahr
in ihren Seminaren verwirklichte. |
 |
 |
| Wie ist die
Haltung der Priesterbruderschaft St. Pius
X. gegenüber dem II. Vatikanischen Konzil? |
 |
Wie man dem Buch von Ralph Wiltgen "Der
Rhein fließt in den Tiber" entnehmen
kann, geriet das II. Vatikanische Konzil
praktisch von Anfang an in die Hände
der "Rheinischen Allianz", einer
Koalition liberaler Bischöfe hauptsächlich
aus Frankreich, Deutschland und den Niederlanden.
Papst Johannes XXIII. schlug sich ebenso
wie sein Nachfolger Paul VI. auf die Seite
der Liberalen. Diese dominierten daraufhin
das Konzil. Das Ergebnis war ein Konglomerat
von Texten, die teils rechtgläubig,
teils mehrdeutig, teils aber auch von Irrtümern
durchsetzt sind. In einer bewußt unklar
und ungenau gehaltenen Sprache formuliert,
sind sie insgesamt von einem liberalen Geist
durchdrungen. Derselbe Geist zeigte sich
deutlich in den nachkonziliaren Reformen
und Richtlinien, die teilweise noch weit
über die Texte des Konzils hinausgingen.
Die Priesterbruderschaft lehnt es daher
ab, das Konzil und seine Reformen anzunehmen,
weil sie von jenem liberalen Geist geprägt
sind, der nicht der Geist der Kirche ist. |
 |
 |
| Worin zeigt
sich der liberale Geist des Konzils? |
 |
Der liberale Geist zeigt sich insbesondere
in der Öffnung zur Welt, dem "Aggiornamento",
den Lehren vom Ökumenismus und von
der Religionsfreiheit. Diese widersprechen
ganz und gar dem Geist des Evangeliums und
den Lehren, die die Kirche bis dahin vertreten
hat. Es ist der Geist der Revolution, der
in die Kirche eindrang. Kardinal Suenens
sprach daher vom Konzil als dem "Jahr
89" der Kirche (1789 war das Jahr der
französischen Revolution). |
 |
 |
| Was lehrt der
Ökumenismus? |
 |
Der liberale Ökumenismus besagt,
daß alle Konfessionen und Religionen
Elemente der Wahrheit und der Gnade enthalten
und somit "Wege des Heils" sein
können. So heißt es im Ökumenismusdekret
des Konzils "Unitatis Redintegratio"
Nr. 3, der "Geist Christi" habe
sich gewürdigt, die "getrennten
Kirchen und Gemeinschaften trotz der Mängel,
die ihnen nach unserem Glauben anhaften"
als "Mittel des Heiles zu gebrauchen".
Nach bisherigem Verständnis galt jedoch,
daß es außerhalb der von Christus
selbst gegründeten Kirche, die keine
andere ist als die katholische, kein Heil
gibt: "Extra ecclesiam nulla salus".
Zwar kann in Einzelfällen auch das
Heil außerhalb der sichtbaren Grenzen
der Kirche erlangt werden, aber nur von
solchen, die wenigstens den impliziten (einschlußweisen)
Wunsch nach Zugehörigkeit zur Kirche
haben. So wurde es noch unter Papst Pius
XII. genau präzisiert (des Heiligen
Offiziums an den Erzbischof von Boston vom
8. August 1949). Das II. Vatikanum weicht
mit seinem Ökumenismus von dieser Lehre
in auffallender Weise ab. |
 |
 |
| Was ist der
Inhalt der Religionsfreiheit? |
 |
Kardinal Ottaviani hat als Mitglied der
Vorbereitenden Konzilskommission ein Schema
verfaßt mit dem Titel "Über
die religiöse Toleranz", in dem
er die überlieferte katholische Lehre
zu diesem Gegenstand darlegte. Nach dieser
Lehre hat nicht nur der einzelne Mensch,
sondern auch jeder Staat die Pflicht, die
katholische Religion als die einzig wahre
anzuerkennen und ihr entsprechende Rechte
einzuräumen. Für einen Staat mit
katholischer Mehrheit würde das bedeuten,
daß der Staat sich zum Katholizismus
als Staatsreligion bekennt und dieser Religion
allein alle Rechte zuerkennt. Andere Religionen
kann der Staat dulden - insbesondere dann,
wenn ihre Anhänger zahlreich sind -,
aber er kann sie nicht in gleicher Weise
anerkennen wie die katholische. Kardinal
Bea, der derselben Kommission angehörte,
legte ebenfalls ein Schema vor, das den
Titel trug: "Über die Religionsfreiheit".
