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Liebe Gläubige!
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Nachfolgend drucken wir die Predigt
von S.E. Weihbischof Tissier de Mallerais
ab, die er anlässlich der Spendung
der Niederen Weihen am 1. Februar hier im
Seminar gehalten hat. Die bischöflichen
Worte legen nicht nur die Bedeutung der
verschiedenen Weihestufen zum Priestertum
dar, sondern sie nehmen auch Stellung zur
so genannten Hermeneutik der Tradition und
des zweiten Vatikanischen Konzils, welche
durch die
jüngsten päpstlichen Verlautbarungen
wieder besonders ins öffentliche Interesse
gerückt geworden ist.
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| Liebe Weihekandidaten! |
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Ihr wisst, dass die Kirche die Diakonatsweihe
in mehrere Stufen eingeteilt hat, nämlich
in das Subdiakonat, Akolythat, Exorzistat,
Lektorat und Ostiariat. Das Subdiakonat
wird bereits als eine höhere Weihe
betrachtet, neben dem Diakonat und der Priesterweihe. |
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Die niederen Weihen in aufsteigender
Reihenfolge sind also:
· Ostiarier (Pförtner)
· Lektor
· Exorzist
· Akolyth |
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Alle diese Weihen, sowohl die Niederen
als auch die Höheren sind, gemäß
der Lehre des hl. Thomas von Aquin, Teile
des Sakramentes der Priesterweihe, auch
wenn die Niederen Weihen und das Subdiakonat
kein Merkmal in der Seele einprägen,
wie das Diakonat und das Priestertum. |
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Die Niederen Weihen erteilen bereits
besondere Vollmachten, welche im Diakonat
und selbstverständlich im Priestertum
enthalten sind.
Sie sind auch die verschiedenen, aufsteigenden
Stufen der heiligen Hierarchie der Kirche,
die schrittweise auf das Priestertum vorbereiten.Lasst
mich nur einige der besonderen Vollmachten
des Ostiariers und des Akolythen auslegen. |
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| I. Die Weihe des Ostiariers |
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Die Ostiarier bekommen drei hervorragende
Aufgaben: |
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- die Glocke läuten
- die Kirche und die Sakristei aufschließen
- das Buch aufschlagen für den, der
vorliest und predigt. |
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Und zum Zeichen dieser dreifachen Voll-macht
werdet Ihr die Schlüssel der Kirche
empfangen, ihre Türe öffnen und
die Glocke läuten.
Die Ostiarier mussten die Türen der
Kirche bewachen, um die Heiden daran zu
hindern, einzudringen und die hl. Geheimnisse
zu entweihen.
Heute sollte die Aufgabe der Ostiarier darin
bestehen, öffentliche Sünder aus
dem Altarraum fernzuhalten und ebenso schlecht
gekleidete Personen am Eintritt in die Kirche
zu hindern. |
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Natürlich dürfen die Ungläubigen
in der Kirche toleriert werden, wenngleich
an sich alle Heiden, Mohammedaner, Juden,
sogar Nicht-Katholiken keinen Zugang zur
Mitfeier der Mysterien haben dürfen.
Denn die Teilnahme an den Zeremonien der
Kirche Jesu Christi setzt zwei Bedingungen
voraus: |
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a) den Taufcharakter
b) den katholischen Glauben. |
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1. Der Taufcharakter |
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Bezüglich des Taufcharakters lehrt
der hl. Thomas, er verähnliche den
Christen mit Jesus Christus dem Priester;
in einer ersten Stufe für alle Gläubigen
gleich, aber wurzel-haft verschieden vom
eigentlichen Priestertum des geweihten Priesters.
Nun aber beauftragt der Taufcharakter den
getauften Christen mit dem Gottesdienst
nach dem Ritus der christlichen Religion
dergestalt, dass ohne diesen Charakter keine
gottgefällige Form des Kultes Gott
dargebracht werden kann. Darin besteht gerade
der erste Unterschied zwischen Christen
und Nicht-Christen. |
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2. Auch der zweite Unterschied ist bedeutsam:
die theologische (oder göttliche) Tugend
des Glaubens ist notwendig, um Gott zu gefallen.
„Accedentem ad Deum oportet credere“,
sagt der hl. Apostel Paulus, „Wer
Gott naht, muss glauben, dass Er ist und
dass Er denen, die ihn suchen, ein Vergelter
ist“ (Hebr 11,6). Mit einbegriffen
sind hier die Geheimnisse der Allerheiligsten
Dreifaltigkeit und der Erlösung und
auch der heiligen Menschwerdung. Folglich
bleibt denen, die über diese Glaubensgeheimnisse
nicht den rechten Glauben haben, kein Platz
in der Versammlung der Gläubigen, die
vereint sind für den göttlichen
Kult. |
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Die Aufgabe des Ostiariers erinnert uns
an die nötige Reinheit unseres Glaubens.
