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Briefe und Bücher / Wochenbrief
Nr. 3 aus 2006 |
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Liebe Gläubige!
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Durch die gesalbten Hände von
S.E. Weihbischof Tissier de Mallerais wurde
unserem Seminar am 1. und 2. Februar reicher
Gnadensegen zuteil. Im Rahmen des feierlichen
Pontifikalamtes an Maria Lichtmess empfingen
die fünf neuen Seminaristen des ersten
Jahres das vom Bischof gesegnete geistliche
Gewand, fünf weitere wurden tonsuriert
und somit in den Klerikerstand aufgenommen.
Tags zuvor erteilte der Bischof die Niederen
Weihen zu Ostiariern und Akolythen sowie
zu Exorzisten und Lektoren an vier Seminaristen.
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Ein Blick auf die Herkunftsländer
der promovierten bzw. geweihten Seminaristen
offenbart uns sehr schön den internationalen
Charakter unserer Priesterbruderschaft:
unter ihnen finden sich drei Polen, drei
Schweizer, zwei Deutsche, zwei Tschechen,
ein Belgier, ein Italiener, ein Österreicher
und ein Schwede. Die heiligste Jungfrau
Maria, die Mutter der Priester, segne unsere
Priesteranwärter und führe sie
zu den lichten Höhen des Priestertums.
Nachstehend veröffentlichen wir die
kraftvolle und klare Predigt vom 2. Februar: |
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| Liebe Seminaristen! |
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Was ist die Soutane, die Ihr heute mit
Freude annehmt? |
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Was ist die Tonsur, die Ihr, liebe neue
Mitglieder der Priesterbruderschaft St.
Pius X., heute empfangt? |
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Mit einem Wort: die Soutane und die Tonsur
sind ein Zeichen des Widerspruchs für
die Welt. |
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Laßt mich es Euch erklären. |
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| I. Die Soutane |
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1. Sie ist das Gewand des Klerus und
des Priesters. Ihre schwarze Farbe, ihre
Weite, ihre Länge bedeuten das Gewand
unserer Sterblichkeit und den Tod des alten
Menschen, des Menschen der Sünde, der
sterben muß, damit Christus in uns
lebe. Es ist das Kleid der Trauer und bedeutet,
daß Ihr die Welt verlaßt, um
euch dem Dienst Gottes zu weihen, dem Gottesdienst.
Wie zu seinen Aposteln, spricht unser Herr
Jesus Christus heute auch zu euch: „Ich
nehme euch nicht aus der Welt heraus, aber
ihr seid nicht von der Welt.“ |
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Die Soutane in sich selbst ist eine Predigt,
sagt Erzbischof Lefebvre in den Statuten
der Priesterbruderschaft: „Die Soutane
ist ein Zeugnis, eine Predigt. Sie vertreibt
die bösen Geister und diejenigen, die
ihnen unterworfen sind. Sie zieht aufrechte
und religiöse Menschen an. Sie erleichtert
das Apostolat sehr.“ |
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Dagegen wurde die Haltung jener Priester,
die vor vierzig Jahren (1962-1965), in der
Zeit des unglücklichen Konzils, die
Soutane ablegten und – wie man auf
französisch sagt – sie in die
Brennesseln warfen! Ein unglückliches
Beispiel davon war in meiner eigenen Familie,
ein Cousin meiner Mutter, der Jesuitenpater
war. Als meine Mutter ihm einmal begegnete,
sagte sie zu ihm: „Na … Du trägst
nicht mehr die Soutane?“ Er antwortete:
„Nein. Die Soutane belästigte
mich. Jetzt bin ich frei.“ |
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Im Gegenteil, liebe Seminaristen, mit
meiner Soutane spricht man mich gerne an,
und ich kann frei von Gott und Jesus sprechen.