Darin heißt es, daß der Staat
in religiösen Dingen seinen Bürgern
jede Freiheit lassen muß, daß
er keine Religion bevorzugen oder als Staatsreligion
bekennen darf. Dieses Dokument widerspricht
vollkommen dem von Kardinal Ottaviani und
damit der ganzen katholischen Tradition.
Trotzdem hat das II. Vatikanum dieses Schema
von Kardinal Bea aufgegriffen und in "Dignitatis
Humanae" diese neue Form der liberalen
"Religionsfreiheit" verkündet. |
 |
 |
| Worin bestand
die Öffnung zur Welt des "Aggiornamento"? |
 |
Papst Johannes XXIII. hat in seiner Eröffnungsansprache
des Konzils dessen Aufgabe so beschrieben,
daß die Lehre der Kirche "im
Licht der modernen Forschungen und der Sprache
des heutigen Denkens dargelegt und erforscht
werden" solle. Das ist das "Aggiornamento",
das dem Konzil seinen "pastoralen"
Charakter gab. Es sollte keine Lehre verkünden,
sondern diese lediglich in einer neuen,
der modernen Welt angepaßten Sprache
darlegen, ohne zu berücksichtigen,
daß Inhalt und Sprache eng zusammengehören;
nicht umsonst hat die Kirche zur Darlegung
ihrer Dogmen sich stets einer eigenen Sprache
bedient, wie auch die moderne Sprache und
das heutige Denken massiv im Liberalismus
wurzeln, der dem Geist der Kirche ganz entgegengesetzt
ist. Dabei hatte Papst Johannes eine große
Wertschätzung und Bewunderung für
die moderne Welt und den "staunenswerten
Fortschritt der Entdeckungen des menschlichen
Geistes". Er wollte darum den "Unglückspropheten"
nicht zustimmen, sondern sah in der "gegenwärtigen
Weltordnung" die Vorsehung Gottes am
Werk, die zu einer "neuen Ordnung der
Beziehungen unter den Menschen" führt.
Das war im Grunde die Anerkennung des "novus
ordo saeculorum" der Revolution und
der liberalen Freimaurerei, der von den
Päpsten des 19. und der ersten Hälfte
des 20. Jahrhunderts immer verurteilt worden
war. Das Konzil sollte nicht mehr verurteilen
oder verdammen, denn der Papst war der Auffassung,
daß sich alle Irrtümer im Grunde
bereits selbst widerlegt haben - und das
zu einer Zeit, als sich der Kommunismus
als schlimmster aller Irrtümer weltweit
immer mehr auszubreiten begann. Die Frucht
dieses "konziliaren" Geistes war
das Dokument "Gaudium et Spes",
das die Kirche ganz der modernen Welt und
damit dem Liberalismus öffnete. Das
steht im Gegensatz zum Evangelium, in dessen
Geist uns der heilige Johannes mahnt: "Habt
nicht die Welt lieb, noch was in der Welt
ist; wenn jemand die Welt lieb hat, so ist
die Liebe zum Vater nicht in ihm" (1
Joh 2,15). |
 |
 |
| Wie steht die
Priesterbruderschaft St. Pius X. zur "Neuen
Messe" Papst Pauls VI.? |
 |
"Tatsächlich wurden in den
neuen Texten die Hinweise auf das Sühneopfer
entfernt, die Atmosphäre des Mahles
beim Abendmahl auf Kosten des Opfercharakters
verstärkt und die Anbetung, die Zahl
der Kreuzzeichen und die der Kniebeugungen
verringert. Im neuen Ritus zielt alles darauf
hin, das katholische Dogma über die
heilige Messe, wie es vom Konzil von Trient
definiert wurde, durch protestantische Begriffe
zu ersetzen. Die Intention wird sich dadurch
schließlich auf einen protestantisierten
Ritus beziehen und nicht mehr auf das, was
die Kirche aller Zeiten für alle Zeit
vollbringt. Hinzu kommen noch die schlechten
Übersetzungen, die willkürlichen
Anpassungen, die eigenen Einfälle der
Zelebranten (die 'Kreativität'), etc.
– viele Ursachen einer möglichen
Ungültigkeit und jedenfalls des Sakrilegs!