Mit der Abschaffung des Ostiariates nach
dem Zwei-ten Vatikanischen Konzil, verliert
man den Sinn für den Unterschied zwischen
getauften und nicht getauften, zwischen
Gläubigen und Nicht-Gläubigen.
Unter diesen Umständen erstaunte es
nicht, den
vergangenen Papst zu hören, wie er
eine naturalistische und transzendentale
Re-Interpretation des Dogmas der Erlösung
dargestellt hat: wie das Kreuzesopfer Jesu
Christi der unentgeltliche Beweis der unveränderten
Liebe Gottes zum sündigen Menschen
ist – Punkt Schluß! Im neuen
österlichen „Exsultet“
sollte nicht mehr „O felix culpa,
quae talem ac tantem meruit salvatorem –
O glückliche Schuld, die einen so
großen, so erhabenen Erlöser
zu erhalten verdiente“ gesungen werden,
sondern „O glückliche Menschen-würde,
welche du einen solchen Erlöser verdient
hast!“ In dieser neuen Interpretation
wird der Glaube angeblich befruchtet und
bereichert durch eine neue „Lebensbeziehung“
zwischen dem Glauben und dem heutigen modernen
Denken. |
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Führen wir ein zweites Beispiel
der vom Zweiten Vatikanischen Konzil vorgestellten
Hermeneutik (Auslegung/Interpretation) an:
Die Päpste des 19. Jahrhunderts hätten
nur den bösen, gewalttätigen Liberalismus
verurteilt, welcher Christus keinen Platz
mehr in der zivilen Gesellschaft belässt,
aber diese Päpste hätten nicht
den guten, sanften Liberalismus verurteilt,
welcher die sittliche Weite des Christentums
oder besser gesagt, die großen sittlichen
vom Christentum eröffneten Quellen
dem konfessionslosen Staat inspiriert. Die
Re-Interpretation der Vergangenheit unter
dem Licht der Gegenwart wäre eine Forderung
der Hermeneutik, und somit müsste man
die Lehre der Kirche revidieren, die vergangenen
Verurteilungen läutern und die Tradition
der Kirche neu sichten. |
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Vielleicht denkt Ihr, liebe Weihekandidaten,
dass ich mich weit entfernt habe von der
Aufgabe des Ostiariers … Nun gut,
werfen wir jetzt einen Blick auf die Aufgabe
des Akolythen … |
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| II. Die Weihe der Akolythen |
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Der Akolyth muss – gemäß
dem römischen Pontifikale – |
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- den Leuchter tragen
- die Lichter der Kirche anzünden
- Wein und Wasser bei der heiligen Messe
darreichen. |
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Selbstverständlich ist die dritte
Aufgabe die erhabenste, weil der Akolyth
damit die Materie des heiligen Meßopfers
bereitet, die Materie, welche durch die
Transsubstantiation in das kostbare Blut
Jesu Christi verwandelt werden wird! Somit
erhält der Akolyth schon eine gewisse
Vollmacht über den wahren physischen
Leib Jesu Christi und nicht nur –
wie bei den übrigen Niederen Weihen
– über den mystischen Leib unseres
Herrn Jesus Christus. |
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Die Mahnung des Bischofs an die zu weihenden
Akolythen ist sprechend mit den Worten des
hl. Apostels Paulus ausgedrückt: |
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„Inmitten eines gottlosen und verkehrten
Geschlechts leuchtet wie Lichter in der
Welt, bewahrend das Wort des Lebens. Eure
Lenden seien daher umgürtet und brennende
Lampen in euren Händen, auf dass ihr
Kinder des Lichtes seid. Schüttelt
ab die Werke der Finsternis und ziehet an
die Waffen des Lichtes!“ – Was
ist dieses Licht? Es ist das Licht eurer
guten Werke, eurer Tugenden und besonders
das Licht eures Glaubens. Das Schlussgebet
lautet: „O Gott … würdige
Dich, diese deine Diener zu segnen …
dass Du ihren Geist mit dem Lichte der Wissenschaft
erleuchten und mit dem Tau deiner Frömmigkeit
befeuchten wollest.“ |
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Es ist klar, die echte Frömmigkeit
und die wahre Wissenschaft bestehen zuallererst
in der Treue zum katholischen Glauben und
zur Tradition der Kirche. Das erste Licht,
das ihr, liebe Weihekandidaten, vorantragen
sollt, ist das Licht des unversehrten katholischen
Glaubens, befeuchtet mit dem Tau der Demut
und der Unterwerfung unter die Tradition,
ganz entgegengesetzt dem Hochmut und der
Anmaßung der Neuerer! |
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Unter dem Vorwand einer erneuerten Synthese
zwischen dem christlichen Glauben und dem
modernen Denken wollten diese Neuerer die
Religion vorwärtsschreiten lassen durch
die Aneignung der „besten Werte von
zwei Jahrhunderten liberaler Kultur“
(Kardinal Ratzinger, Interview mit Vittorio
Messori in Jesus, 1985). „Es sind
offen gestanden Werte, die außerhalb
der Kirche geboren sind, in einem der Kirche
entgegengesetzten Klima hervorgegangen (und
sogar mit einigen Verurteilungen des Lehramtes
der Kirche belastet!); aber sie können,
einmal gereinigt und revidiert, ihren Platz
finden in der Weltanschauung der Kirche.“
„Dies ist möglich, und das ist
es, was getan wurde“ (während
des Zweiten Vatikanischen Konzils). |
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Beispielsweise dürfe der Wert der
menschlichen Würde sehr wohl seinen
Platz finden im Martertod der Blutzeugen.