Die Soutane löst die Zungen! meine
Zunge und die Zungen der anderen. Die Soutane
ist das einfachste Apostolatsmittel. Aber
wahr ist, daß die Soutane eine Hemmung
ist, für jene, die sich an die Welt
anpassen wollen! Jene, die den Weltgeist
nicht mehr bekämpfen wollen. Das ist
klar, die Soutane ist ein Zeichen des Widerspruchs
für die Welt. Die Menschen werden sich
an ihr und an euch entscheiden: Diejenigen,
die den Grundsätzen der Welt folgen
und von bösen Geistern inspiriert sind,
werden eine Soutane kritisieren und sich
über euch lustig machen. Lasset die
Wölfe heulen! Die anderen verstehen,
auch wenn ihnen die schwarze Soutane ein
wenig Furcht einflößt, sie verstehen
die Soutane, das ist ein wenig das Kreuz!
Der Priester trägt die Soutane wie
er das Kreuz trägt, denn er ist ein
Kreuzträger. |
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2. Leider hat das Zweite Vatikanische
Konzil diesen Geist, diese Spiritualität
verfinstert mit seiner Evangelien-feindlichen
Maxime der Öffnung zur Welt. Das Salz
der Erde verlor seine Kraft (Mt 5, 13);
Licht hat sich zur Finsternis gesellen wollen
(2 Kor 6, 14); man hat die Kirche sich dieser
Welt gleichförmig machen lassen (vg.
Röm 12, 2) und man hat die Mahnung
des hl. Apostels Johannes vergessen: „Habet
die Welt nicht lieb, noch das, was in der
Welt ist“ (1 Jo 1, 15). Dieses Motto
der Öffnung zur Welt hat bewirkt, daß
man in der Lehre der Kirche zu den erlösenden
Werten auch humanistische Aspekte hinzugefügt
hat. |
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Zum Beispiel schrieb der junge Theologe
Joseph Ratzinger „daß Jesus
Christus der Mann ist, der am meisten Mann
ist und somit sollte die Theologie auch
Anthropologie machen“. Und der junge
Theologe de Lubac schrieb ebenso: „Durch
die Menschwerdung ist die menschliche Person
in ihrer hervorragenden Statur über
die Welt hervorgegangen.“ |
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3. Unter dem Licht der Öffnung zur
Welt hat man auch die Natur der Kirche uminterpretiert:
sie ist nicht nur die sichtbare, einzige
und notwendige Gesellschaft des Heiles,
sondern auch ein Zeichen der heilsamen Einheit
und ein Vorbild der planetarischen Einheit
der Menschheit (vgl. Lumen gentium 1, 9,c).
Und dann hat die „Zeichen-Kirche“
den Sieg über die „Gesellschafts-Kirche“
davongetragen; die Mission der Kirche hatte
nicht mehr neue Nationen in den mystischen
Leib Christi einzugliedern, sondern von
sich selber im Fernsehen sprechen lassen.
So ist es leichter! |
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4. Die anti-evangelische Maxime der Öffnung
zur Welt hat auch das Dogma der Erlösung
uminterpretiert: Das Leiden des Erlösers
wurde nicht mehr als Sühneopfer der
Gerechtigkeit Gottes für unsere Sünden
dargebracht, sondern bloß als unentgeltlicher
Beweis der unveränderten Liebe Gottes
gegenüber den sündigen Menschen.
Auf diese Art wird die Gerechtigkeit Gottes
nicht öffentlich geleugnet, sondern
nur verschwiegen, und dies genügt um
häretisch zu sein und Häretiker
zu machen, durch diese „transzendentale
Re-Interpretation“ der Erlösung. |
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5. Die Evangelien-feindliche Maxime der
Öffnung zur Welt hat auch die Liturgie
der hl. Messe uminterpretiert. Die Predigt
des „Mysterium pascale“ - des
„österlichen Geheimnisses“
hat das Kreuz Christi verschwinden lassen
hinter der Auferstehung Christi. Das Kreuz
wurde als „negativ“ angesehen
und die Auferstehung als „positiv“,
als Quell des christlichen Lebens. Der Sinn
für das Opfer, welcher der authentische
christliche Geist ist, verschwand mit dem
Ordensleben und dem Ordenskleid. Die hl.