Der zu ziehende Schluß ist klar: Wir
haben die Pflicht, uns für gewöhnlich
von diesem neuen Ritus fernzuhalten. Nur
in Ausnahmefällen, wie etwa bei einer
Hochzeit oder bei einem Begräbnis,
dürfen wir ihm beiwohnen. Dies jedoch
auch nur dann, wenn wir die moralische Gewißheit
haben, daß die Messe gültig und
nicht sakrilegisch ist. Das gilt für
die gesamte Liturgiereform. Es ist daher
besser, nur einmal im Monat zur wahren heiligen
Messe zu gehen, wenn es nicht anders möglich
ist, dann in noch größeren Abständen,
als an einem Ritus mit protestantischem
Beigeschmack teilzunehmen, der uns die Unserem
Herrn geschuldete Anbetung, vielleicht sogar
Seine wahre Gegenwart vorenthält. Die
Eltern müssen ihren Kindern erklären,
warum sie lieber zu Hause beten, als an
einer Zeremonie teilzunehmen, die für
ihren Glauben gefährlich ist." |
 |
| Ist diese Messe
häretisch? |
 |
"Wenn man von den Personen absieht,
welche die Sakramente nach diesem neuen
Ritus spenden, und nur die allgemeine Reform
in den von Rom veröffentlichten Texten
betrachtet, muß man mit den Kardinälen
Ottaviani und Bacci feststellen, daß
sich diese Riten in wahrhaft beunruhigender
Weise von den zu diesem Gegenstand definierten
Texten des Konzils von Trient entfernen.
Die Bestrebungen eines übertriebenen
Ökumenismus haben diese Neuerungen
der protestantischen Reform derart angenähert,
daß daraus eine ernste Gefahr der
Verminderung des Glaubens entstanden ist.
Bei denjenigen, die diese Riten gewohnheitsmäßig
und ständig gebrauchen, stellt man
sogar den Verlust des Glaubens fest, selbst
wenn sie sich bemühen, dabei den äußeren
Schein der Überlieferung zu wahren.
Hinsichtlich der offiziellen reformierten
Texte, muß man somit zu dem Urteil
kommen: 'Faventes haeresim – sie begünstigen
die Häresie'." |
 |
 |
| Ist die "Neue
Messe" ungültig? |
 |
"Ein schwerwiegendes Problem! Wie
kann der Gläubige das beurteilen? Für
die Gültigkeit einer Messe bestehen
wesenhafte Bedingungen: die Materie, die
Form, die Intention und der gültig
geweihte Priester. Sind diese Bedingungen
erfüllt, ist nicht einzusehen, warum
man befürchten sollte, daß die
Messe ungültig sei... Es ist klar,
daß in dem Maß, wie der Glaube
der Priester verfällt und sie nicht
mehr die Intention haben zu tun, was die
Kirche immer getan hat - denn die Kirche
kann ihre Intention nicht ändern -,
es immer weniger gültige Messen gibt.
Die heutige Ausbildung der sogenannten Seminaristen
bereitet sie nicht darauf vor, gültige
Messen zu zelebrieren... Andererseits kann
man ohne die geringste Übertreibung
sagen, daß die meisten Messen, die
ohne Altarstein zelebriert werden, mit banalen
Geräten, gesäuertem Brot, Einführung
profaner Reden, die sogar in den eigentlichen
Kanon und auch sonst eingeschoben werden,
sakrilegisch sind und daß sie den
Glauben verfälschen, indem sie ihn
mindern. Die Entsakralisierung geht so weit,
daß diese Messen ihren übernatürlichen
Charakter, das 'Geheimnis des Glaubens',
verlieren können, so daß sie
nur mehr Akte einer natürlichen Religion
sind." |
 |
 |
| Wie soll man
sich also der "Neuen Messe" gegenüber
verhalten? |
 |
"Ihre Ratlosigkeit wird darum vielleicht
zu folgenden Fragen führen: Darf ich,
wenn keine andere Möglichkeit zur Erfüllung
meiner Sonntagspflicht besteht, in eine
zwar sakrilegische, aber immerhin gültige
Messe gehen? Die Antwort ist einfach. Derartige
Messen können nicht Gegenstand einer
Verpflichtung sein. Man muß überdies
auf sie die Bestimmungen der Moraltheologie
und des Kirchenrechts anwenden, die sich
auf die aktive Teilnahme an einer für
den Glauben gefährlichen oder unter
Umständen sakrilegischen Veranstaltung
oder auch nur deren Besuch bezieht. Selbst
wenn ein Priester die Neue Messe mit Frömmigkeit
und unter Respektierung der liturgischen
Vorschriften liest, fällt sie unter
dieselben Bestimmungen, weil sie von protestantischem
Geist erfüllt ist. Sie enthält
ein für den Glauben schädliches
Gift... Die Gläubigen sollten sich
bemühen, wenigstens einmal im Monat
die Messe aller Zeiten, die wahre Quelle
der Gnaden und der Heiligung, an einem jener
Orte zu besuchen, wo sie auch weiterhin
in Ehren gehalten wird." |
 |
 |
| Hat nicht der
Papst das Recht, einen neuen Messritus einzuführen,
und ist man nicht verpflichtet, einen solchen
Ritur dann anzunehmen? |
 |
Dem Papst als dem Nachfolger Petri ist
nach den Worten des I. Vatikanischen Konzils
der Heilige Geist nicht dazu verheißen,
etwa Neues zu verkünden, sondern dazu,
"mit Seinem Beistand die durch die
Apostel überlieferte Offenbarung, d.h.
