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Briefe und Bücher / Wochenbrief Nr. 02 aus 2010 DruckversionDruckversion
 
Zaitzkofen, 6. Feb. 2010

Ihr müsst denken!

Fastenzeit ist Examenzeit. Und Ostern mit der Osterbeicht und der Osterkommunion das abschließende Reife-Zeugnis dazu. Ob wir reif sind für den Himmel oder die Hölle. Examenzeit ist immer eine ernste Zeit. Es geht um die Zukunft. Und hier geht's dazu um die ewige Zukunft. Fastenzeit darf darum nicht irgendeine spurlos an uns vorübergehende Zeit des Kirchenjahres sein. Sie muss zum ureigenen persönlichen Erlebnis werden.

Zuerst einmal die Zeit, wo wir wieder katholisch denken lernen. Der Mensch ist Mensch, weil er denkt. Dadurch unterscheidet der Mensch sich von der ganzen materiellen Schöpfung. Das Materielle denkt nicht. Die Pflanze denkt nicht. Das Tier denkt nicht. Der Mensch denkt. Dadurch unterscheiden sich die Menschen von den Menschen: Es gibt Heiden, weil es Menschen gibt, die materialistisch denken. Es gibt Christen, weil es Menschen gibt, die wie Christus denken. Es gibt Katholiken, weil es Menschen gibt, die wie die katholische Kirche denken. Was die Menschen spezifiziert und differenziert, das sind in erster Linie ihre Gedanken. Der Mensch ist, was er denkt.

Wir müssen eine weitere Unterscheidung machen. Es gibt Menschen, die einen Gedanken anfangen, aber nicht durchdenken bis zu den letzten Konsequenzen. Die Logik fehlt ihnen. Die Folgerichtigkeit. Sie beten das katholische Glaubensbekenntnis. Aber der Glaube lebt bei ihnen nur im Unterbewusstsein. So im Halbschlaf. Im Oberbewusstsein ist es, als ob sie Heiden wären. Ihre Alltagsgedanken beschäftigen sich nicht oder äußerst selten mit Gott, Christus, Kirche, Ewigkeit, sondern nur mit Essen, Trinken, Schaffen, Spielen, Schlafen. Diese Menschen haben Augen und sehen nicht, Ohren und hören nicht. Kurz, es sind Katholiken, die nicht katholisch denken können.

Diese Katholiken bilden heute die Mehrzahl. Die religiöse Unwissenheit, hat Kardinal Mermillod schon geschrieben, ist eine der schrecklichsten modernen Tatsachen. «Die Idee des Übernatürlichen, wer hat sie noch? Sie existiert fast nicht mehr». Der Alltag wird von den materialistischen, von den liberalen und sozialistischen Ideen beherrscht, aber nicht von der katholischen. Nehmen wir irgend eine Stunde heraus aus dem Alltag. Wie viel Übernatürliches findet sich darin? Wieviel vom Gedanken an die Gegenwart Gottes? Wieviel Ewigkeitsorientierung? Mermillod hat recht gehabt: Praktisch existiert das Übernatürliche fast nicht mehr. Das ist eine der Ursachen, warum der Katholizismus so wenig Durchschlagskraft hat. Die katholischen Ideen sind eben nicht mehr in der Luft. «Die Wahrheit mindert sich unter den Menschenkindern» (Ps 11,2).

Was müssen wir also machen? Die Leute wieder erziehen zum katholischen Denken, zum katholischen Nachdenken. Wie aber geschieht das? Durch das katholische Vor-Denken. Durch die Predigt der großen ewigen Wahrheiten: Gott, Christus, Kirche, Ewigkeit. Durch das immerwährende Zurückkommen auf das Grundlegende und Einzignotwendige: Dass wir auf Erden sind, um Gott zu erkennen, ihn zu lieben, ihm zu dienen und dadurch in den Himmel zu kommen. Dass man entweder gerettet oder verdammt wird und dass es kein Drittes gibt. Dass die Todsünde das größte Unglück ist. Dass der Glaube zur Seligkeit durchaus nötig ist. Dass wir ohne die Gnade nichts Verdienstliches zu tun vermögen. Dass es außer der Kirche kein Heil gibt. Das will besonders die Fastenzeit: die großen ewigen Wahrheiten dem Volke wieder vor-denken.

Das Vor-denken aber genügt nicht. Zum Vor-denken des Predigers und des Schriftstellers muss das Nach-denken des Hörers und des Lesers kommen. Das vergessen aber viele. Vielleicht die meisten. Die Predigt ist mit dem Amen nicht aus. So wenig wie die Mahlzeit fertig ist mit der Zubereitung des Tisches. Man muss auch essen! Man muss die Wahrheit verarbeiten. Man muss sie verdauen und umwandeln ins eigene Fleisch und Blut. Man muss sie zum geistigen Eigentum werden lassen. Darum vergleicht Christus die Wahrheit mit dem Brot. «Der Mensch lebt nicht allein vom Brot, sondern von jedem Wort, das aus dem Munde Gottes kommt» (Mt 4,4).

 

Daraus ergibt sich die Notwendigkeit der Betrachtung, d.h. der nachdenklichen Vertiefung in die göttliche Wahrheit. Es genügt nicht, die Wahrheit einmal gehört zu haben. Wer sie nur einmal hört, der vergisst sie wieder. Nur eine durchgedachte Wahrheit ist eine besessene Wahrheit. Nur eine besessene Wahrheit ist eine lebendige und eindrucksvolle Wahrheit. Die Mutter des hl. Johannes Bosco nahm einmal einen armen durchnässten Handwerksburschen in ihr Haus auf. Nachdem sie ihn bewirtet, verrichtete sie mit ihm das Nachtgebet und gab ihm dann ein paar gute Gedanken mit zur Erwägung vor dem Einschlafen. In Zukunft beschloss man in den Häusern Don Boscos nie mehr einen Tag, ohne dass der Vater des Hauses den Seinen einen guten Gedanken mitgab. Das ist das Minimum von Betrachtung: Kein Einschlafen ohne einen guten Gedanken.