Messe wird die Vergegenwärtigung aller
Geheimnisse Jesu Christi und nicht nur die
unblutige Aktualisierung der Tat des Leidens
und des Todes Christi. Bei dieser neuen
Auffassung handelt es sich um das Erleben
der Gemeinschaft unter dem Vorsitz des Priesters,
welcher handelt als Stellvertreter Christi,
des Hauptes des Volkes Gottes; bei der traditionellen
Auffassung hingegen handelt es sich um eine
Opfertat, „actio sacrificalis“,
vom Priester dargebracht in der Person Jesu
Christi, des ewigen Hohenpriesters, seines
einzigen Opfers. |
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Somit hat die reale, tatsächliche
und sakramentale Erneuerung oder Aktualisierung
des Kreuzesopfers den Platz gelassen für
ein geistiges Gemeinschaftserlebnis von
Geheimnissen, deren nur neu gedacht werden
in der Versammlung des Volkes Gottes. Daher
die Benutzung der Volkssprache, das Umdrehen
der Altäre, das Verschwinden der Messen
ohne Volk und die Ausbreitung der Konzelebration. |
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6. Mit seiner Maxime der Öffnung
zur Welt hat die Liturgiereform die hauptsächliche
Quelle der göttlichen Gnade ausgetrocknet,
oder besser gesagt, die Wasserleitungen
der Gnade verstopft. Sie hat auch den Gläubigen
den Sinn der Sünde und den Geschmack
für das Abbüßen und für
die Tilgung verlieren lassen. Die erste
Frucht der hl. Eucharistie, der Opfergeist
für die Königsherrschaft Christi,
wurde weggeworfen. Diesen Opfergeist findet
man heute nur bei jenen Katholiken, die
sich durch die Teilnahme im wahren Meßopfer
heiligen. Das integrale christliche Leben
wird heute fast nur gelebt bei jenen Christen,
die praktisch an die Gottheit Jesu Christi
glauben und folglich an sein Königtum
und sein Priestertum. |
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7. Die verhängnisvolle Maxime der
Anpassung an die Welt hat auch die Einrichtung
der christlichen Ehe tödlich verwundet
durch die Gleichsetzung der beiden Zwecke
der Ehe auf dem Konzil und im neuen Kirchenrecht.
Und es ging sogar soweit, daß der
neue Kodex des Kirchenrechts das „Wohl
der Ehegatten“ über die Zeugung
und die Erziehung der Kinder gestellt hat!
(Vgl. Kodex, Jg. 1983, can. 1055, §1).
Diese logische Interpretation des Konzilstextes
Gaudium et spes (n. 48, 1) wurde die erste
Ursache der kinderlosen Familien. Das erste
Gebot der Ehegatten, ich meine „crescite
et multiplicamini!“, dieses göttliche
Gebot: „Seid fruchtbar und mehret
euch, füllet die Erde …“
(Gen 1, 28) wurde ersetzt durch die Maxime
des Hedonismus: „Erfreuen Sie sich,
genießen Sie das Leben und die Liebe
und entfalten Sie somit Ihre Persönlichkeit.“
Mit dieser Mischung, diesem „Remake“
des Glaubens mit der modernen personalistischen
Denkweise wurde die christliche Ehe in die
Sterilität, in die Unfruchtbarkeit
geführt. Aber Dank sei Gott, durch
die Predigten und das Werk unseres verehrten
Gründers, Erzbischof Lefebvre, wurde
das Erbe des christlichen Geistes gerettet,
und Ihre Familien, liebe Gläubige,
mit Ihren mehreren Kindern, mit unseren
ganz katholischen Schulen sind das Zeichen
des Sieges des Lebens, der Fruchtbarkeit
und der Gnade und die beste Versicherung
für die Zukunft der Kirche. Und besonders
erfreulich sind die guten Früchte der
Priester- und Ordensberufungen in unseren
lieben kinderreichen Familien. |
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| II. Laßt mich noch kurz
von der Tonsur sprechen |
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Die Tonsur, liebe Tonsuranwärter,
ist noch keine heilige Weihe; sie ist nur
ein „Sakramentale“ und eine
Beförderung („promovendi“)
für die Ernsthaftigkeit eures Lebens
als Seminaristen; sie ist auch ein Tor zu
den heiligen Weihen. Sie kennzeichnet den
Eintritt in den Klerikerstand. Klerus heißt
ja „pars Domini“, Anteil des
Herrn. Als Kleriker seid ihr dem Dienst
an der Kirche und seinen heiligen Handlungen
geweiht. Der Bischof wird euch ein paar
Haarlocken abschneiden. Zunächst in
der Urkirche und auch heute wieder gelten
für Männer die langen Haare als
ein Zeichen von Unkultiviertheit. Die Haare
kurz zu tragen ist ein Zeichen der Zivilisation.