das überlieferte Glaubensgut heilig
zu bewahren und getreulich auszulegen".
Das gilt auch für die Heilige Messe.
Der Papst hat nicht das Recht, nach eigenem
Gutdünken eine neue Messe zu kreieren
und der Kirche aufzuerlegen. Er hat auch
nicht das Recht, eine von einem seiner Vorgänger
kanonisierte Messe wie die des heiligen
Papstes Pius V. abzuschaffen oder zu verbieten.
Da ein solches Recht nicht existiert, besteht
auch keine Verpflichtung, sich zu unterwerfen.
|
 |
 |
| Wie steht die
Priesterbruderschaft zum Papst? |
 |
Die Bruderschaft handelt in der Annahme,
dass Papst Benedikt XVI. Papst ist, und
betet daher für ihn. Sie bemüht
sich, ihn zur Rückkehr zur Tradition
zu bewegen, indem sie für ihn betet,
mit ihm und seiner Umgebung zusammenkommt
und ihm schreibt. |
 |
 |
| Ist die Priesterbruderschaft
dem Papst ungehorsam? |
 |
Der Papst ist lediglich der Stellvertreter
Christi, er ist nicht Christus selbst. Er
kann daher nichts anordnen oder verlangen,
was gegen Unseren Herrn Jesus Christus wäre.
Er ist Nachfolger Petri und aller seiner
Vorgänger auf dem Heiligen Stuhl. Er
kann also nichts auferlegen oder befehlen,
was im völligen Widerspruch zu allen
seinen Vorgängern stünde. Er ist
das Oberhaupt der römisch-katholischen
Kirche. Er kann also nicht anders lehren
und handeln als die katholische Kirche immer
gelehrt und gehandelt hat. Die Priesterbruderschaft
folgt und gehorcht dem Papst, wo er als
Stellvertreter Christi, Nachfolger Petri
und Oberhaupt der römisch-katholischen
Kirche spricht und handelt. Sie weigert
sich ihm zu folgen, wo er im Widerspruch
steht zu Unserem Herrn Jesus Christus, zu
der Reihe seiner Vorgänger oder zur
immerwährenden Tradition der heiligen,
römisch-katholischen Kirche. |
 |
 |
| Wie ist die
Haltung der Priesterbruderschaft gegenüber
Papst Benedikt XVI.? |
 |
Im Namen der Priesterbruderschaft St.
