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Zaitzkofen, 20. März 2010 |
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Zurück zum armen, demütigen, gekreuzigten Jesus Christus!
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Der Höhepunkt der Fastenzeit ist Christus am Kreuz. Der Gekreuzigte ist das konzentrierte Christentum, so daß Paulus sagen kann: «Ich hatte mir vorgenommen, nichts unter euch zu wissen als allein Jesus Christus und zwar als den Gekreuzigten» (1 Kor 2,2). Der Gekreuzigte ist darum auch das zentrale Predigtthema unserer Zeit. Das Wichtigste, das Nötigste und Aktuellste, was man dem Volke heute sagen kann. |
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Um die Jahrhundertwende war unter den katholischen Gebildeten von nichts mehr die Rede als von der Reform des Katholizismus. Man meinte, man müsse fortschrittlicher, zeitgemäßer, weltaufgeschlossener werden. Neue Wege suchen zum Volke statt der alten ausgetretenen Landstraßen. Da schrieb der Benediktiner, P. Godehard Geiger, eine Broschüre: «Zurück zu dem armen, demütigen, gekreuzigten Heiland Jesus Christus!» |
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Reformieren, sagt er, das heißt die ursprüngliche Form, den ursprünglichen Geist wieder herstellen und erneuern. Der ursprüngliche Geist der Kirche ist der Geist Jesu Christi, wie er im heiligen Evangelium gezeichnet wird, der Geist der Entsagung, des Kreuzes und des Opfers, wie er sich im Leben und Wandel und in der Lehre Jesu offenbart, also der Geist des armen, demütigen, gekreuzigten Heilandes Jesus Christus.
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Es gibt kein anderes Christentum als das Christentum Christi. Und das Christentum Christi ist nichts anderes als Christus, Christus als Weg, Wahrheit und Leben. Der lebendige Christus. Der persönliche und mystische Christus. Christus als Haupt und Christus in den Gliedern. Von niemandem darf man mit mehr Recht das Wort wiederholen, das einst ein Ordensgeneral sprach, als von ihm die Umgestaltung seiner Gesellschaft verlangt wurde. Aut sum ut sum aut non sum! Entweder bin ich, was ich bin, oder ich bin nicht. Entweder ist das Christentum, was Christus ist, oder es ist kein Christentum. |

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Das Christentum Christi ist die Erlösung durch den Gottmenschen. Die Religion der Gnade, des übernatürlichen Lebens und der übernatürlichen Hilfe. Die göttliche Gnade ist im Reiche Gottes und der Seele alles. Alles andere in der Welt hat nur insofern Bedeutung für das Reich Gottes, als es durch den guten Willen des Menschen zu einem Werkzeug der Gnade gemacht wird. Christus hat dieses Gesetz im Reiche Gottes aufs schärfste formuliert im Gleichnis vom Weinstock und den Reben, wenn er sagt: «Ohne mich könnt ihr nichts tun.» Alle Werke Gottes stammen aus dem Nichts und gerade dadurch erweisen sie sich als Werke Gottes. Das menschliche Nichts wird zum Siegel der göttlichen Gnade. |
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Deswegen hat Christus in seinem Erlösungswerk und bei der Gründung der Kirche auf alle Mittel verzichtet, deren man sich sonst menschlicherweise bedient, um Großes in der Welt zustande zu bringen. Er brauchte, um die Erlösung durchzuführen, die menschliche Natur und die Mittel, deren die menschliche Natur zu ihrer Existenz lebensnotwendig bedarf, das tägliche Brot und das Kleid, aber er brauchte sie nur, soweit sie Opfermaterie waren, um sie dem himmlischen Vater darzubringen. Was er nicht brauchte, was er für sich grundsätzlich ablehnte, das war das Irdische als Besitz, das Irdische als Macht und Glanz, das Irdische als Lebensgenuß. |

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Sein Geburtshaus war ein Stall. Seine Wiege eine Krippe. Der Aufenthalt seiner ersten Lebensjahre die Verbannung. Sein tägliches Brot der bescheidene Ertrag handwerklicher Arbeit und später das Almosen guter Seelen. Während der dreijährigen öffentlichen Wirksamkeit ist er heimatlos. Die Füchse haben ihre Höhlen und die Vögel ihre Nester. Der Menschensohn aber hat nichts, wo er sein Haupt hinlegen könnte. Und schließlich hängt er am Kreuz, sogar seiner Kleider beraubt und wird in ein fremdes Grab gelegt. Christus ist arm. |

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Weil die Kirche der fortlebende Christus ist, muß die Kirche arm sein. In seiner Instruktion an die Apostel verordnet Jesus: «Ihr sollt weder Gold noch Silber noch anderes Geld als Eigentum in euren Gürteln tragen. Auch keine Tasche auf dem Weg, noch zwei Röcke, noch Schuhe, noch Stab» (Mt 10.9-19). Allerdings braucht die Kirche und ihr Priestertum zur Erfüllung ihrer Aufgabe ein gewisses Maß von irdischen Gütern und Hilfsmitteln, aber nur als Mittel zum Zweck. Nur was notwendig ist. Wer aber nur das hat, was notwendig ist, ist arm. |