Man darf auf das Zeugnis der Martyrer zurückschauen
und einen neuen Wert ausfindig machen: Die
Martyrer sind nicht nur für den Namen
Jesu gestorben, sondern auch zum Zeugnis
für die menschliche Würde und
für die Gewissensfreiheit des Menschen
angesichts der Gewalt der Verfolger. Und
der hl. Blutzeuge Justinus hätte diese
Gewissensfreiheit in seiner Apologie beansprucht!
Wir müssen dagegen vermuten, dass der
hl. Justinus die christliche Gewissensfreiheit
beansprucht hat und nicht irgendeine Gewissensfreiheit,
die für die Wahrheit wie auch für
den Irrtum gälte! Er hat die echte
Freiheit beansprucht, den Namen Jesu Christi
zu bekennen! |
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Dies war auch die Haltung des hl. Ignatius
von Antiochien, den wir heute feiern! Ich
zitiere ihn aus dem Brevier: |
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„Ach, läge ich doch schon
vor den wilden Tieren, die für mich
bereit gehalten werden; ich werde sie bitten,
recht schnell meinen Tod und meine Hinrichtung
zu besorgen; ich will sie reizen, dass sie
mich zerreißen (…) Nun fang
ich an, ein Jünger Christi zu werden;
ich will nichts mehr von dem, was sichtbar
ist auf Erden; nur Jesus Christus möchte
ich finden. Feuer, Kreuz, wilde Tiere, Zertrümmerung
der Knochen, Zerstückelung der Glieder
und des ganzen Körpers, Zermalmung,
alle Foltermittel des Teufels, alles mag
über mich kommen, wenn ich nur Christus
besitze.“ |
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Er schrieb diese starken Worte seiner
Vorliebe für unseren Herrn Jesus Christus
in seinem Brief an die Römer, von Smyrna
in der Türkei. |
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Liebe Weihekandidaten, will einer von
euch das Feuer, das Kreuz, die wilden Tiere,
das Zerschlagen der Gebeine, das Zerteilen
der Glieder und das Zermalmen des ganzen
Leibes erleiden für die Würde
der menschlichen Person, die ihr darstellt?
Nein! Ihr wollt schlicht und einfach für
Jesus Christus leben und sterben. Ihr seid
katholisch, nicht transzendental! Der hl.
Ignatius hat nur dies gewollt: Wie ein Brot
gegessen zu werden, um wirklich das Brot
Christi zusammen mit dem Brot des heiligen
Meßopfers zu werden. |
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Werfen wir kühn diese abscheulichen
Versuche der Hermeneutik zurück. Weisen
wir diese profane Mischung des Glaubens
mit dem modernen Denken zurück. „Der
Glaube ist keine philosophische Erfindung“,
sagt Papst Pius IX., „die wir durch
den unbegrenzten Fortschritt des Verstandes
vervollkommnen dürften.“ |
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Der wahre Fortschritt der kirchlichen
Lehre besteht nicht darin, dem Glaubensgut
profane Irrtümer einzuverleiben, sondern
die Glaubenswahrheit klarer und genauer
zu erfassen und deutlicher auszudrücken
– wie es der selige Papst Pius IX.
in seiner Bulle über die Definition
des Dogmas der Unbefleckten Empfängnis
Mariae erklärt. |
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Die echte „Sacra Doctrina“,
die echte Theologie besteht nicht in dem
Versuch, den Glauben mit dem irrigen Denken
der modernen, idealistischen Philosophie
zu versöhnen, sondern sie besteht im
demütigen Dienst der Philosophia perennis,
der immerwährenden Philosophie, an
der Lehre des Glaubens, in der Schule des
hl. Thomas von Aquin. Die Grundsätze
der wunderbaren Synthese der Theologie des
engelgleichen Doktors sind, so sagen die
Päpste Leo XIII., Pius X. und Pius
IX., das beständige Mittel, um die
Irrtümer aller Zeiten zu entdecken
und zu widerlegen. |
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„Seid Licht im Herrn“, liebe
Weihekandidaten; seid Licht für die
Ehre Jesu Christi und nicht für die
Verherrlichung einer verfälschten menschlichen
Würde! Seid Licht durch eure gesunde
Lehre in der Schule des hl. Thomas von Aquin,
zur Ehre Christi des Königs und ewigen
Hohenpriesters. Amen.
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