Pius X. begrüßt deren Generaloberer,
Bischof Bernard Fellay, die Wahl von Kardinal
Josef Ratzinger auf den päpstlichen
Thron. Er sieht darin einen Hoffnungsschimmer
für die Überwindung der tiefen
Krise, welche die Kirche erschüttert
und die der ehemalige Präfekt der Glaubenkongregation
in gewissen Punkten vor kurzem in seinen
Kreuzwegsbetrachtungen am Karfreitag zur
Sprache gebracht hat. |
 |
Mgr. Fellay bittet unseren Herrn Jesus
Christus, das Haupt des mystischen Leibes,
daß die zweitausendjährige Tradition
der Kirche, die während der letzten
vierzig Jahre vergessen und mit Füßen
getreten worden ist, während dieses
Pontifikats ihren rechtmäßigen
Platz wieder erhalte und daß die überlieferte
Messe in all ihre Rechte, ohne Einschränkungen,
wieder eingesetzt werde. |
 |
Der Generalobere versichert schließlich
den Nachfolger Petri, Benedikt XVI., seiner
Gebete und jener der ganzen Priesterbruderschaft
St. Pius X. in der gewaltigen Aufgabe, die
ihn erwartet, nämlich alles in Christus
zu erneuern. |
 |
Pressemitteilung des Generaloberen Bischof
Fellay anlässlich der Wahl von Josef
Kardinal Ratzinger zum Papst |
 |
 |
| Ist die Priesterbruderschaft
St. Pius X. nicht illegal? |
 |
Nein. Sie wurde von Bischof Charrière
ordnungsgemäß kanonisch errichtet
und vom Vatikan belobigt (s.o.). Das erste
Seminar in Ecône im Schweizer Wallis
wurde mit Genehmigung des zuständigen
Bischofs von Sitten eröffnet. Alles
verlief ganz legal nach den Regeln des kanonischen
Rechts. Als jedoch immer mehr junge Männer,
vor allem aus Frankreich, in das Seminar
von Ecône strömten statt in die
modernistisch gewordenen Diözesanseminare,
erregten die französischen Bischöfe
1974 eine Verfolgung gegen Ecône,
die mit einer Pressekampagne gegen das "wilde
Seminar Mgr. Lefebvres" (eine glatte
Verleumdung!) begann. Ihren wichtigsten
Verbündeten fanden die Bischöfe
im Vatikanischen Kardinal-Staatssekretär
Villot, der ihnen versprach, das "Problem
Ecône" innerhalb eines halben
Jahres "gelöst" zu haben.
Bis dahin sollte die Bruderschaft verschwunden
sein. |
 |
 |
| Wurde nicht
die Priesterbruderschaft damals aufgehoben? |
 |
Vom Vatikan wurde zunächst eine
Visitation nach Ecône geschickt. Die
Visitatoren bemühten sich bei dieser
Gelegenheit, modernistische Irrtümer
in dem Seminar auszustreuen. Mgr. Lefebvre
reagierte darauf mit seiner berühmt
gewordenen Grundsatzerklärung vom 21.
November 1974. Daraufhin lud man ihn zu
einem "Gespräch" nach Rom
ein, das am 13. Februar mit drei Kardinälen
stattfand. Die Kardinäle machten ihm
in diesem Gespräch heftige Vorwürfe
und es hatte zunehmend den Anschein, daß
hier kein "Gespräch", sondern
eine Gerichtsverhandlung stattfand. Zudem
ging es nicht über das Werk der Bruderschaft
oder das Seminar, sondern fast ausschließlich
um die Erklärung Mgr. Lefebvres. Der
Erzbischof erhielt von diesem "Gespräch"
weder eine Aufzeichnung noch eine Niederschrift,
obwohl ihm das versprochen worden war. Mit
Schreiben vom 6. Mai 1975 erklärte
ihm die "Kardinalskommission",
daß aufgrund des vorangegangenen "Gespräches"
die Priesterbruderschaft St. Pius X. vom
Nachfolger Mgr. Charrières, Mgr.
Mamie, aufgehoben würde und daß
damit auch das Seminar von Ecône sein
Daseinsrecht verliere. |
 |
 |
| Demnach existiert
die Priesterbruderschaft St. Pius X. kirchenrechtlich
nicht mehr? |
 |
Doch. Das Kirchenrecht bestimmt nämlich,
daß eine Vereinigung, die von einem
Bischof in seiner Diözese kanonisch
errichtet wurde, nur vom Heiligen Stuhl
wieder aufgehoben werden kann. Eine Aufhebung
durch seinen Nachfolger oder sogar durch
ihn selbst wäre null und nichtig. Eben
das aber ist bei der Priesterbruderschaft
der Fall. Die "Aufhebung" erfolgte
durch den Nachfolger Bischof Charrières
und nicht durch den Heiligen Stuhl. Sie
war daher ungültig. Erzbischof Lefebvre
hat deshalb auch am 21. Mai 1975 Rekurs
gegen den Entscheid in Rom eingelegt. Dieser
Rekurs wurde vom Obersten Gerichtshof ohne
Prüfung zurückgewiesen. Die Anweisung
dazu war vom Kardinalstaatssekretär
Villot gekommen. Gegen diesen unzulässigen
Übergriff hat Mgr. Lefebvre erneut
Rekurs eingelegt. Erfolglos. Dennoch muß
eine objektive rechtliche Prüfung zu
dem Schluß kommen, daß all diese
Maßnahmen ungesetzlich, willkürlich
und rechtlich unwirksam waren. |
 |
 |
| Wurde nicht
Erzbischof Lefebvre damals suspendiert? |
 |
Am 29. Juni 1975 sollte das Ausbildungsjahr
in Ecône wie gewöhnlich mit der
Weihe junger Diakone zu Priestern enden.
