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Heilmittel für die heutigen
Zeitübel - Neujahrsgedanken Teil I
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Da die vereisten Straßen es
vielen Gläubigen nicht erlaubten, an
Neujahr die hl. Messe zu besuchen, erlauben
wir uns, aufgrund des programmatischen Charakters
der Neujahrspredigt, dieselbe hier (leicht
erweitert) zu veröffentlichen.
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Zum neu angebrochenen Jahr entbiete ich
Ihnen meine besten Segenswünsche. Möge
es für Sie alle ein glückliches,
friedvolles, gesegnetes Jahr werden. Der
Segen Gottes begleite Sie alle Tage. Und
mögen Sie alle dieses neue Jahr hoffnungsfroh,
mutig und mit festem Gottvertrauen beginnen. |
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Diese frohe christliche Hoffnung tut
uns allen not. Ein Blick auf die heutige
Weltlage macht es uns in der Tat schwer,
und von Jahr zu Jahr schwerer, wirklich
zuversichtlich in die Zukunft zu blicken. |
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Der religiöse, geistig-moralische
Niedergang der Gesellschaft schreitet rasant
voran; auch die Gutgesinnten bleiben nicht
unberührt, sondern sind in Gefahr mitgerissen
zu werden. |
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Einer unserer Priester in Frankreich,
der seit Jahren in einem Exerzitienhaus
wirkt, sagte uns vor kurzem: die Exerzitien
sind ein wunderbares Apostolat, aber von
Jahr zu Jahr mehren sich die schwierigen
Fälle, die schier unlösbaren Probleme. |
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M.a.W: die Gesellschaftskrise erreicht
auch die Gutgesinnten, die treuen Katholiken.
Denn wir leben ja nicht in einem Glashaus,
in einer kleinen, heilen Welt der Tradition,
sondern eben direkt in dieser Welt, wie
wir sie vorfinden. |
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Und so wird es tatsächlich von Jahr
zu Jahr schwerer, ein gutes katholisches
Leben zu führen – sei es für
die Familien oder für die Einzelnen. |
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Allerdings dürfen wir ja nicht den
Mut verlieren und meinen, es gäbe keine
Hoffnung mehr, jede Anstrengung sei ohnehin
zum Scheitern verurteilt. Nein nichts wäre
verkehrter als dies. |
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Der wahre Christ ist wesentlich ein Mensch
der Hoffnung und der Zuversicht. Zu Beginn
eines neuen Jahres dürfen wir uns erinnern,
dass Gott für jede Zeit spezielle Gnaden
gibt, und für jedes Zeitübel spezielle
Heilmittel! |
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Diesen Grundsatz mache ich mir heute
zu eigen, wenn ich Ihnen für das neue
Jahr zwei Leitworte mitgeben möchte. |
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Die heutige Welt leidet v.a. an zwei
Hauptübeln, die Folgen der allgemeinen
Gottlosigkeit sind. |
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1. Weil die Welt Gott verloren hat, ist
bei den meisten Menschen die Liebe erkaltet.
Denn wahre Liebe kann nur in Gott bestehen.
Wenn aber die Liebe erkaltet, triumphiert
der Egoismus: Rücksichtslosigkeit,
Härte, Gewalttätigkeit, Bosheit.
Das 1. Zeitübel: der unbarmherzige
Egoismus. |
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2. Weil die Welt den Schöpfer verloren
hat, geriet sie in eine gestörte Beziehung
zur Schöpfung, zur Natur und den Naturgesetzen.
Der Mensch ist denaturiert. Er hat sich
eine Scheinwelt aufgebaut mit Computertechnik,
Fernsehen und Fantasyfilmen wie Harry Potter
oder Herr der Ringe: eine neue irreale Welt
mit neuen irrealen Gesetzen. Das 2.
Zeitübel: die Denaturierung, die Flucht
in eine irreale Scheinwelt, die
den Menschen zerstört, weil sie ein
Angriff auf seine Natur darstellt. |
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Diese beiden Zeitübel scheinen mir
zwei Hauptsymptome der Krankheit zu sein,
worunter die heutige Welt leidet. Und wie
gesagt: weil wir nicht abgeschottet in einem
Glashaus wohnen, sind auch wir - als gläubige
Menschen - in Gefahr, angesteckt zu werden. |
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Das liegt ganz klar auf der Hand: |
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Wir sind in Gefahr, dass in uns die Liebe
erkaltet, dass wir zu hart und unbarmherzig
und rücksichtslos werden. |
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Und zweitens laufen wir Gefahr, die Harmonie
mit der Natur zu verlieren. |
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Darum möchte ich Ihnen – ausgehend
von dieser Diagnose – zwei Heilmittel
anbieten, die Ihnen als Leitsprüche
für das Neue Jahr dienen mögen. |
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| 1. Leitspruch |
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Den ersten Leitspruch habe ich einem
grossen Heiligen entlehnt, dem hl. Odilo,
der im 10. Jahrhundert mit seinem Kloster
Cluny eine schreckliche Kirchenkrise überwand:
das sog. Saeculum obscurum, das dunkle Jahrhundert.
Mit seiner Losung erwirkte er ein mächtiges
Aufblühen des Eifers für Gott,
er baute ein Kloster mit 3000 Mönchen.
Was war nun seine Losung, die er jetzt auch
uns für das begonnene Jahr mit auf
den Weg gibt? |
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Seine Losung lautete: Alles in Liebe!