Und wer mehr als das Minimum zu tun gesonnen ist, der wird sich sagen: Kein Morgen, kein Tag ohne eine Viertelstunde, ohne zehn Minuten, wenigstens fünf Minuten ernsten betenden Nachdenkens über eine religiöse Wahrheit. Dazu ist besonders der Sonntag da. Der Sonntag ist kein Tag der Zerstreuung, sondern der Sammlung. Ein Tag, wo man denkt. Nach-denkt und durch-denkt und zu Ende denkt.

 

Der erste Fastenvorsatz wird also der sein: Wir müssen mehr denken. Weniger Zerstreuung und mehr Sammlung! Kein Tag ohne ein Minimum von Betrachtung! Kein
Abend ohne Beschäftigung mit einem guten Gedanken vor dem Einschlafen! Und was die Lektüre betrifft: Bücher lesen von Schriftstellern, die denken! Und was die Gesellschaft angeht: Mit Menschen verkehren, die denken! Die Gedankenlosigkeit hat die moderne Gesellschaft an den Rand des Abgrundes gebracht. Wie Beda Weber einmal sagt: Halbes Denken führt zum Teufel. Ganzes Denken aber führt zu Gott.

 

Prälat Robert Mäder
 
 
Gottesdienstordnung für die Zeit vom 7.2.2010 bis 21.2.2010
So 7.2. Sonntag Sexagesima  – II. Klasse
  8:00 Uhr hl. Messe
  9:00 Uhr Glaubensvortrag
  10:00 Uhr lev. Hochamt, anschließend Blasiussegen
  17:00 Uhr Vesper mit Sakramentsandacht
Mo 8.2.

Fest des hl. Johannes von Matha, Bekenners

  7:15
Uhr Kommunitätsmesse
  17:15 Uhr Abendmesse
  18:30 Uhr Rosenkranz
Di 9.2.

Fest des hl. Cyrill von Alexandrien, Bischofs und Kirchenlehrers; Gedächtnis der hl. Apollonia, Jungfrau und Martyrerin

  7:15 Uhr Kommunitätsmesse
  17:15 Uhr Abendmesse
  18:30 Uhr Rosenkranz
Mi 10.2.

Fest der hl. Scholastika, Jungfrau

  7:15 Uhr stille hl. Messe
  17:15 Uhr Abendmesse
  18:30 Uhr Rosenkranz
Do 11.2.

Fest der Erscheinung der unbefleckten Jungfrau Maria in
Lourdes

  7:15 Uhr Kommunitätsmesse
  17:15 Uhr Abendmesse
  18:30 Uhr Sakramentsandacht
Fr 12.2.

Fest der hll. Sieben Stifter des Servitenordens, Bekenner

  7:15 Uhr Kommunitätsmesse
  17:15 Uhr Abendmesse
  18:30 Uhr Kreuzweg
Sa 13.2. Muttergottessamstag
  7:15 Uhr Kommunitätsmesse
  17:15 Uhr Abendmesse
  18:30 Uhr Rosenkranz
So 14.2.

Sonntag Quinquagesima – II. Klasse

  8:00 Uhr hl. Messe
  9:00 Uhr Glaubensvortrag
  10:00 Uhr lev. Hochamt, anschl. Aussetzung des Allerheiligsten und Beginn des  40-stündigen Gebets bis Dienstagmorgen
  17:00

Uhr Vesper mit Andacht

Mo 15.2. Wochentag; Gedächtnis des hl. Faustinus und Jovita, Martyrer
  7:15 Uhr Kommunitätsmesse
  17:15 Uhr Abendmesse
  18:30 Uhr Rosenkranz
Di 16.2. Wochentag
  6:15 Uhr Einsetzung des Allerheiligsten
  6:50

Uhr ges. Amt (Votivmesse vom Allerheiligsten Altarsakrament)

  17:15 Uhr Abendmesse
  18:30 Uhr Rosenkranz
Mi 17.2.

Aschermittwoch – I. Klasse, gebotener Fast- und Abstinenztag

  6:50 Uhr Aschenweihe und Austeilung des Aschenkreuzes, anschl. ges. Amt
  17:15 Uhr Abendmesse, anschl. Austeilung des Aschenkreuzes
  18:30 Uhr Rosenkranz
Do 18.2. Wochentag; Gedächtnis des hl. Simeon, Bischofs und Martyrers
  7:15 Uhr Kommunitätsmesse
  17:15 Uhr Abendmesse
  18:30 Uhr Sakramentsandacht
Fr 19.2. Wochentag
  7:15 Uhr Kommunitätsmesse
  17:15 Uhr Abendmesse
  18:30 Uhr Kreuzweg
Sa 20.2. Wochentag
  7:15 Uhr Kommunitätsmesse
  17:15 Uhr Abendmesse
  18:30 Uhr Rosenkranz
So 21.2. Erster Fastensonntag Invocabit me – I. Klasse
 

8:00

Uhr hl. Messe, anschl. Austeilung des Aschenkreuzes

  9:00 Uhr Glaubensvortrag
  10:00 Uhr lev. Hochamt, anschl. Austeilung des Aschenkreuzes
  17:00 Uhr Vesper mit Sakramentsandacht
 
Beichtgelegenheit: An Sonn- und Feiertagen ab 7:45 Uhr und auf Anfrage
Katechismus-Unterricht: sonntags von 9:00 – 9:45 Uhr
 
 
 
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