Diese Weihen wollte man von Rom aus unbedingt
verhindern. Man berief sich dazu auf die
"Aufhebung" der Bruderschaft und
argumentierte so: Die Priesterbruderschaft
existiert nicht mehr, das Seminar hat daher
keine Daseinsberechtigung mehr, also dürfen
Sie keine Priester mehr weihen! Erzbischof
Lefebvre argumentierte dagegen: Die Aufhebung
war ungültig, also existiert die Bruderschaft
nach wie vor, das Seminar hat immer noch
seine Daseinsberechtigung und also sind
die Weihen erlaubt! Abgesehen davon wäre
es unmöglich gewesen, kurz vor Ende
des Studienjahres den ganzen Betrieb zu
schließen, alle Lehrer und Seminaristen
nach Hause zu schicken und die jungen Diakone
an ihre modernistischen Bischöfe zur
Weihe zu überstellen! Also nahm Mgr.
Lefebvre die Weihen vor, obwohl man ihm
in diesem Fall mit der Suspension drohte.
Diese "Suspension" erfolgte dann
auch prompt, war aber natürlich ebenso
ungültig wie alle vorangegangenen Maßnahmen.
Das wurde indirekt bestätigt, als am
8. Dezember 1987 Kardinal Gagnon als offizieller
Visitator des Vatikan an einer Pontifikalzeremonie
teilnahm, bei der Erzbischof Lefebvre mehrere
Seminaristen in die Priesterbruderschaft
St. Pius X. aufnahm. Ein suspendierter Bischof
hätte keine Pontifikalzeremonie halten
dürfen, und eine Aufnahme in eine nicht
existierende Bruderschaft hätte nicht
stattfinden dürfen. Indem Kardinal
Gagnon offiziell daran teilnahm, bestätigte
er stillschweigend und indirekt die Nichtigkeit
von Aufhebung und Suspension. Eine ausdrückliche
offizielle Rehabilitierung ist allerdings
bisher nicht erfolgt, wie es eigentlich
richtig und angemessen wäre. |
 |
 |
| Wie kam es
zu den unerlaubten Bischofsweihen vom 1988? |
 |
Nachdem es Erzbischof Lefebvre gelungen
war, am 11. September 1976 mit Papst Paul
VI. zusammenzutreffen, wurden schließlich
Gespräche vereinbart, die zu einer
Klärung und Normalisierung der Situation
führen sollten. Offizieller Gesprächspartner
auf seiten des Vatikans war Kardinal Seper,
der Präfekt der Glaubenskongregation.
Die Gespräche wurden nach dem Tod Pauls
VI. unter Papst Johannes Paul II., mit dem
Erzbischof Lefebvre bald nach dessen Wahl
1978 ebenfalls ein kurzes Zusammentreffen
hatte, fortgeführt. Die Rolle Kardinal
Sepers übernahm bald dessen Nachfolger,
Kardinal Ratzinger. Leider führten
diese Gespräche zu keinem Resultat.