Nach diesem Programm hat er als Abt regiert
und als Priester gewirkt. Er pflegte zu
sagen: „Ich will lieber wegen Barmherzigkeit
barmherzig gerichtet, als wegen Härte
hart verdammt werden.“ |
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Freigebig schenkte er allen seine aufrichtige,
selbstlose Liebe. Um den Armen helfen zu
können, machte er sich selber arm,
und als zur Zeit einer schlimmen Hungersnot
Odilos Kloster durch seine Freigebigkeit
schon von allem entblößt war,
zog er von Ort zu Ort, von Burg zu Burg
und bettelte Gaben für die Notleidenden
und munterte auf zu christlicher Hilfe.
Gegen bußfertige Sünder war er
wie Gott: schrankenlos im liebenden Verzeihen.
Den Hausgenossen war er ein Bild des gütigen,
liebeschenkenden Heilands. Man sagte von
ihm: Wenn Abt Odilo einem begegnet, dann
ist es, als ob ein Festtag in die Seele
zöge. Die Liebe lag wie ein Schimmer
der Verklärung über seinem ganzen
Wesen und beglückte jeden, der mit
ihm in Berührung kam. |
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Alles in Liebe! Kann es einen
schöneren Leitspruch für das neue
Jahr geben? Wie viele Verstimmungen und
Mißhelligkeiten, wieviel Zank und
Hader würden vermieden, wenn wir alle
uns ernstlich mühten, nach diesem Wahlspruch
zu handeln! Von Abt Odilo heißt es:
„Begegnete er einem, so war's, als
ob ein Festtag in die Seele zöge.“
Wie schön wäre es, wenn sich das
im neuen Jahr auch von uns sagen ließe!
Wer uns in diesem Jahr entgegentritt, Hausgenossen
oder Fremde, Vorgesetzte oder Untergebene,
Freunde oder Gegner - es soll ihnen in unserer
Nähe werden, als zöge ein Festtag
in ihre Seele. An unserer Liebe soll sich
ihre Liebe entzünden - ihre Liebe zu
den Mitmenschen, ihre Liebe zu Gott! |
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Ich weiß, das ist nicht einfach.
Es ist nicht einfach, eine verärgerte
Stimmung, ein mürrisches Wesen, eine
vorwurfsvolle Haltung zu überwinden.
Wie schade, wenn man sich nicht überwindet
und den anderen das Leben schwer macht! |
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Vielleicht war bisher zuviel abweisendes,
frostiges Wesen in uns, das wie kalter Frühlingsreif
auf zarten Blütenknospen wirkt. |
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Arbeiten wir doch da entschieden an uns!
Die Menschen sind so dankbar für jedes
bißchen warme Liebe, das sie finden.
– mehr denn je. Wir wollen doch die
Menschen froh machen, die zu uns kommen,
und mit denen wir zu tun haben - in der
Familie, im Geschäft, bei der Arbeit,
in Gesellschaft, auf der Straße. Alles
in Liebe! |
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Das heißt aber auch: Wir dürfen
uns durch nichts verbittern lassen –
es gibt immer wieder ärgerliche Situationen,
die einen unzufrieden machen könnten;
oder es gibt schmerzliche Enttäuschungen,
die wir von Mitmenschen erleben; oder schwere
Heimsuchungen, die uns bedrücken. Aber:
wir dürfen uns nicht verbittern lassen!
Jeder hat ein Kreuz zu tragen. Und wir wollen
es tragen, wie es sein soll: in Liebe, im
Geiste kindlichen Vertrauens und restloser
Hingabe an den Willen des himmlischen Vaters. |
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In einer Erzählung aus Rußland
wird geschildert, wie der Verbannte A. Petrowitsch
nach langen Leidensjahren endlich aus Sibirien
zurückgerufen wird. Unter unsäglichen
Mühen schleppt er sich mit seiner Frau
Markowna der Heimat zu. Erschöpft von
dem dreijährigen Wandern, lebensüberdrüssig
ob all des Leides, fragte eines Tages Markowna:
„Wie lang wird dieses Elend wohl noch
dauern?“ Petrowitsch antwortet: „Markowna,
bis zum Tode ist uns auferlegt zu leiden
um unseres Heilandes Jesu Christi willen.“
Da tat Markowna einen tiefen Seufzer und
sprach: „Nun ja, Petrowitsch, dann
wandern wir halt weiter!“ |
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Ein Kreuz liegt auf uns allen. Manche
von uns schleppen eine schier unerträgliche
Last. In müder, weher Verzagtheit fragt
so mancher: „Wie lange soll das Elend
wohl noch dauern?“ Gibt es auf diese
Frage eine schönere Antwort als die
des verbannten Petrowitsch: „Bis zum
Tode ist uns auferlegt zu leiden um unseres
Heilandes Jesu Christi willen.“ So
ist nun mal das Leben. Nehmen wir es gelassen
an. Wir dürfen nicht den Mut verlieren.
Das Kreuz ist auch nicht jeden Tag gleich
schwer. Aber unser Leben ist ein mühseliges
Wandern aus dem Land der Verbannung der
ewigen Heimat zu. Darum lasst uns der schlichten
russischen Bäuerin das ergreifend schöne
Wort nachsprechen: „Nun ja, dann wandern
wir halt weiter!“ Nicht stumpfsinnig
wie das Zugvieh unter dem Joch seiner Last;
nein, wir wandern weiter durch das neue
Jahr straffen Schrittes, aufrechten Ganges,
mit einem Herzen, in dem das helle Licht
einer unlöschbaren Liebe brennt; Gott
ist ja mächtig, diese Liebe immer wieder
von neuem zu entzünden.
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