Das Abschneiden von fünf Haarlocken
bedeutet, nach den Worten des Pontifikale
„das Ablegen der Schande der Welt“. |
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Dieses Wort mag übertrieben erscheinen.
Aber es wird zur Realität, wenn ein
ganzer Teil der männlichen Jugend in
ein verweichlichtes Benehmen verfällt.
Gewiss müssen die Kleriker heute, mehr
als alle, Männlichkeit und männliche
Tugend zeigen. Aber eine andere Tugend des
Klerikers ist sicher die Demut! Auch wenn
ein Kleriker durch den Empfang der Tonsur
und der Soutane auf eine höhere Stufe
als die Laien gestellt ist, muß er
sich noch durch eine größere
Demut und Einfachheit empfehlen! Ihre Soutane,
liebe Kleriker, erzeugt von sich aus Respekt.
Möge euer Verhalten durch eure Demut
und Milde das Vertrauen und die Hochschätzung
der Gläubigen erwecken. Eure ganze
Würde als Kleriker muß im Inneren
eurer Seele zu finden sein. |
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„Dominus pars mea et ego pars Domini“,
müsset ihr sagen. „Der Herr ist
mein Anteil und mein Erbteil, und ich bin
ein Anteil des Herrn.“ Ich gehöre
dem Herrn, ich bin dem Herrn geweiht. Ich
gehöre auch zur klerikalen Miliz. Heute,
liebe Tonsuranwärter, wird eure Inkardination
in der Priesterbruderschaft St. Pius X.
wirksam. |
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Der Bischof wird über euch dieses
schöne Gebet beten: „Laßt
uns beten, geliebte Brüder, zu unserem
Herrn Jesus Christus für diese seine
Diener, die sich beeilen, aus Liebe zu Ihm,
ihr Haupthaar abzulegen, daß er ihnen
verleihe den Heiligen Geist, der das Gewand
der Gottesfurcht an ihnen auf ewig bewahre
und ihre Herzen vor den Fesseln der Welt
und vor der irdischen Begierlichkeit behüte
(…) damit Er ihre Augen von aller
geistlichen und menschlichen Blindheit heile
und öffne, und das Licht der ewigen
Gnade ihnen verleihe …“ |
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Diese moderne Blindheit der Geister,
durch eine idealistische, personalistische
Philosophie in die Lehre des Lehramtes eingedrungen,
müßt Ihr, liebe Kleriker von
ganzem Herzen verwerfen, und Ihr müßt
dagegen die helle und klare Lehre des engelgleichen
Doktors, des hl. Thomas von Aquin pflegen,
lieben und Euch aneignen, damit ihr ein
wahres Licht mit Christus seid „Lumen
ad revelationem gentium“, durch die
allmächtige Vermittlung der Gnade Mariens.
Amen.
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© 2006 Priesterbruderschaft
St. Pius X. - Priesterseminar Herz Jesu in Zaitzkofen |
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