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Langbehn spricht von einer speziellen Erbsünde im Menschentum des Katholizismus. Sie heißt «zuviel Fett». … Es ist nicht gut, wenn die Kirche fett wird. Wenn sie nicht die innere Kraft zur Selbstentfettung aufbringt, dann läßt der liebe Gott es immer wieder von Zeit zu Zeit zu, daß die Entfettung im Interesse der Gesundheit vom Staat oder von der Revolution mit Gewalt vorgenommen wird. Unrecht bleibt dabei Unrecht, aber sie kann zur culpa felix werden. Gott weiß aus den Sünden der Staaten und der Völker für die Kirche Nutzen zu ziehen. Sie ist nachher jünger und frischer und stärker. |

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Christus war demütig. |

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Der Grundirrtum, der seit dem Sündenfall in den Köpfen der Menschen ist, besteht darin, daß sie meinen, sie seien Götter. Christus betrachtete es als seine erste Aufgabe, diesen Grundirrtum zu korrigieren. «Er, dem die Gottesgestalt eigen war, glaubte nicht, über seine Gottgleichheit wie über einen Raub wachen zu sollen. Vielmehr entäußerte er sich, nahm Knechtsgestalt an und wurde den Menschen gleich. Dem Äußeren nach als Mensch befunden erniedrigte er sich und ward gehorsam bis zum Tod, ja bis zum Tod am Kreuz.» So Paulus an die Philipper (2,6-8). Das Wichtigste, was der Mensch vom Menschen wissen muß, ist das Aus-sich-nichts-Sein. Das Kleinsein. Und dieses Kleinsein als Grundwahrheit vom Menschen hat Jesus vorgelebt von der Krippe bis zum Kreuz. |

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Die Demut mußte darum auch das Grundgesetz des Christentums werden. Paulus führt diesen Gedanken in wunderbarer Form aus in seinem ersten Korintherbrief: «Betrachtet nur die Berufenen unter euch, Brüder! Da findet ihr nicht viel Weltweise, nicht viel Mächtige, nicht viel vornehme Leute. Gott erwählte solche, die vor der Welt als Toren gelten, um die ‚Weisen’ zu beschämen. Und er erwählte solche, die vor der Welt als machtlos gelten, um die ‚Starken’ zu beschämen. Und solche, die als niedrig, ja als nichts gelten vor der Welt, erwählte er, um jene zu beschämen, die Geltung haben. Es soll eben kein Mensch vor Gott sich selbst rühmen!» (1 Kor 1,26). Macht und Glanz spielen im Reiche Gottes keine ausschlaggebende Rolle. |

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Daraus ergibt sich, was für seelengewinnende Kraft in der Kulturarbeit, in Kunst und Wissenschaft und technischem Fortschritt liegt. Das Christentum will die Kultur. Niemand hat mehr für sie getan als die Kirche. Aber es wäre verhängnisvolle Täuschung, zu glauben, daß man mit feiner Bildung und glänzender Wissenschaft, mit politischer Macht und durch imponierende Leistungen auf dem Gebiet der Technik die Seelen für Christus erobern könne. Wer aufmerksam das Evangelium liest, der weiß, daß Christus diese Dinge nicht verachtet, aber mit keinem dieser Mittel, sondern nur durch die Heiligkeit seines Lebens, die Majestät seiner Wunder und die überzeugende Kraft seines Wortes, also durch die Macht des Übernatürlichen, die Fernstehenden gewonnen hat. |

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Christus hing am Kreuz. |

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Eigentlich immer. Wir würden es geradezu als Gotteslästerung betrachten, wollte einer ihn als «den Mann der Freuden» bezeichnen. Wir können ihn uns nur als «Mann der Schmerzen» vorstellen. Und Kreuz und Opfer als seine Begleiter. Davon kam ja alle Sünde und alle Schuld, daß der Mensch sich selber suchte und dadurch Gott und den Nächsten vergaß. Also aus dem Egoismus. Die Erlösung aus dem Egoismus kann nur geschehen durch sein Gegenteil. Und das Gegenteil von Selbstsucht ist Selbstlosigkeit und Uneigennützigkeit. Selbstlosigkeit um jeden Preis. Selbstlosigkeit bis zum Tod am Kreuz. Das ist Christus gewesen. Der absolut Selbstlose. |
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Wie Christus, so das Christentum. Es ist bekannt, wie die Welt, besonders in unserer Zeit, der katholischen Kirche fortgesetzt den Vorwurf macht, sie verfolge bei dem Kampf für ihre Rechte und für die Seelen nur selbstsüchtige Zwecke. Die Kirche von heute besitzt nur ein Mittel, den Glauben der modernen Menschheit an ihre Liebe wieder zu erzwingen. Das Mittel nämlich, daß sie wie Christus aufs Kreuz hinauf steigt. Daß sie sich verspotten läßt. Daß sie mit absoluter Selbstlosigkeit, arm wie Christus geworden, dennoch fortfährt, Wohltaten zu spenden und für die Feinde zu beten. Dann wird sie auferstehen! Der Weg der Kirche zum Triumph führt über Golgotha. Zum armen, demütigen, gekreuzigten Heiland Jesus Christus. |

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