Rom versuchte fortwährend, Erzbischof
Lefebvre zum Eingestehen seiner "Irrtümer"
zu bewegen und zu einer vollen Anerkennung
des Konzils mit all seinen Reformen. Unterdessen
beging Mgr. Lefebvre am 29. November 1985
seinen 80. Geburtstag und mußte daran
denken, wie der Fortbestand der Tradition
nach seinem vorauszusehenden Ende zu sichern
wäre. So dachte er schließlich
daran, Bischöfe zu weihen, die das
Werk fortsetzen könnten; denn ein Werk,
das sich hauptsächlich dem Priestertum
und der Priesterausbildung widmet, ist ohne
Bischöfe undenkbar. Bei seiner Predigt
zu den Priesterweihen am 4. Juli 1987 sprach
Erzbischof Lefebvre erstmals öffentlich
von dieser Möglichkeit, was in Rom
große Bestürzung auslöste. |
 |
 |
| Hat Rom damals
nicht großartige Zugeständnisse
gemacht? |
 |
In Rom reagierte man nun plötzlich
sehr schnell, nachdem man jahrelang die
Dinge hatte schleifen lassen. Man stellte
eine Einigung in Aussicht, die der Priesterbruderschaft
ermöglichen sollte, in ihrer bisherigen
Form und Ausrichtung bestehenzubleiben,
und schickte zu diesem Zweck zwei Visitatoren,
Kardinal Gagnon und Mgr. Perl, die das Werk
der Bruderschaft untersuchen sollten. Die
Visitatoren zeigten sich begeistert und
sparten nicht mit Lob. Kardinal Gagnon schrieb
in das Gästebuch von Ecône, daß
dies der richtige Weg sei, um die Kirche
wieder aufzubauen. Das Ergebnis der Visitation
versprach also glänzend zu werden.
Zurück in Rom wollten die Visitatoren
allerdings von all diesen Dingen nichts
mehr wissen. Es gab nicht einmal einen Abschlußbericht.
Jedenfalls bekam die Bruderschaft nie einen
zu sehen. Im April und Mai des Jahres 1988
kam es zu Verhandlungen mit Kardinal Ratzinger
in Rom, die insgesamt wenig ermutigend waren.
Nur widerstrebend wollte Rom einen einzigen
Bischof zugestehen. So kam es schließlich
zur Unterzeichnung des Protokolls vom 5.
Mai 1988. |
 |
 |
| Warum hat Erzbischof
Lefebvre seine Unterschrift unter dieses Protokoll
zurückgezogen, das doch eine Einigung
in nächste Nähe rückte? |
 |
Erzbischof Lefebvre hat seine Unterschrift
nicht zurückgenommen. Er hat lediglich
darauf bestanden, den ihm in dem Protokoll
zugesagten Bischof zu bekommen. Daraufhin
versuchte Kardinal Ratzinger Hinhalte- und
Ausweichmanöver, die klar zeigten,
daß Rom diesen Bischof nicht geben
wollte. Stattdessen verlangte man einmal
mehr von Mgr. Lefebvre ein Eingeständnis
seiner "Irrtümer". Als Erzbischof
Lefebvre darauf bestand, spätesten
am 30. Juni den ihm zugesagten Bischof zu
weihen, erklärte Kardinal Ratzinger
- und nicht Mgr. Lefebvre - das Protokoll
für hinfällig. Es war jedenfalls
offensichtlich, daß man in Rom die
Bischöfe der Tradition nicht wollte.
In dieser Situation blieb Mgr. Lefebvre
nichts anderes übrig, als die Bischofsweihen
ohne päpstliches Mandat vorzunehmen. |
 |
 |
| War dies nicht
ein schismatischer Akt? |
 |
Nein. Bischofsweihen ohne päpstliches
Mandat stellen an sich keinen schismatischen
Akt dar. Im Kirchenrecht werden sie unter
die Kategorie "Amtsmißbrauch
und Amtsanmaßung" gezählt,
nicht unter die "Vergehen gegen die
Einheit der Kirche". Zwar können
solche Weihen auch Ausdruck einer schismatischen
Gesinnung sein, dies traf aber in diesem
Fall eindeutig nicht zu. Bei seiner Predigt
zu den Bischofsweihen am 30. Juni 1988 in
Ecône sagte Mgr. Lefebvre: "Ferne
seien von uns so erbärmliche Gedanken
wie die, uns von Rom zu trennen. Ganz im
Gegenteil, wir nehmen diese Zeremonie vor,
um unsere Verbundenheit mit Rom zu manifestieren,
um unsere Verbundenheit mit der Kirche aller
Zeiten zu manifestieren, mit dem Papst und
mit allen jenen, die die Vorgänger
der Päpste waren, die nun seit dem
Zweiten Vatikanischen Konzil leider gemeint
haben, Irrtümer annehmen zu müssen,
schwere Irrtümer, die im Begriffe sind,
die Kirche zu zerstören und das katholische
Priestertum zu vernichten." Er sprach
deshalb von einer "Situation des Notstandes"
und von einer "Operation Überleben
der Tradition". Das ist ganz klar keine
schismatische Gesinnung. |
 |
 |
| Dennoch sprach
das Motu proprio "Ecclesia Dei"
vom 2. Juli 1988 die Exkommunikation über
Erzbischof Lefebvre aus? |
 |
Die "Exkommunikation" wurde
ausdrücklich unter Bezug auf can. 1382
festgestellt, d.h. wegen unerlaubter Bischofsweihen
und nicht aufgrund von Schisma. In einem
gewissen Widerspruch dazu sprach das Motu
proprio zwar von einem "schismatischen
Akt". Wäre dies jedoch tatsächlich
der Fall gewesen, dann hätte die "Exkommunikation"
auf der Basis des can. 1364 erfolgen müssen,
d.h. wegen Schisma |
 |
 |
| Also gibt es
kein Schisma? |
 |
Natürlich nicht. Selbst Rom hat
das bestätigt. So hat etwa Kardinal
Cassidy, Vorgänger von Kardinal Kasper
als Präsident des Päpstlichen
Rats für die Einheit der Christen,
auf Anfrage eines Gläubigen mit Schreiben
vom 3. Mai 1994 geantwortet, die Frage der
Bruderschaft sei eine "interne Angelegenheit
der katholischen Kirche". Die Bruderschaft
sei "nicht eine andere Kirche oder
kirchliche Kommunität", die von
den Priester der Bruderschaft gefeierten
Messen und Sakramente seien gültig.
Von einem Schisma kann also keine Rede sein.
|
 |
 |
| Und die Exkommunikation? |
 |
Es gibt keine Exkommunikation für
die Priester der Bruderschaft und erst recht
nicht für die Gläubigen, die sich
ihr anschließen. Das hat u.a. kein
geringerer als Kardinal Ratzinger erklärt,
in einem Brief vom 28.6.1993 an Bischof
Ferrario von Hawaii. Die einzige Exkommunikation,
die jemals ausgesprochen wurde, war die
über Erzbischof Lefebvre und die von
ihm geweihten Bischöfe. Und auch deren
Gültigkeit bestreiten wir mit gutem
Grund. Denn laut can. 1323 des Kirchenrechts
tritt eine Kirchenstrafe wie die Exkommunikation
dann nicht ein, wenn jemand "aufgrund
einer Notlage oder erheblicher Beschwernis
gehandelt hat, sofern jedoch die Tat nicht
in sich schlecht ist oder zum Schaden der
Seelen gereicht" (Nr. 4). Nr. 7 desselben
Kanons legt fest, daß der Betreffende
auch dann ohne Strafe bleibt, wenn er nur
"ohne Schuld geglaubt hat", eine
solche Notlage läge vor. Selbst wenn
wir keine Notlage anerkennen würden,
so müßten wir doch Mgr. Lefebvre
wenigstens zugestehen, ohne Schuld geglaubt
zu haben, eine solche läge vor; damit
ist eine "Exkommunikation" aber
auch bereits hinfällig. |
 |
 |
| Wie wird es
mit der Bruderschaft weitergehen? |
 |
Wir blicken zuversichtlich in die Zukunft.
Etwa 480 Priester arbeiten derzeit weltweit
in unseren Prioraten und Kapellen. Unsere
Seminare haben ausreichend Zulauf. Die Situation
ist stabil. Selbst Rom mußte das anerkennen.
Erst vor kurzem gab es wieder einen Vorstoß
von seiten Roms in Gestalt des Präfekten
der Kleruskongregation, Kardinal Hoyos.
Dabei war keine Rede von Schisma und Exkommunikation.
Es ging lediglich um die Frage einer rechtlichen
Einigung, und Rom war hier zu großen
Zugeständnissen bereit. Leider war
man wieder nicht offen für die Fragen
der Tradition, insbesondere was die heilige
Messe betrifft. Daher blieben auch diesmal
die Gespräche in ihren Anfängen
stecken. Aber der Vorfall zeigt, daß
einer Einigung nichts mehr im Weg steht,
sobald Rom zur Anerkennung seiner eigenen
Tradition zurückgekehrt sein wird.
|
 |
|
 |
|
 |
|
 |
|
 |
|
 |
 |
 |
© 2006 Priesterbruderschaft
St. Pius X. - Priesterseminar Herz Jesu in Zaitzkofen |
|
 |
 |
|
|
 |
 |